Bundeskanzler Merz empfÀngt Modebranche

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Stand: 15.07.2026, 18:19 Uhr
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Fashion Week Berlin: Designerinnen und Designer zeigen ihre Arbeiten in der ganzen Stadt. © Andreas Hofrichter
Modeschauen und PrĂ€sentationen, Pop-up-Shops und Store Events, Ausstellungen und Performances â und ein Empfang im Bundeskanzleramt: vier vollgepackte Tage in Berlin im Geiste der Mode.
Die Bilanz dieser vier Tage Anfang Juli zeigt das stetige Wachstum der Berlin Fashion Week: Auf mittlerweile 53 Modenschauen und 62 Side Events zeigten die Modedesignerinnen und -designer ihre Arbeiten in der ganzen Stadt â von WeiĂensee bis Westend, von Tiergarten bis Tempelhof, von Friedrichshain bis Friedrichsfelde.
Das Format Raum.Berlin fand zum dritten Mal statt. Hier prĂ€sentierten insgesamt 16 Modedesignerinnen und -designer an vier Tagen ihre Kollektionen und Visionen im 16. Stockwerk des John-Jahr-Hauses. Besonders an diesem Format ist die ZugĂ€nglichkeit und Nahbarkeit der gezeigten Mode: Fachpublikum, aber auch die Ăffentlichkeit haben die Möglichkeit, mit den anwesenden Designer:innen ins GesprĂ€ch zu kommen und deren Mode zu begreifen â im wahrsten Sinne des Wortes.
Zum ersten Mal zu sehen war vollstĂ€ndig KI-generierte Mode: Taskin Goec ĂŒbertrĂ€gt die Prinzipien traditioneller Handwerkskunst in die digitale Welt und verwischt so die Grenzen zwischen digital und analog. Ausgebildet in Mode- und Couture-Techniken entwirft der Designer keine Kleidung, sondern eigene Welten.
NatĂŒrlich kam das Kernthema der Berliner Modewoche nicht zu kurz: Nachhaltigkeit. Anne Bernecker prĂ€sentierte ihre Arbeit im Rahmen von Raum.Berlin in Form einer Ateliersituation. Hier bekam man einen Eindruck von der handwerklichen Kunstfertigkeit, mit der das Label sehr gut erhaltene Vintage-Kleidung upcycelt. Laura Gerte zeigte auf ihrer Show, welch spannende Kreationen sich aus ausschlieĂlich recycelten Materialien fertigen lassen. Um nur zwei zu nennen.
Selbst auf Bundesebene wurde Mode zum Thema: Am zweiten Tag der Berlin Fashion Week luden Gitta Connemann, Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Energie, und Wolfram Weimer, Staatsminister fĂŒr Kultur und Medien, zum Empfang ins Bundeskanzleramt. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz nahm an der Veranstaltung teil. In seiner Rede betonte Weimer nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die gesellschaftliche Bedeutung der Mode fĂŒr Deutschland: âMode ist Hochkultur.â
MARKE
Mario Keine hinterfragt immer wieder klassische Referenzen. © Andreas Hofrichter
Immer wieder hinterfragt Mario Keine, der Kopf hinter dem ă Label, die fĂŒr ihn typischen historischen Referenzen und setzt sie in seinen EntwĂŒrfen durch konzeptionelle Reduktion in neue ZusammenhĂ€nge. In der Show âRelics & Remnantsâ ergeben T-Shirts mit âSchwalbenschwanzâ, verschobene Proportionen, Details wie ein an den Hosenbund an- und abknöpfbarer âKummerbundâ ein elegantes Gesamtbild.
Kasia Kucharska
Kucharska verbindet ihre avantgardistische Handschrift mit hoher Tragbarkeit. © Judith Kohl
Die Gewinnerin des ersten ă Mode-Nachwuchspreises, ausgelobt von âVogueâ und dem Fashion Council Germany, zeigt mit ihrer PrĂ€sentation erneut, dass sie eine der innovativsten Stimmen nicht nur der Berliner Modeszene ist.
Vertraute KleidungsstĂŒcke wie Hosen, Jeansjacken, Shirts oder Pullover wirken auf den ersten Blick alltĂ€glich. Schaut man sich die Kreationen aber nĂ€her an, entpuppen sich diese als aufwendig handgefertigte Latex-Kreationen. So verbindet Kucharska ihre avantgardistische Handschrift mit hoher Tragbarkeit.
