Bundestags-Innenausschuss tagt zu CSD-Anschlag

Innenausschuss tagt zu CSD-Anschlag
Die zentrale Frage ist noch nicht beantwortet
Stand: 04.08.2026 âą 04:47 Uhr
Der islamistische Terroranschlag beim Berliner CSD ist heute Thema im Innenausschuss des Bundestags. Die Teilnehmer der Sondersitzung sind hochrangig - und mĂŒssen sich auf viele Fragen gefasst machen.
Zehn Tage nach dem Attentat auf den Christopher Street Day in Berlin lautet die zentrale Frage weiterhin: Wieso konnte der Terroranschlag nicht verhindert werden? Dabei hatten die Behörden den mutmaĂlichen AttentĂ€ter Abdul B. schon lange auf dem Radar, er war seit Monaten als islamistischer GefĂ€hrder eingestuft.
Linke und GrĂŒne im Bundestag hatten auf eine Sondersitzung des Innenausschusses gedrĂ€ngt, um weitere Antworten zu bekommen. Wegen der parlamentarischen Sommerpause findet die Sitzung per Videoschalte statt. Die Teilnehmer sind hochrangig: Neben Bundesinnenminister Alexander Dobrindt werden auch die Chefs von Bundespolizei, BKA und Verfassungsschutz zugeschaltet.
Abdul B. galt als "Hochrisikoperson"
Zentrale Punkte sind aber schon bekannt: So wurde in Recherchen von NDR, WDR und SĂŒddeutscher Zeitung detailliert nachgezeichnet, dass Abdul B. fĂŒr das BKA als sogenannte Hochrisikoperson galt und noch kurz vor dem Anschlag von Sicherheitsbehörden gefilmt wurde.
Auf einer Sondersitzung im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses wurde bekannt, dass der Verfassungsschutz die AktivitÀten des Mannes in der salafistischen Szene schon seit Jahren im Blick hatte.
GrĂŒnen-Politiker von Notz: Viele offene Fragen
Der GrĂŒnen-Innenpolitiker Konstantin von Notz hat aber noch viele Fragen - zum Beispiel, welche GefĂ€hrdungseinschĂ€tzung durch welche Behörde vorgenommen wurde. Von Notz verlangt auĂerdem - wie bei vergangenen Taten - eine detaillierte Zeitleiste, wann Landes- und Bundesbehörden wie gehandelt haben.
Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte von Notz: "Alexander Dobrindt muss die zahlreichen offenen Fragen beantworten. Sein Haus muss schnellstmöglich eine solche Chronologie als Grundlage der weiteren AufklÀrung vorlegen." Es gehe auch darum, warum der Bund vor der Tat nicht sehr viel stÀrker koordiniert habe. "Denn genau dazu haben wir vor Jahren gemeinsame Konferenzen und Abwehrzentren eingerichtet."
Bei dem Terroranschlag am 25. Juli hatte der AttentÀter im Berliner Tiergarten mit einem Auto mehrere Passanten angefahren, bevor er - vermutlich mit einer Machete - weitere Menschen angriff. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der Islamist wurde am Tag darauf von Polizisten in Berlin erschossen, als die Beamten ihn festnehmen wollten.
Debatte ĂŒber FuĂfessel und PrĂ€ventivhaft
Als Reaktion hat sich Bundesinnenminister Dobrindt fĂŒr einen hĂ€rteren Umgang mit Menschen ausgesprochen, die von der Polizei als GefĂ€hrder eingestuft sind. Er fordert, sie sollten als Standard per FuĂfessel ĂŒberwacht werden. Der CSU-Politiker will auĂerdem, dass GefĂ€hrder konsequenter vorsorglich in Gewahrsam genommen werden. PrĂ€ventivhaft fĂŒr GefĂ€hrder sei "zwingend notwendig".
Auch der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler will, dass "alle Instrumentarien" auf den Tisch kommen. Beide MaĂnahmen fallen vor allem in die ZustĂ€ndigkeit der BundeslĂ€nder, sind heute grundsĂ€tzlich möglich, werden aber sehr unterschiedlich angewandt.
BĂŒnger: Bestehende Möglichkeiten konsequent nutzen
Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Clara BĂŒnger, warnt deshalb: "Bevor neue Gesetze beschlossen und Grundrechte weiter eingeschrĂ€nkt werden, muss geklĂ€rt werden, ob die bestehenden Möglichkeiten konsequent genutzt wurden."
Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte BĂŒnger: "Neue Befugnisse helfen nicht, wenn vorhandene Erkenntnisse nicht richtig zusammengefĂŒhrt werden."