BVR-Prognose: Niedrigwasser bremst Konjunktur nur vorĂĽbergehend

Stand: 18.08.2026 • 15:12 Uhr
Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr stärker wachsen - davon geht zumindest der Verband der Genossenschaftsbanken aus. Seine Prognose hat er entsprechend angepasst.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) blickt deutlich optimistischer als bisher auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den kommenden Monaten: Der Genossenschaftsbankenverband hat seine Wachstumsprognose fĂĽr das laufende Jahr deutlich angehoben, von bislang 0,5 auf 1,0 Prozent.
Der BVR verwies auf "eine spürbare Belebung der wirtschaftlichen Aktivität in Deutschland trotz anhaltender geopolitischer und klimatischer Belastungen". So bremsten das Niedrigwasser im Rhein und die Hitzewelle "die Erholung der Wirtschaft nur vorübergehend", erklärte BVR-Chefvolkswirt Andreas Bley.
Belebung in der Industrie und im Baugewerbe
Zugleich hätten sich in den vergangenen Monaten "die Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur nach mehreren Jahren der Schwäche verdichtet". Bley nannte drei Wachstumsquartale in Folge, verbesserte Frühindikatoren und eine Aufwärtsrevision früherer Daten zum Bruttoinlandsprodukt.
Die BVR-Ökonomen sehen demzufolge steigende Exporte, eine allmähliche Belebung der Industrie und eine "zunehmende Dynamik" im Baugewerbe. "Vor allem die staatlichen Investitionsprogramme in den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz dürften der Wirtschaft in den kommenden Quartalen zusätzliche Wachstumsimpulse verleihen", ergänzten sie.
Risiken durch Niedrigwasser bleiben
Aktuell führe das Niedrigwasser zu Lieferkettenstörungen und erhöhe die Logistikkosten. "Nach unserer Einschätzung dürfte die gesamtwirtschaftliche Belastung aber zeitlich begrenzt bleiben", erklärte Bley. "Sollte sich die Pegelsituation in den kommenden Wochen normalisieren, dürfte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal preisbereinigt wieder leicht zunehmen."
Allerdings blieben die Risiken für die deutsche Wirtschaft erheblich, gibt Bley zu bedenken: "Eine längere Störung wichtiger Handelsrouten, eine erneute Verschärfungen in der US-Handelspolitik oder ein deutlicher Anstieg der Energiepreise könnten den Aufschwung abbremsen."
ZEW-Konjunkturerwartungen verbessern sich erneut
Ähnlich hatten sich zuvor auch die Experten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) geäußert: Die ZEW-Konjunkturerwartungen haben sich den vierten Monat in Folge verbessert und den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs erreicht. Das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW stieg im August im Vergleich zum Vormonat um 7,9 Punkte auf plus 34,2 Punkte.
ZEW-Präsident Achim Wambach verwies auf jüngste Unternehmens- und Exportzahlen und spricht von einem "positiven Trend in den Erwartungen". Während die deutsche Wirtschaft weiterhin von den Infrastrukturprogrammen der Bundesregierung profitiere, berge das Rekord-Niedrigwasser am Rhein allerdings kurzfristig ein akutes zusätzliches Risiko für die Konjunktur. Die Verbesserung der Erwartungen erfasste alle Branchen.
"Trotz aller Störfeuer vom ungelösten Nahost-Konflikt bis zur Niedrigwasserkrise zeigen die Finanzmarktexperten zum vierten Mal in Folge eine wachsende Zuversicht, dass die Konjunktur den Widrigkeiten trotzt", kommentierte Elmar Völker, Volkswirt bei der LBBW. "Ob die positiven Impulse ausreichen, um die wirtschaftliche Talsohle nachhaltig zu überwinden, muss sich jedoch erst noch zeigen."