âEssen ist Medizinâ: In Kultlokal harmonieren seit 30 Jahren die GegensĂ€tze

Bei einer Tasse Kaffee sitzen Thomas und Waiki RöĂler am runden Tisch im Restaurant des Laupheimer Hofs. Sie sind mehr als zufrieden mit dem Status quo â und das aus gutem Grund. Im Jahr 1996 lieĂen sich Thomas RöĂler und seine Frau Hemans Wai Chee Ng in Laupheim nieder. Nun, 30 Jahre spĂ€ter, feiert der Familienbetrieb JubilĂ€um; lĂ€ngst sind die beiden Töchter Waiki und Roxanne in die Restaurant- und HotelfĂŒhrung eingestiegen. âWenn ich auf die damaligen Prognosen gehört hĂ€tte, hĂ€tte ich das alles gar nicht gemachtâ, erinnert sich Thomas RöĂler schmunzelnd an die AnfĂ€nge in Laupheim zurĂŒck. Eine Aussage, die der 65-jĂ€hrige Inhaber und KĂŒchenchef im Laufe des GesprĂ€chs noch hĂ€ufiger treffen wird. Doch immer fĂŒgt er hinzu: âIch habe es dann trotzdem gemacht und es hat sich bewĂ€hrt.â
Mehrfache Umbauten ĂŒber die Jahrzehnte
UrsprĂŒnglich stammt Thomas RöĂler aus dem Deggenhausertal. Zwar aus der Region, jedoch weit genug weg, um seinem Dialekt anzuhören, dass er kein Laupheimer ist, wie er lachend mitteilt. Der Grund, der ihn dennoch hierher gefĂŒhrt hat, ist der Laupheimer Hof. Als junger Mann reist RöĂler zunĂ€chst durch unterschiedliche LĂ€nder, vier Jahre lang ist er KĂŒchenchef in Hongkong. Mit seiner Frau, die er dort kennenlernt, sucht er im Jahr 1996 ein Hotel in Deutschland â unter 100, die sie gemeinsam anschauen, fĂ€llt die Wahl auf den Laupheimer Hof. âWir sind durchgelaufen und waren uns gleich einig. Es war stimmigâ, berichtet RöĂler. Sie ĂŒbernehmen das Hotel mit 32 Zimmern als PĂ€chter, ebenso das dazugehörige âRestaurant Laupheimer Stubenâ.
Ăber die Jahrzehnte wird das Anwesen mehrmals umgebaut und erweitert. Laupheims Alt-BĂŒrgermeister Otmar Schick habe ihn damals zu diesem Schritt ermutigt, berichtet RöĂler. âEr sagte zu mir: Wir brauchen in Laupheim ein gröĂeres Hotel.â Im Jahr 2003 eröffnet nach einem Umbau das nach Feng-Shui eingerichtete Restaurant âKontrastâ. Zur selben Zeit entsteht das Logo, zusammengesetzt aus einer Spirale aus Kreisen und Rechtecken. âDer Kreis symbolisiert im Chinesischen das Universum, das Viereck steht fĂŒr die Erdeâ, erklĂ€rt Waiki RöĂler. âIm Wechsel ergibt sich dadurch die Harmonie der GegensĂ€tze.â
Zu den Steaks gibt es ein Dip-Brett mit Brot
Einen Leitgedanken, den Thomas RöĂler auch in seiner KĂŒche etabliert â von Beginn an setzt er auf schwĂ€bische Gerichte, verfeinert mit eurasischen GewĂŒrzen. âIch wollte ein knackiges GemĂŒse habenâ, erinnert er sich. âViele Kollegen haben mir damals gesagt, dass ich das nicht machen soll, weil niemand in Oberschwaben knackiges GemĂŒse mag. In meiner ersten Speisekarte habe ich die GĂ€ste noch davor gewarnt. Und dann mochte es jeder.â Im selben Jahr spezialisiert sich RöĂler auf die Zubereitung von Steaks â passend dazu, kommt ihm die Idee eines Dip-Bretts mit einem Brot. Heute ist das Amuse-Gueule im Blumentopf nicht mehr aus seinem Repertoire wegzudenken.
Nach einer Zwangsversteigerung wird die Familie RöĂler im Jahr 2004 EigentĂŒmer des Hotels. In den folgenden Jahren werden die Zimmer neu gestaltet. 2017 findet der Spatenstich fĂŒr den groĂen Neubau statt, der im Jahr 2019 fertiggestellt wird. Das Erdgeschoss im Fachwerkhaus aus dem Jahr 1884 wird entkernt und neu aufgebaut. Ganz getreu des Mottos: die Harmonie der GegensĂ€tze. Heute zĂ€hlt das Akzent Hotel Laupheimer Hof 86 Zimmer, mit AushilfskrĂ€ften beschĂ€ftigen die RöĂlers rund 50 Mitarbeiter, auch duale Studenten und Auszubildende.
Ein sanfter Ăbergang zur nĂ€chsten Generation
Auch stehen RĂ€ume fĂŒr Tagungen und Hochzeiten zur VerfĂŒgung, ebenso ein Saal und eine Bar. Wie Waiki RöĂler mitteilt, sind die Zimmer werktags meist komplett ausgebucht â vorwiegend mit GeschĂ€ftsreisenden aus aller Welt. Auch die Wellness- und Fitness-Bereiche werden dabei rege genutzt. âVor dem Umbau haben mich viele gefragt, ob ich hier nicht Geld sparen möchteâ, erinnert sich Thomas RöĂler. âIch bin froh, dass ich nicht darauf gehört habe.â
Essen ist fĂŒr mich Medizin.
Thomas RöĂler
An die Rente will der 65-JĂ€hrige noch nicht denken â auch jetzt nicht, wo seine beiden Töchter voll in den Betrieb eingestiegen sind. Die 28-jĂ€hrige Waiki RöĂler ist seit 2021 fĂŒr das Hotel zustĂ€ndig; ihre Ă€ltere Schwester Roxanne arbeitet seit 2015 im Restaurant-Bereich. âDie neue Generation ĂŒbernimmt langsam, step by step. Wir haben einen sanften Ăbergangâ, erklĂ€rt Waiki.
Ein sechsgĂ€ngiges MenĂŒ zum JubilĂ€um
Vater Thomas freut sich, dass seine Leitgedanken nun von seinen Töchtern weitergetragen werden. âIch will nicht mehr mĂŒssen, ich will nur noch dĂŒrfenâ, sagt RöĂler. Das Kochen sei nach wie vor seine groĂe Leidenschaft, gerne stellt er sich auch heute noch gemeinsam mit seinem Team in die KĂŒche. Er betont: âEssen ist fĂŒr mich Medizin. Das will ich vermitteln. Du bist beim Kochen nie am Ende.â
Apropos: Zum 30-jĂ€hrigen Bestehen plant die Familie RöĂler ein sechsgĂ€ngiges JubilĂ€ums-MenĂŒ am Freitag, 25. September. Thomas RöĂler will hier die Speisekarte der Eröffnung aus dem Jahr 1996 neu interpretieren und mit seinen Erfahrungen aus drei Jahrzehnten erweitern. Garnelen und Kartoffelsuppe wird es auf alle FĂ€lle geben, weiĂ der Gourmet jetzt schon.