Erziehung – Machen Eltern heute alles falsch?

Gentle Parenting, Bindungsorientierte Erziehung, Attachment Parenting: Erziehungsmethoden, die das Kind und seine BedĂĽrfnisse klar in den Fokus stellen, sind sehr beliebt.
Insbesondere auf Social Media werden Eltern oft mit Beiträgen und Meinungen dazu konfrontiert. Einige sagen, dass diese kindzentrierten Ansätze förderlich für das Kind sind. Andere behaupten, dass sie Kindern schaden. Viele Eltern sind dadurch verunsichert und fragen sich, was die beste Methode ist.
Gentle Parenting & Co.: Wissenschaftlich nicht klar definiert
Was wissenschaftlich hinter den Konzepten steckt, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zum einen, weil Methoden wie Gentle Parenting und Co. nicht klar definiert sind und sie jeder anders umsetzt. Zum anderen entwickeln sich die modernen Konzepte schnell weiter. Trotzdem lässt sich aus etablierten Modellen der Erziehungswissenschaft einiges ableiten.
Je fĂĽrsorglicher, desto besser?
Die Forschung zeigt, dass eine fürsorgliche und liebevolle Erziehung per se sehr förderlich ist. Eltern sorgen so dafür, dass ihr Kind eine sichere Bindung aufbaut. Das bedeutet, dass sich das Kind sicher und geborgen fühlt und dadurch ein gutes Selbstwertgefühl entwickelt.
Diverse Studien belegen, dass eine sicherere Bindung im späteren Leben zu mehr Resilienz führt. Die Kinder können also Krisen und Schicksalsschläge besser bewältigen.
Kinder, die fĂĽrsorglich aufgewachsen sind, scheinen auĂźerdem weniger Depressionen und Angsterkrankungen zu haben. Im Gegensatz dazu scheint das Risiko fĂĽr psychische Erkrankungen zu steigen, wenn Eltern ihren Kindern gegenĂĽber eher ablehnend und emotional kalt sind.
Auch Grenzen sind ein BedĂĽrfnis
Neben Liebe und Nähe ist laut Forschung aber auch noch eine andere Dimension wichtig: Lenkung.
Wenn Eltern gar keine Grenzen setzen und jedes vermeintliche Bedürfnis des Kindes erfüllen, landen sie im sogenannten permissiven Erziehungsstil. Studien konnten zeigen, dass auch dieser, umgangssprachlich "verwöhnende", Erziehungsstil mit einem höheren Risiko für psychische Erkrankungen zusammenhängt.
Wenn Eltern das Kind hingegen in den passenden Momenten lenken und sinnvolle Regeln aufstellen, sprechen Forschende vom autoritativen Erziehungsstil. Kinder, die so erzogen worden sind, scheinen laut Studien sogar eine höhere Resilienz zu haben.
Bessere Emotionskontrolle
Und nicht nur das: Eine autoritative Erziehung führt auch dazu, dass Kinder lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren. Das heißt, dass es das Kind schafft, seine Gefühle bewusst wahrzunehmen, anzunehmen und zu steuern – und zum Beispiel nicht in einen Wutausbruch verfällt, wenn es etwas nicht bekommt. Diese Kinder können in der Regel auch später im Leben besser mit unangenehmen Situationen und Gefühlen umgehen.
Wer moderne Parenting-Konzepte wie Gentle Parenting & Co. so auslegt, dass er sein Kind liebevoll erzieht und gleichzeitig Grenzen setzt, ist laut Erziehungswissenschaftlern auf dem richtigen Weg.
Auf die BedĂĽrfnisse der gesamten Familie kommt es an
Gleichzeitig ist es wichtig, dass sich die Eltern nicht zu sehr unter Druck setzen. Studien legen nahe, dass moderne Parenting-Konzepte sehr stressig sein können, weil Eltern den Anspruch haben, in jeder Situation geduldig zu sein, die Gefühle stets zu begleiten und Regeln angemessen zu erklären.
Stattdessen sollten Eltern auch ihre eigenen Bedürfnisse nicht vergessen und die gesamte Familie in den Fokus stellen – nicht nur das Kind.