Kilian Kerner
Fragil und trotzdem selbstbewusst: die Mode von Kilian Kerner. © Sebastian Reuter
Mit seiner auf persönlichen Erfahrungen der letzten Monate basierenden Kollektion âBurning Symphonieâ erzĂ€hlt der ă Designer von Schmerz, Verlust und der Kraft, nach schwierigen Zeiten neu zu beginnen.
Gezeichnete Models sieht man auf dem Laufsteg â wortwörtlich: das Make-up von TrĂ€nen verschmiert, âjanusköpfigeâ Kleidung â, teils intakt, teils bewusst mit Brandflecken versengt. Die prĂ€sentierte FragilitĂ€t zeigt sich trotzdem selbstbewusst: GĂŒrtel als Schmuckelemente lassen Haltung bewahren, Glitzer und Tiaras feiern den Neubeginn.
William Fan
Mit seiner Kollektion âRing the Bellâ erweitert William Fan seine Designsprache. © FAMILY RESORT
Mit seiner Kollektion âRing the Bellâ erweitert William Fan seine Designsprache: Skulpturale PlissĂ©arbeiten verleihen den von ihm in den Wilhelm-Hallen prĂ€sentierten Looks eine plastische, fast architektonische QualitĂ€t.
Opulentes Layering, Materialvielfalt aus unter anderem Samt, Cord, Leder und technischen Stoffen, Details wie dreifache Kragen oder Perlenakzente schaffen eine Balance aus ă Eleganz und Alltag und feiern IndividualitĂ€t und Handwerk ebenso wie die fĂŒr den Designer typische zeitlose Tragbarkeit seiner Mode.
Milk of Lime
Mode als Ausdruck von Wandel, Erinnerung und Widerstandskraft. © Judith Kohl
Auch das deutsch-belgische Designduo prĂ€sentiert mit âAshesâ eine Kollektion, die GegensĂ€tze wie Zerstörung und Neubeginn miteinander verbindet.
Bewusst unperfekte Texturen, wie aus zerrissener Seide entstandene Strickwaren, und das Zusammenspiel von transparenten mit Wollstoffen spiegeln die melancholisch-romantische Ăsthetik von Milk of Lime wider. Mode als Ausdruck von Wandel, Erinnerung und Widerstandskraft.
Mariusz Przybylski
Klassische Formen neu zu interpretieren ist die StÀrke des polnischen Designers. © Filip Okopny
Klassische Formen neu zu interpretieren, ist die StĂ€rke des polnischen Designers. PrĂ€zise Schneiderkunst, flieĂende Silhouetten und die reduzierte Farbpalette zeigen, wie zeitgemÀà Eleganz sein kann.
Klare Linien schaffen Ruhe und geben Raum fĂŒr raffinierte Details, die den Looks individuelle Spannung verleihen: So scheint zum Beispiel der dazugehörige Blazer zur Anzugă hose kunstvoll dekonstruiert um die Taille gebunden zu sein. Hohe Schneiderkunst, die ĂŒberrascht.
Martin Quad
Das Label Martin Quad denkt Mode neu. © FinneganKoichiGodenschweger
Martin Juncker, dĂ€nischer Designer und GrĂŒnder des Labels Martin Quad, denkt Mode neu. Durch seine Mischung aus Tradition, Dekonstruktion und Innovation lĂ€sst er uns altbekannt KleidungsstĂŒcke neu wahrnehmen. HosenanzĂŒge als Einteiler, in die LĂ€nge gezogene HosenbĂŒnde, umgekrempelte Hosenă sĂ€ume auf Kniehöhe: In prĂ€ziser Schneiderkunst kommen NonkonformitĂ€t und Tragbarkeit auf ĂŒberraschende und spannende Weise zusammen.
Fruché
Frank Aghuno prĂ€sentiert mit seiner Kollektion âKlegâ zeitgenössische afrikanische Mode jenseits von Klischees. © Judith Kohl
Der nigerianische Designer Frank Aghuno prĂ€sentiert mit seiner Kollektion âKlegâ zeitgenössische afrikanische Mode jenseits von Klischees. Die Kombination von Gingham ă (Karostoff) mit traditionellen nigerianischen Textiltechniken wie aufwendig gewebtem Aso Oke und handgefĂ€rbtem Adire, von klassischen Schnitten und tief verwurzelter afrikanischer Handwerkskunst, dazu Asymmetrie, verzerrte Proportionen und ĂŒberlange Ărmel ergeben ein spannendes Zusammenspiel. Ein Höhepunkt: die Kleider aus Holz-Chimes, deren klappernder Klang die gesamte Halle erfĂŒllt.