Der Formwandler: Wie Söder sich immer wieder neu erfindet
Markus Söder ist Ministerpräsident Bayerns und CSU-Vorsitzender.
Quelle: ddp
Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, hat sich verändert. Im Auftreten, in seiner Wortwahl und vor allem optisch. Lange war er mit einer modischen Gesichtsbehaarung aufgetreten. Vielleicht wollte er so agiler und moderner wirken. Seit April ist das wieder anders. Der Bart ist ab. Öffentlich hat er es mit einem Missgeschick beim Rasieren erklärt.
Auffällig ist aber, dass mit dem glattrasierten Markus Söder auch wieder ein seriöserer Markus Söder zu erleben ist. Mehr Auftritte mit Krawatte, eine geringere Social-Media-Aktivität, das herzhafte Reinbeißen in Leberkäs-Semmeln oder Nürnberger Rostbratwürste ist seltener zu sehen. Markus Söder präsentiert sich öfter als Staatsmann statt als hemdsärmeliger und kumpelhafter Politiker.
Söder: Ein Offensivspieler in der Defensive
Das Ende einer destruktiven Rolle
Söder habe erkannt, dass die Rolle, als destruktive Kraft in der schwarz-roten Koalition wahrgenommen zu werden, nicht erfolgreich sei, erklärt ein Vertrauter. Übersetzt heißt das wohl: Söder muss sich verändern, um weiter ernstgenommen zu werden.
Seine Regierungserklärung am 21. Mai klingt wie ein entsprechendes Eingeständnis: "Ich trete auch in Berlin anders auf, weil ich glaube, dass das klassische, temperamentvolle bayerische Ritual, das ich als Vorsitzender der CSU eigentlich gelegentlich pflegen könnte und dürfte, an der Stelle manche Entscheidungen in Berlin eher erschweren als erleichtern könnte." Der CSU-Politiker Söder hat sich wieder einmal neu erfunden.
Markus Söder wirbt im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin für die Gesundheitsreform der schwarz-roten Koalition.
10.07.2026 | 6:59 min
Ein Kommunalwahl-Abend, der Söder in Frage stellt
Diese Neuerfindung hat ihren Ursprung in den bayerischen Kommunalwahlen vom 8. und 22. März. Bei diesem Urnengang müssen die CSU und ihr Chef bittere Niederlagen hinnehmen. Statt 53 Landräten stellt die Partei nach der Wahl nur noch 41. Insbesondere in den Stichwahlen verliert sie reihenweise Landratsposten an die Freien Wähler. "Ein durchwachsener Abend für die CSU", stellt der Parteivorsitzende danach fest.
Doch Söder wäre nicht Söder, wenn er die Schuldfrage nicht verteilen würde. Ein bisschen Berlin, vor allem die Kandidaten vor Ort und ganz bestimmt nicht er. "Kommunalwahlen sind Personalwahlen", sagt er und kündigt an, "die künftige Auswahl von Kandidaten" von oben besser zu kontrollieren. Das kommt nur so mittelgut in der Partei an. Hinter vorgehaltener Hand wird in der Folge der Ministerpräsident und CSU-Chef in Frage gestellt.
Kommt jetzt der Machtkampf in der CSU?
Söder führt und gewinnt die Abwehrschlacht - zunächst
Aber wer würde sich trauen, Markus Söder herauszufordern? Namen werden gehandelt, Ilse Aigner, die beliebte Landtagspräsidentin, Klaus Holetschek, der ehrgeizige Fraktionschef oder gar Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Und auch hier wäre Söder nicht Söder, wenn er nicht listig mögliche Alternativen aus dem Weg räumen würde.
CSU-Chef Markus Söder unterstützt Ilse Aigner als Kandidatin fürs Bundespräsidentenamt. Eine Einschätzung.
24.04.2026 | 2:03 min
Aigner empfiehlt er in einem Interview als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin. Klaus Holetschek macht er zum Vorsitzenden der partei-eigenen Hanns-Seidel-Stiftung. Und von Dobrindt weiß man, dass er mit Herz und Seele Bundespolitiker ist. Markus Söder bleibt ein Machtkampf erspart, auch weil er glaubt, mögliche Konkurrenten zunächst auf Abstand halten zu können.
Alexander Dobrindt: Koalitionstherapeut und Strippenzieher
Berlin registriert den neuen Söder
Seine Doppelrolle als CSU-Vorsitzender einerseits und als Ministerpräsident andererseits hat in der Vergangenheit manchen Konflikt befeuert. Zuletzt, als er als Koalitionär die Idee von einer steuerfreien 1.000-Euro-Entlastungsprämie für Arbeitnehmer unterstützte und diese dann im Bundesrat ablehnte.
Mit seiner Neuerfindung scheint ein konstruktiverer Söder die politische Bühne in Berlin zu betreten. Etwa wenn er fordert, die bereits für 2028 beschlossene Reform der Körperschaftsteuer vorzuziehen. Das ist vielleicht angesichts knapper Kassen nicht wahrscheinlich, aber politische Gegenargumente gibt es kaum. Und auch in der gerade laufenden Kabinettsumbildung mischt er nur da mit, wo es ihm unbedingt nötig erscheint. Das erspart ihm, mit so mancher Panne bei den Neubesetzungen in Verbindung gebracht zu werden.
Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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Über die Lage der schwarz-roten Koalition berichteten verschiedene Sendungen, unter anderem das heute journal am 24.07.2026 ab 21:45 Uhr. Markus Söder ist am 26.07.2026 im ZDF-Sommerinterview.