Chinas Chip-Durchbruch löst weltweiten Tech-Ausverkauf aus

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Stand: 30.07.2026, 04:47 Uhr
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Die weltweiten Technologiebörsen sind eingebrochen, nachdem China einen Durchbruch bei der Entwicklung von Technologie erzielt hat, die für den KI‑Boom entscheidend ist.
Der Einbruch hat Anleger auf allen wichtigen Märkten verunsichert und neue Sorgen über die Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der globalen Halbleiterindustrie ausgelöst.
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Dieser Artikel von Chris Price,James Titcomb entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Der Handel mit Südkoreas Leitindex Kospi wurde zeitweise ausgesetzt, nachdem er inmitten eines weltweiten Ausverkaufs von Halbleiterunternehmen nach einem trüben Handelstag an der Wall Street über Nacht um fast 11 Prozent eingebrochen war. Die nervöse Stimmung griff rasch auf andere asiatische Märkte und große europäische Technologiewerte über.
Der südkoreanische Leitindex Kospi. © Ahn Young-joon/AP/dpa
Der Abschwung wurde durch Berichte ausgelöst, wonach ein chinesischer Staatskonzern mit der Massenproduktion von Maschinen begonnen hat, die für die Herstellung fortschrittlicher Mikrochips entscheidend sind, die in KI‑Anwendungen eingesetzt werden. Dieser Schritt schürt Befürchtungen, dass Peking schneller als erwartet in eine Schlüsseltechnologie der nächsten Generation vordringt.
Chinas neuer Lithografie-Gigant sorgt für Unruhe
Chinas Chip-Gigant Shanghai Yuliangsheng hat nach Angaben der Tech‑Publikation The Information mit der Produktion sogenannter DUV‑Lithografiemaschinen mit tiefem ultraviolettem Licht begonnen. Diese bislang weitgehend von westlichen Konzernen dominierten Anlagen können so groß wie ein Doppeldeckerbus sein und nutzen Hochleistungslaser, um Schaltkreise auf Siliziumwafer zu belichten, aus denen anschließend Chips gefertigt werden.
Führende chinesische Chiphersteller sollen die ersten Lieferungen dieser Maschinen noch in diesem Jahr erhalten, was die inländischen Fertigungskapazitäten deutlich ausweiten könnte. Branchenbeobachter sehen darin einen potenziellen Wendepunkt für Chinas Bestreben, die Abhängigkeit von ausländischer Hochtechnologie zu verringern und eigene Lieferketten aufzubauen.
Fortschrittliche Halbleiter, wie sie etwa in KI‑Chips verwendet werden, basieren auf winzigen, mit bloßem Auge unsichtbaren Schaltkreisen. Sie lassen sich nur herstellen, indem gebündelte Laserstrahlen auf Mikrochipwafer gerichtet werden, ein Verfahren, das als ultraviolette Lithografie bekannt ist und extrem hohe technische Präzision erfordert.
Westliche Technologieführer unter Druck
Die fortschrittlichsten Versionen dieser Technologie waren bislang weitgehend das Terrain westlicher Unternehmen wie des niederländischen Konzerns ASML und des japanischen Herstellers Nikon. US‑Exportkontrollen haben den Zugang dieser Maschinen nach China gekappt und damit bislang verhindert, dass dort die modernsten Chips auf dem neuesten Stand der Technik produziert werden können.
Xi Jinping, der chinesische Präsident, hat die Beherrschung dieser Schlüsseltechnologie zu einer nationalen Priorität erklärt, um im Bereich der künstlichen Intelligenz mit den USA konkurrieren zu können. Der Vorsprung Amerikas ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass China keinen Zugang zu den modernsten Chips des Tech‑Giganten Nvidia hat, die für KI‑Rechenzentren weltweit als Goldstandard gelten.
Jing Jie Yu, Analyst bei Morningstar, sagte, Chinas technologischer Durchbruch habe bei Anlegern großer Halbleiterwerte Besorgnis ausgelöst. Marktteilnehmer fürchteten, dass ein schneller Aufholprozess der Volksrepublik die bisherigen Marktführer unter Anpassungsdruck setzen und deren Gewinnmargen langfristig schmälern könnte.
Anleger durch rasanten Stimmungsumschwung verunsichert
Er sagte: „Wir glauben, dass der Markt durch den Fortschritt bei Chinas Fähigkeiten im Bereich der Chipfertigungsausrüstung verunsichert wurde und befürchtete, dass dieser Fortschritt die Wettbewerbsposition globaler Chip- und Chipequipmentführer bedrohen würde.“ Die deutlichen Kursverluste spiegelten deshalb weniger eine unmittelbare Gewinnwarnung als die Neubewertung künftiger Ertragschancen wider.
