Die D-Mark-Nostalgie der Alice Weidel

merkur.de317 wordsSource

Startseite

Politik

Stand: 25.08.2026, 04:47 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Im Sommerinterview hörte man reichlich wenig Lösungsvorschläge seitens der AfD, kommentiert Mike Schier. © Montage: Bernd von Jutrczenka/dpa

AfD-Chefin Alice Weidel will aus dem Schengen-Raum und dem Euro austreten. Die Wirtschaft läuft dagegen Sturm. Zu Recht. Deutschland sollte nicht den Fehler der Briten wiederholen. Ein Kommentar von Mike Schier.

Die AfD wundert sich gerne, warum die anderen Parteien nicht mit ihr zusammenarbeiten wollen. Wer seinen schönen Sonntagabend damit verbrachte, Alice Weidel und Tino Chrupalla bei ihren eher freudlosen Sommerinterviews zu lauschen, bekam einen Eindruck davon, warum das so ist.

In GroĂźbritannien finden nur noch 33 Prozent, dass der Brexit richtig war

Zwei Beispiele: Weidel, Monatseinkommen rund 24.000 Euro (12.000 als Abgeordnete, dazu 12.000 als Fraktionschefin), beschimpfte „die da oben“ derb als „Flachzangen“. Chrupalla unterstellte den politischen Konkurrenten Wahlbetrug in Deutschland und forderte deshalb die Abschaffung der Briefwahl.

AfD ohne Lösungen: Deutschland darf die Fehler der Briten nicht wiederholen

Von Lösungen für die Probleme Deutschlands hörte man in beiden Interviews eher wenig. Im Gegenteil: Es droht eher eine Verschärfung der Schwierigkeiten. Weidel plädierte für einen Austritt aus dem Schengen-Raum und dem Euro. Als Vorbild nannte sie den Schweizer Franken. Das mag persönlichen Erfahrungen geschuldet sein, schließlich lebt Weidel privat mit ihrer Frau und zwei Kindern in der Schweizer Gemeinde Einsiedeln.

Bei aller D-Mark-Nostalgie erleben aber die meisten Deutschen den Euro – gerade jetzt in der Ferienzeit – als einen der großen Vorzüge der Europäischen Einheit. Kein lästiges Geldwechseln bei der Reise nach Österreich, Italien oder Spanien! Auch die Wirtschaft hält nichts von solchen Plänen. Erst gestern legte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft eine Studie vor, die die Bedeutung Europas und offener Grenzen betonte.

Bei allem Frust auf Berlin oder Brüssel, könnte sogar die AfD aus der Geschichte lernen: In Großbritannien finden nur noch 33 Prozent, dass der Brexit richtig war. Deutschland sollte die Fehler anderer nicht wiederholen!

Die D-Mark-Nostalgie der Alice Weidel — HablaCore