Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen ernster als gedacht

Nach dem Vorfall mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig gehen die Ermittler nach Berichten von "SĂŒddeutsche Zeitung" (SZ), NDR und WDR davon aus, dass mehr Drohnen eingesetzt wurden als bisher bekannt war. Bei den Untersuchungen wurde zehn Tage nach dem Vorfall nun eine weitere Drohne auf einem Feld westlich des Flughafens gefunden.
Erste Erkenntnisse
Am Flughafen Leipzig im deutschen Bundesland Sachsen war Anfang August im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs eine Drohne entdeckt worden. Sie war mit MilitĂ€rsprengstoff bestĂŒckt gewesen. In ihrer NĂ€he befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz fĂŒr militĂ€rische Hilfslieferungen fĂŒr die Ukraine im Krieg gegen Russland. Die Ermittlungen hat das Bundeskriminalamt unter FederfĂŒhrung der Bundesanwaltschaft ĂŒbernommen. Die oberste deutsche Strafverfolgungsbehörde sprach von einem "schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland".
Mit einem Sprengroboter wurde die gefundene Drohne auf dem Rollfeld untersuchtBild: Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance
Schon zu diesem Zeitpunkt hatten die Ermittler den Verdacht, dass ein weiteres FluggerĂ€t zum Einsatz gekommen sein könnte. "Eine zweite Drohne könnte mit einem DHL-Flugzeug kollidiert sein", so die Medienberichte an diesem Dienstag unter Berufung auf Ermittler. Das Flugzeug prallte wohl auf der Höhe des Flughafenzauns mit einer Geschwindigkeit von mehreren Hundert Stundenkilometern mit der Drohne zusammen. Wenige Sekunden zuvor sollen die Piloten der Maschine ein etwa 30 Zentimeter groĂes Objekt gesehen haben.
Bei einer Untersuchung des DHL-Flugzeugs wurde "SZ", NDR und WDR zufolge am Leitwerk der Maschine eine BeschĂ€digung festgestellt, die auf eine Kollision mit einem Gegenstand hindeutet. Gefunden wurde diese Drohne oder auch nur Teile davon bislang jedoch nicht. Nach EinschĂ€tzung der Ermittler könnte das FluggerĂ€t nach dem ZusammenstoĂ auch in die Triebwerke geraten und dabei in kleinste Teile zerhackt worden sein, wie es in dem Bericht weiter heiĂt.
DHL hat einen Umschlagplatz auf dem Flughafen Leipzig (Archivbild) Bild: Jan Woitas/dpa/picture alliance
Neue Erkenntnisse - dritte Drohne
Bei der neuen dritten Drohne auf dem Feld westlich des Flughafens sollen die Ermittler eine Substanz entdeckt haben, bei der es sich nach ersten EinschĂ€tzungen um rund 50 Gramm des hochexplosiven militĂ€rischen Sprengstoffs Hexogen handeln könnte, wie "SZ", NDR und WDR unter Berufung auf Sicherheitskreise berichten. "Die TĂ€ter hatten womöglich einen weitaus gröĂeren Anschlag im Sinn als bislang öffentlich bekannt", heiĂt es weiter.
Und es gibt offenbar noch einen weiteren Fund nördlich des Flughafens. Den Medienberichten zufolge handelt es sich neben DNA-Spuren möglicherweise um eine Steuereinheit fĂŒr die Drohnen. An einen Baum geklebt fanden Ermittler eine Antenne.
Wer sind die TĂ€ter?
Unklar ist nach wie vor, wer hinter dem mutmaĂlichen Anschlag steckt. Sicherheitskreise gehen "SZ", NDR und WDR zufolge davon aus, dass russische Geheimdienste in die Planung involviert waren. Moskau weist eine Beteiligung zurĂŒck.
Bundesinnenminister âAlexander Dobrindt hatte rund zwei Wochen nach dem versuchten Anschlag Russland als möglichen Drahtzieher angedeutet, hielt sich jedoch mit einer direkten Anschuldigung zurĂŒck. "Russland macht es einem sehr, sehr leicht, aktuell einen Verdacht zu haben. Aber es macht es einem auch sehr, sehr schwer, den Beweis zu fĂŒhren", sagte der CSU-Politiker am Rande seiner â Sommerreise auf â der Wartburg bei Eisenach.
Bundesinnenminister Dobrindt bleibt im Hinblick auf einen TĂ€ter-Verdacht zurĂŒckhaltend (05.08.2026) Bild: Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance
BĂŒrger in Deutschland zunehmend besorgt
Die Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle hat nicht nur Politiker und Beamte der Sicherheitsbehörden aufgeschreckt - auch die Bevölkerung macht sich ernsthafte Sorgen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ist eine Mehrheit von 63 Prozent der BundesbĂŒrger mit Blick auf diesen Vorfall besorgt.
Was zu dieser Besorgnis beitrĂ€gt, ist sicher auch der skeptische Blick vieler BĂŒrgerinnen und BĂŒrger auf die FĂ€higkeiten der deutschen Sicherheitsbehörden bei der Drohnenabwehr. Vier von fĂŒnf Befragten sehen hier Defizite.
fab/se (afp, rtr, dpa, SZ)