Die Aktien von ASML, Europas wertvollstem Unternehmen und einem führenden Hersteller der Technologie, fielen am Montag um mehr als 8 Prozent. Die Papiere des Rivalen ASM International gaben um über 7 Prozent nach, während der Ausrüster BE Semiconductor nahezu 10 Prozent einbüßte und damit zu den größten Verlierern im europäischen Tech‑Sektor zählte.
Die japanischen Börsenindizes Nikkei und Taiex in Taiwan sackten am Dienstag jeweils um mehr als 4 Prozent ab. Auch andere asiatische Märkte gerieten unter Druck, da Investoren ihre Engagements in wachstumsstarken, aber hoch bewerteten Technologieunternehmen reduzierten.
Südkoreanische Chipriesen im freien Fall
Die südkoreanischen Chiphersteller Samsung und SK Hynix, die in diesem Jahr maßgeblich die starke Rally des dortigen Aktienmarktes befeuert hatten, verloren jeweils mehr als 12 Prozent. Die beiden Konzerne sind damit fast 50 Prozent von ihren Allzeithochs entfernt, die erst im vergangenen Monat erreicht worden waren, und signalisieren eine abrupte Trendwende nach einer Phase scheinbar ungebremsten Wachstums.
Damit steuert Südkoreas Kospi‑Index auf den schlechtesten Monat seit 1997 zu, als die asiatische Finanzkrise die Region erschütterte. Der Vergleich verdeutlicht, wie ernst die aktuellen Verwerfungen an den Märkten genommen werden, auch wenn die wirtschaftlichen Fundamentaldaten bislang deutlich robuster erscheinen als vor knapp drei Jahrzehnten.
Stephen Innes von SPI Asset Management sagte jedoch, der Abschwung sei kein Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach Halbleitern eingebrochen sei oder dass Technologiekonzerne ihre Investitionen in KI‑Infrastruktur zurückfahren würden. Vielmehr handele es sich um eine Korrektur nach Jahren stark steigender Bewertungen, in denen Hoffnung und Zukunftsversprechen oft schwerer gewogen hätten als aktuelle Gewinne.
Bewertungsexzess bei KI‑Werten gerät ins Wanken
Er sagte: „Was sich verändert hat, ist die Bereitschaft des Marktes, diese Versprechen zu nahezu jedem Preis zu kapitalisieren.“ Anleger seien weniger gewillt, extrem hohe Multiplikatoren zu akzeptieren, wenn gleichzeitig neue Wettbewerber in Schlüsseltechnologien auftauchen und regulatorische Risiken zunehmen.
„Der KI‑Trade hat sich in den vergangenen Jahren wie ein Schwungrad verhalten: Steigende Aktienkurse ermutigten zu höheren Ausgaben, höhere Ausgaben untermauerten steigende Gewinnerwartungen, und diese Erwartungen trieben die Bewertungen wiederum weiter nach oben“, sagte Innes. Das Zusammenspiel aus Euphorie und Liquidität habe zu einer sich selbst verstärkenden Rally geführt.
„Jetzt beginnt dasselbe Rad, Anleger mit hoher Geschwindigkeit abzuwerfen.“ Viele Marktteilnehmer sähen sich gezwungen, Gewinne mitzunehmen oder Positionen zu verkleinern, um das Risiko zu begrenzen, sollte der Stimmungsumschwung anhalten oder sich weiter verschärfen.
Wall Street unter Druck – Nvidia verliert Milliarden
Die Verluste am Dienstag folgten auf einen trüben Handelstag an der Wall Street. Die jüngsten Entwicklungen in China trafen auf bereits vorhandene Sorgen über überzogene Bewertungen im US‑Technologiesektor und steigende Finanzierungskosten, was den Abwärtsdruck auf die Kurse verstärkte.
Nvidia brach am Montag um 5 Prozent ein und löschte damit 250 Milliarden Dollar (188 Milliarden Pfund) an Börsenwert des weltweit höchstbewerteten börsennotierten Unternehmens aus. Die Aktien des Rivalen Sandisk stürzten um 11 Prozent ab, und auch AMD verlor 5 Prozent, was die zunehmende Nervosität an den Märkten über die Zukunft der bislang gefeierten KI‑Gewinner unterstrich.