Bewerber Achims Innenstadt beleben

Bei Veranstaltungen wie Summertime oder dem Stadtfest ist die Achimer Innenstadt gut gefĂŒllt. Wie das Zentrum auch abseits solcher Feste belebt werden kann, dazu vertreten die Parteien unterschiedliche Auffassungen.
FOCKE STRANGMANN
Sieben Parteien, eine WĂ€hlergruppe und ein Einzelbewerber kandidieren fĂŒr den nĂ€chsten Achimer Stadtrat. Im Vorfeld der Kommunalwahl am 13. September hat der ACHIMER KURIER ihre Zukunftsvorstellungen und Ideen fĂŒr die Stadt erfragt:
Was war bisher die gröĂte Bremse bei der Innenstadtentwicklung, und wie kann sie gelöst werden?
CDU: "Die gröĂte Bremse bei der Innenstadtentwicklung war bislang fehlender Mut zu neuen Konzepten und Investitionen. Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht: Mutige Investoren und innovative Projekte können den Weg weisen. Erste AnsĂ€tze sind bereits gemacht, und weitere benötigen eine geschlossene UnterstĂŒtzung aus Politik und Verwaltung. Eine attraktive Innenstadt braucht mehr Frequenzbringer â die CDU setzt insbesondere auf Gesundheitsangebote, Gastronomie, Kultur und vielfĂ€ltige Erlebnisse, die Menschen gerne in die Innenstadt bringen. FĂŒr ein möglichst weites Einzugsgebiet der Innenstadt und des Wochenmarktes ist die Erreichbarkeit mit dem Auto nach wie vor entscheidend und sicherzustellen."
SPD: "Die gröĂte Bremse ist, dass Investoren ihre Vorhaben immer wieder aufgrund der Kostensituation nach hinten schieben. Manche Vorhaben sind dabei komplett verloren gegangen, NeuverĂ€uĂerungen und Planungen dauern zusĂ€tzlich, dadurch sind viele GrundstĂŒcke lange blockiert. Es muss alles darangesetzt werden, dass die geplanten Projekte zeitnah umgesetzt werden, immer unter der Vorgabe, dass Neubauten Veranstaltungen in der FuĂgĂ€ngerzone nicht verhindern. Zudem muss Achims "Wohnzimmer" mehr AufenthaltsqualitĂ€t bekommen, also mehr GrĂŒn, BĂ€nke, Gastronomie und GeschĂ€ftsviertel fĂŒr Marktbeschicker, eine unterirdische Versorgungsstruktur plus, fĂŒr alle, eine VerĂ€nderung der Pflasterung."
BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: "Achims Innenstadt hat groĂes Potenzial, aber der Strukturwandel im Einzelhandel und eine fehlende AufenthaltsqualitĂ€t bremsen die Entwicklung. Besonders in den Randbereichen der FuĂgĂ€ngerzone fehlen attraktive Angebote und Orte fĂŒr Begegnung. Der Baumplatz ist heute noch zu stark vom Parken geprĂ€gt. Wir wollen die Innenstadt als lebendigen Ort zum Einkaufen, Wohnen und Verweilen stĂ€rken: mit mehr GrĂŒn, Sitzgelegenheiten, Barrierefreiheit und einer besseren Gestaltung öffentlicher RĂ€ume. LeerstĂ€nde sollten fĂŒr Wohnen, Gastronomie, Kultur und neue Angebote genutzt werden. DafĂŒr braucht es eine enge Zusammenarbeit mit EigentĂŒmerinnen und EigentĂŒmern sowie die Nutzung von Förderprogrammen."
