AKW-Aus wegen Niedrigwasser: Atomkraft ist nicht mehr cool

In Frankreich erzeugen AKW deutlich weniger Strom, weil das KĂŒhlwasser der FlĂŒsse zu warm ist. Auch in anderen LĂ€ndern wurden Anlagen gedrosselt.
Sprengen nicht den Rasen, sondern den Fels: RumĂ€nische Marinesoldaten erhöhten so den Wasserstand der Donau fĂŒr das AKW CernavodÄ
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Andreea Alexandru/AP/dpa
Atomkraftwerke in Frankreich, der Schweiz, Ungarn und RumĂ€nien mussten in den vergangenen Tagen ihre Produktion drosseln oder sogar einstellen â die KĂŒhlung der Anlagen lĂ€sst sich angesichts niedriger WasserstĂ€nde und hoher Wassertemperaturen nicht mehr aufrechterhalten.
Betroffen sind primĂ€r jene Reaktoren, die nicht ĂŒber KĂŒhltĂŒrme verfĂŒgen, sondern KĂŒhlwasser direkt aus FlĂŒssen nutzen. Eine solche Anlage mit zwei Blöcken steht in Beznau in der Schweiz. Weil die Aare unterhalb des Kraftwerks bereits am 24. Juni eine Wassertemperatur von 25 Grad erreichte, wurde die Anlage vorĂŒbergehend auf 50 Prozent ihrer Leistung gedrosselt, inzwischen steht sie komplett still.
âTechnisch sind die hohen Wassertemperaturen der Aare fĂŒr das Kraftwerk und dessen KĂŒhlung kein Problemâ, sagt ein Sprecher der Betreiberfirma Axpo. Vielmehr diene die Abschaltung dem Schutz des Ăkosystems der Aare. Wenn nach vollstĂ€ndiger Durchmischung des KĂŒhlwassers mit der Aare eine Temperatur von 25 Grad ĂŒberschritten wird oder sich die Auslauftemperatur dem maximal zulĂ€ssigen Wert von 32 Grad nĂ€hert, muss der WĂ€rmeeintrag laut Umweltrecht reduziert werden, etwa durch eine Leistungsreduktion.
Die beiden anderen Kraftwerke in der Schweiz, Leibstadt und Gösgen, seien derzeit nicht von LeistungseinschrĂ€nkungen betroffen, heiĂt es bei der Betreiberfirma Alpiq. Die Anlagen verfĂŒgen ĂŒber KĂŒhltĂŒrme.
In Frankreich wurde unterdessen das Kraftwerk Golfech zum Schutz der GewĂ€sserökologie der Garonne abgeschaltet. AuĂerdem wurde an den Standorten Bugey, Nogent, Chooz, Saint-Alban und Blayais die Leistung vorĂŒbergehend gedrosselt.
âNoch nie gab es so frĂŒh im Jahr so viele ProduktionsausfĂ€lleâ, sagt der in Paris ansĂ€ssige Atompolitikberater Mycle Schneider. WĂ€hrend der Hitzewelle im Juni habe es in Frankreich einen Rekordverlust an verfĂŒgbarer KapazitĂ€t von 8,5 Gigawatt gegeben â das waren 14 Prozent der installierten Leistung. Bis Anfang August hĂ€tten sich die AusfĂ€lle dieses Jahres bereits auf mehr als vier Terawattstunden aufsummiert; bezogen auf die gesamte Atomstromerzeugung in diesem Zeitraum sind das rund zwei Prozent.
Drama an der Donau
Solche Werte hatte die Atomwirtschaft bislang nicht auf dem Schirm. Nach Zahlen des französischen Stromkonzerns EDF lagen die ProduktionsausfĂ€lle aufgrund hoher Temperatur und niedrigem Wasserstand seit dem Jahr 2000 durchschnittlich bei gerade 0,3 Prozent. Ohne Anpassungen der Anlagen könne der Wert bis 2050 auf rund 1,5 Prozent ansteigen, hatte es bislang geheiĂen. FĂŒr diesen Zweck will EDF bis 2040 rund 600 Millionen Euro jĂ€hrlich investieren, insgesamt 8,7 Milliarden Euro.
Neben Leistungsreduzierungen zum Schutz von Flora und Fauna können auch technische GrĂŒnde eine Abschaltung oder Drosselung eines Kraftwerks nötig machen. Im ungarischen Paks zum Beispiel reiche schlicht der Ansaugstutzen der KĂŒhlwasserpumpen nicht weit genug hinunter, um angesichts des extremen Niedrigwassers der Donau eine ausreichende KĂŒhlung zu ermöglichen, erklĂ€rt der deutsche Atomkraftverein Nuklearia.
GrundsĂ€tzlich sei selbst bei dem aktuellen Niedrigwasserstand noch ausreichend Wasser vorhanden, um einen Leistungsbetrieb aufrechtzuerhalten. Daher habe der Betreiber des Kraftwerks an der Donau bereits mit den Planungen begonnen, die Entnahmestelle tiefer zu legen. Auf die Schnelle hilft das aber nicht weiter â die Anlage wurde jetzt auf nur noch zwölf Prozent ihrer Nennleistung gedrosselt.
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Nachdem das MilitÀr nun einen Felsen sprengte, um mehr Wasser zum Kraftwerk zu leiten, stieg in RumÀnien der Wasserstand der Donau um immerhin zwei Zentimeter.
WĂ€hrend in Bulgarien der Betrieb des Kraftwerks Kosloduj an der Donau von Hitze und Trockenheit aktuell offenbar nicht betroffen ist, musste in RumĂ€nien die Produktion der Anlage CernavodÄ ebenfalls gedrosselt werden. Dort geht es primĂ€r um die Verteilung des Wassers zwischen zwei Donauarmen. Nachdem das MilitĂ€r nun einen Felsen sprengte, um mehr Wasser zum Kraftwerk zu leiten, stieg dort der Wasserstand um immerhin zwei Zentimeter â was etwas Luft verschafft.
Das kann aber nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass gerade an der Donau die Situation extrem angespannt ist. Wie der Fachinformationsdienst Montel berichtete, seien am Montag rund 40 Prozent der Atomkraft-KapazitĂ€t SĂŒdosteuropas wegen RekordniedrigwasserstĂ€nden auĂer Betrieb gewesen. Berater Mycle Schneider sieht das als ein Novum: Seiner Kenntnis nach sei âdie Situation an der Donau noch nie so dramatischâ gewesen.
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