Erneut historischer Fund im trockenen Donaubett: Ist diese Steinkugel bis zu 2000 Jahre alt?

Von Nela Heidner & Magyar Ádám (Text)
Zuerst veröffentlicht am
30/07/2026 - 6:30 MESZ
Bis Mittwoch war der Pegel der Donau in Budapest weiter gefallen. Um 10 Uhr vormittags registrierte die Wasserwirtschaftsdirektion an der Messstation in der Hauptstadt nur 23 Zentimeter. Das sind noch fünf Zentimeter weniger als am Dienstag, der bereits einen Negativrekord brachte: Die bisher niedrigste Wasserstandsmeldung stammte aus dem Jahr 2018 mit 33 Zentimetern. Bis Mittwochmittag stieg der Pegel leicht auf 25 Zentimeter, eine deutliche Entspannung bleibt jedoch aus. Gleichzeitig erreicht Ungarn die zweite große Hitzewelle dieses Sommers.
Je mehr die Donau austrocknet, desto größere Teile ihres Flussbetts liegen frei. Die Lage ist inzwischen so außergewöhnlich, dass der Vorsitzende des Ungarischen Radfahrerklubs, Kürti Gábor Dezső, im Flussbett von Budapest bis nach Vác radeln (Quelle auf Ungarisch) konnte. Das sind rund 35 Kilometer Luftlinie.
Ein Passant stieß vor wenigen Tagen bei Visegrád auf dem Flussgrund auf einen merkwürdigen, auffallend regelmäßig geformten Stein, der sofort seine Aufmerksamkeit weckte.
Der Mann informierte auch das Mátyás-König-Museum in Visegrád über den Fund.
Nach den ersten Einschätzungen könnte es sich um ein Katapultgeschoss handeln. Euronews hat dazu den Museumsdirektor und Archäologen Buzás Gergely befragt. Er erklärte, solche Funde seien in der Gegend nicht ungewöhnlich: Die Burg Visegrád wurde bei Belagerungen mit Hunderten von Steinkugeln beschossen, einige ähnliche Geschosse liegen deshalb bereits im Museums.
Fachleute des Museums wollen den Stein in der kommenden Woche vor Ort untersuchen. Sie wollen klären, ob es tatsächlich ein altes Geschoss ist. Wie alt genau, lässt sich nicht messen, nur schätzen.
Buzás zufolge ist sicher, dass derartige Kugeln spätestens im 16. Jahrhundert verwendet wurden. Zurückdatieren lässt sich der Fund jedoch deutlich weiter: Schon in der Römerzeit stand hier eine Festung, und Steinschleudern waren bereits damals bekannt. Bestätigt sich der Verdacht, könnte das Geschoss mindestens 400, möglicherweise sogar 2000 Jahre alt sein – und all diese Zeit auf dem Grund der Donau gelegen haben.
Ähnliche Entdeckungen sind derzeit keine Ausnahme. In der vergangenen Woche tauchte nahe Mohács im austrocknenden Donaubett auch ein Schiffswrack aus dem Zweiten Weltkrieg auf.
Dürre in Ungarn: Kein Ende in Sicht
Aus der Region der rätselhaften Steinkugel, dem Donauknie, veröffentlichte das satellitengestützte Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der Europäischen Union am Mittwoch ein Satellitenbild. Die Montage zeigt denselben Donauabschnitt auf einer Aufnahme vom 14. Juli 2025 und einer vom 25. Juli 2026.
Der Vergleich der beiden Bilder zeigt deutlich, dass in diesem Jahr erheblich weniger Wasser in der Donau steht als im Juli des vergangenen Jahres. In den Flussbiegungen ragen Sandbänke an die Oberfläche und erschweren die Schifffahrt massiv. Kein Wunder, dass auf einigen Abschnitten weder Fracht- noch Passagierschiffe fahren können. Auch in Budapest gelten inzwischen Einschränkungen für den Schiffsverkehr.
Der Leiter des dortigen Umweltministeriums, Gajdos László, verhängte am Mittwoch eine außerordentliche Alarmbereitschaft im Kampf gegen die Dürre. Am Morgen erklärte der Minister, in „84 Wasserknappheitszonen liege in 66 Fällen der Dürreindex über dem im Gesetz festgelegten dreifachen Grenzwert“. Damit herrscht in rund drei Vierteln des Landes akuter Wassermangel.
Nach den Wettervorhersagen bleibt es in den kommenden zwei Wochen völlig trocken. Die Hitzewelle, die am Mittwoch einsetzt, dürfte ihren Höhepunkt in etwa einer Woche erreichen, mit Spitzentemperaturen um 39 Grad in Budapest. Erst gegen Ende der nächsten Woche ist eine leichte Abkühlung zu erwarten, doch selbst dann sollen die Tageshöchstwerte noch bei 31 bis 33 Grad liegen.