DFB-Pokal: Schiedsrichter überzeugen auch ohne VAR

Schiedsrichter ohne VAR
Und sie können es doch noch
Stand: 25.08.2026 • 14:20 Uhr
Kommen die Schiedsrichter ohne Video-Assistenten überhaupt noch klar? Die erste Pokalrunde gab Entwarnung, das Streitthema aber wird bleiben.
30 Erstrundenspiele im DFB-Pokal sind in den vergangenen Tagen über die Bühne gegangen. Diskussionen über die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter gab es dabei kaum - das ist bemerkenswert. Vor knapp einem Jahr sah die Sache noch ganz anders aus.
Auch ohne die Möglichkeit, sich strittige Szenen noch einmal am Bildschirm anzuschauen, lagen die Unparteiischen weit überwiegend richtig mit ihren Entscheidungen - oder zumindest nicht klar falsch. "Wir freuen uns, dass die Spiele so glatt gelaufen sind", sagte Alex Feuerherdt, Sprecher der DFB Schiri GmbH, der Sportschau. Es ist keine Szene in Erinnerung geblieben, wo ein VAR hätte zwingend eingreifen müssen.
Protestaktion gegen VAR: "Fußball, wie er sein sollte"
Viele Fanszenen hatten die Pokalspiele zum Anlass genommen, gegen den Videobeweis im Profifußball zu protestieren. "Fußball, wie er sein sollte", war vielerorts auf Spruchbändern zu lesen. Der Grundtenor: Der VAR zerstöre den emotionalsten Moment des Spiels - den Torjubel.
Weil viele DFB-Pokalspiele in kleinen Stadien ohne die nötige Infrastruktur ausgetragen werden, finden die Erstrundenpartien ohne VAR statt. Aber schon in der zweiten Runde wird das anders sein, zum ersten Mal in der DFB-Pokal-Geschichte. Das ist auch eine Reaktion auf die Diskussionen aus dem Vorjahr.
Duisburger Fans halten Anti-VAR-Banner hoch.
Viele Fehlentscheidungen im Vorjahr
Damals hatten nach Fehlentscheidungen mehrere Beteiligte gefordert, den VAR nicht erst ab dem Achtelfinale einzusetzen. Bayern Münchens Sportvorstand Max Eberl etwa sagte: "Ich bin ein Freund vom Video-Assistenten. Ich glaube schon, dass ein Video-Assistent ab der zweiten Runde hilfreich wäre."
Kölns Trainer Lukas Kwasniok wählte angesichts der Häufung von Fehlentscheidungen damals einen Vergleich: "Wenn du immer mit Navi unterwegs bist, dann kennst du irgendwann die Straßen nicht mehr."
Dauerstreitthema VAR
Dass die Schiedsrichter ohne VAR nicht mehr zurechtkommen, glaubt Sprecher Feuerherdt nicht, "man verlernt ja auch das Fahren nicht trotz Navi". Es sei schon eine Umstellung, ohne den Videoassistenten als Absicherung zu pfeifen. "Aber es hat jetzt keinen Gegenbeweis gebraucht, dass die Schiedsrichter es noch können."
Die Diskussionen kommentiert er gelassen. "Wir kennen das in schöner Regelmäßigkeit in beide Richtungen: Mal soll der VAR abgeschafft werden, mal verstärkt eingesetzt werden."
Video-Assistenten sollen seltener eingreifen
In der anstehenden Bundesligasaison wird der Video-Assistent weiterhin zum Einsatz kommen, aber seltener. So lautet zumindest der Vorsatz der europäischen Fußball-Union UEFA, dem sich der DFB angeschlossen hat.
"Das entscheidende neue Wort ist 'unmittelbar'", sagte Feuerherdt. "Der VAR soll nur eingreifen, wenn unmittelbar ersichtlich ist, dass eine Entscheidung falsch war." Das Urteil müsse schon nach zwei oder drei Kameraeinstellungen fallen. Mögliche Kritik, falls eine vierte Einstellung eine andere Beurteilung nahelege, nehme man dann in Kauf.
Beim Abseits wird es mithilfe der halbautomatischen Erkennung aber weiterhin Zentimeterentscheidungen geben.
UEFA-Schiedsrichterchef Rosetti: "Wir haben es übertrieben"
Die UEFA hatte zuvor Fehler eingeräumt. "Eine Zeit lang ging die Entwicklung zu immer mehr Interventionen, aber wir haben es damit letztlich übertrieben", sagte UEFA-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti am 11. August.
Die neue, zurückhaltendere Auslegung ist ein Schritt zurück, dürfte die Kritiker aus den Fanszenen aber kaum besänftigen. Weiterhin wird jedes Tor im Hintergrund auf mögliche Vergehen überprüft werden. Der Torjubel steht also weiterhin unter Vorbehalt.