FDP: "Die gröĂte Bremse ist ein Innenstadtmodell, das Kaufkraft abzieht, statt sie zu binden: Autoarme Konzepte, enge Vorgaben aus Einzelhandels- und Zentrenkonzept sowie RROP und zu kleine, oft nicht barrierefreie Altimmobilien machen die Innenstadt fĂŒr Handel und Kunden unattraktiver. Gelöst werden kann das nur durch weniger EinschrĂ€nkungen fĂŒr Nutzung und Sortiment, mehr VerkaufsflĂ€chen, belebende Verkehrskonzepte sowie eine Aufwertung der Innenstadt als Aufenthaltsbereich. Dies sind Anreize fĂŒr private Investitionen in moderne, barrierefreie Immobilien und GeschĂ€ftsentwicklung. Subventionierte Zwischenlösungen aus dem Altbestand verzögern die notwendige Erneuerung."
AfD: "Die gröĂte Bremse ist und bleibt das Geld. DafĂŒr sind derzeit keine Mittel vorhanden und werden in den nĂ€chsten Jahren voraussichtlich auch keine zur VerfĂŒgung stehen. Einen fiskalischen Mehrwert zwischen Dodenhof und dem Weserpark zu entwickeln, halten wir fĂŒr unrealistisch. VerschönerungsmaĂnahmen sind denkbar â einen echten Entwicklungsschub fĂŒr die Innenstadt werden sie jedoch nicht bringen. Gerade deshalb mĂŒssen die Anstrengungen, tragfĂ€hige und finanzierbare Konzepte zu finden, deutlich intensiviert werden."
Die Linke: "Das Kleinstadtsterben durch den Online-Handel ist die gröĂte HĂŒrde fĂŒr eine lebendige Innenstadt. Menschen kommen nur ins Zentrum, wenn AufenthaltsqualitĂ€t und Erlebnisse stimmen. WĂ€hrend Events wie Wochenmarkt, Stadtfest und After-Work-Partys gut laufen, fehlt die alltĂ€gliche AttraktivitĂ€t. Wir wĂŒrden dieses Problem durch eine grĂŒne, einladende Gestaltung lösen: ein ganzheitliches Urban-Gardening-Projekt, bei dem Kitas, Krippen und Schulen Patenschaften fĂŒr Hochbeete ĂŒbernehmen könnten. Das wĂŒrde Begegnungen schaffen, das Stadtbild verschönern und die Innenstadt wieder beleben."
BSW: "Die Investoren beginnen nicht mit der Umsetzung ihrer schon geplanten und genehmigten Projekte. Hier mĂŒssen verbindliche VertrĂ€ge mit den EigentĂŒmern und Investoren ĂŒber die Umsetzung ihrer Projekte geschlossen werden."
WGA:"Durch das Einholen immer neuer Gutachten, Ideen, Ausarbeitungen â teils mehrmals zum selben Thema â verzögerte und verteuerte sich der Entwicklungsprozess völlig unnötigerweise. Hinzu kommt, dass die Verwaltung stets vorschob, dass gröĂere BaumaĂnahmen wie die VerĂ€nderung des Bodenbelags nicht erfolgen sollten, bevor die GroĂbaustellen Nintkewitz-Haus und ehemalige Sparkasse erledigt seien."
Sven Adamietz (parteilos): "Im Rahmen der Belebung unserer FuĂgĂ€ngerzone stellt die Zögerlichkeit bei der Schaffung von AufenthaltsqualitĂ€t die gröĂte Bremse dar. Vonseiten der Verwaltung wird immer wieder betont, dass zunĂ€chst die GroĂprojekte abgeschlossen sein mĂŒssen (Sparkasse, Markthöfe, Marktpassage). Die FuĂgĂ€ngerzone mit dem Schwerpunkt Einzelhandel ist aber nicht mehr zeitgemĂ€Ă. Hier sind mehr Eigeninitiative und niedrigschwellige AnsĂ€tze gefragt. WĂ€hrend in anderen InnenstĂ€dten wie Verden Themen wie Urban Gardening, temporĂ€re und mobile BegrĂŒnung aufgegriffen und attraktiv umgesetzt werden, beschĂ€ftigen wir Gutachter und Arbeitsgruppen mit der Erstellung von Konzepten, die nicht zu unserer Innenstadt passen."
Info
Alle Parteien hatten fĂŒr die Beantwortung die gleiche maximale Zeichenanzahl zur VerfĂŒgung.
Zur Startseite