Frühere Aussage fällt Linnemann auf die Füße
Im Mai 2025 sah sich Carsten Linnemann gar nicht als Gesundheitsminister. Gut ein Jahr später soll er nun das Gesundheitsressort übernehmen. "Ich traue mir das zu", so Linnemann.
25.07.2026 | 0:42 min
Der designierte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) weist Zweifel an seiner Eignung für das Amt zurück und begründet, warum er sich vor einem Jahr noch gegen das Gesundheitsressort ausgesprochen hatte.
"Ich habe großen Respekt vor der neuen Aufgabe, ist doch klar", sagte Linnemann der "Bild":
Ich weiß, dass ich mich noch tiefer werde einarbeiten müssen. Aber ich traue mir das zu.
Carsten Linnemann, designierter Gesundheitsminister
Hintergrund sind Äußerungen aus einem "Phoenix"-Interview im Mai 2025. Damals hatte der Volkswirt erklärt, es sei nicht "sein Ding", Minister zu sein, nur damit das irgendwo in Wikipedia stehe.
"Ich wäre nicht erfolgreich gewesen. Wenn sie mich aufgestellt hätten, etwa als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die Leute hätten gesagt: 'Warum wird der Gesundheitsminister, was hat der damit zu tun?' - und deswegen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Mach das, was du kannst", sagte Linnemann vor gut einem Jahr.
Bundeskanzler Merz nutzt den Rücktritt von Jens Spahn zu einem größeren Personalwechsel in seinem Kabinett. Auch Verkehrsminister Patrick Schnieder soll seinen Posten räumen.
24.07.2026 | 2:55 min
Heute bewertet Linnemann die Situation anders. "Wenn die Uhr auf die Zeit kurz nach der Bundestagswahl zurückgedreht würde, würde ich wieder so antworten. Die Ausgangslage war damals eine andere", sagte er der "Bild".
Alexander Dobrindt: Der Koalitionstherapeut
Sozialpolitik statt Gesundheitsressort
Im Bundestagswahlkampf habe er sich vor allem für die Abschaffung des Bürgergelds eingesetzt. Dieses zentrale Wahlversprechen der Union habe er unbedingt umsetzen wollen.
Deshalb sei er nach der Wahl CDU-Generalsekretär geblieben und habe zusätzlich den Posten des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden für Arbeit und Soziales übernommen, um die Reform der Grundsicherung voranzutreiben.
Inzwischen sei das Bürgergeld Geschichte und die neue Grundsicherung eingeführt. Gleichzeitig habe er seit mehr als einem Jahr im Koalitionsausschuss auch die Gesundheitspolitik mitverhandelt. Dabei habe sich gezeigt, dass im Gesundheitswesen erheblicher Reformbedarf bestehe.
Politikwissenschaftler Marc Debus sieht Merz trotz des Personalchaos „gefestigt“ als Kanzler. Es komme nun darauf an, wie schnell man aus Fehlern lerne, sagt er bei ZDFheute live.
24.07.2026 | 9:50 min
Das Gesundheitsministerium sei "zu einem der zentralen Reformressorts der Regierung geworden", sagte Linnemann.
Das war auch der Grund, warum mich der Bundeskanzler gebeten hat, das Ressort zu übernehmen.
Carsten Linnemann, desginierter Gesundheitsminister
Zugleich kündigte er an, an den von seiner Vorgängerin Nina Warken eingeleiteten Reformen anzuknüpfen.
Weniger Krankenkassen als Ziel
Als Ziele nannte Linnemann unter anderem eine Verringerung der Zahl der Krankenkassen und stabile Sozialbeiträge. "Für die Reduzierung der Zahl der Krankenkassen setze ich mich ja seit Langem ein", sagte er. "Und dass die Sozialbeiträge stabilisiert, ja eigentlich sinken müssten, steht außer Frage. Aber es wird nicht einfach werden. Da mache ich mir nichts vor."
Die neuen Besetzungen im Kabinett seien wie ein „personifiziertes Frühwarnsystem für den Kanzler“, so Politikwissenschaftler Korte, auch weil sie „Vertraute des Kanzlers“ seien.
24.07.2026 | 4:24 min
Warken soll im Zuge der Kabinettsumbildung Kanzleramtsministerin werden. Die Umbildung war nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn notwendig geworden.
Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtet das ZDF in mehreren Sendungen, etwa am 24.07.2026 um 21:45 Uhr und die ZDFheute Xpress am 25.07.2026 um 16:52 Uhr.