"Gefaktes" antikes Amphitheater in Italien: Mann tÀuschte 20 Jahre lang Touristen

Von Cagla Uren & Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
30/07/2026 - 6:15 MESZ
In Italien hat sich ein Bauwerk, das Touristen rund 20 Jahre lang als âantikes römisches Amphitheaterâ prĂ€sentiert wurde, als moderne Attrappe herausgestellt. Franco Malosso von Rosenfranz, der als Verantwortlicher ermittelt wurde, erhielt wegen illegaler BautĂ€tigkeit und der Anfertigung gefĂ€lschter Kunstwerke eine Haftstrafe.
Der 69-JĂ€hrige behauptete, er habe das âBerico Maritime Amphitheatreâ in Vicenza im Nordosten Italiens nach einem Erdrutsch im Jahr 2005 entdeckt.
Den Besuchern erzĂ€hlte er, es handle sich um eines der âĂ€ltesten und gröĂten Amphitheater der Weltâ. Der Bau sei im Jahr 393 nach Christus entstanden, Julius Caesar habe die Anlage auf der RĂŒckreise aus Ăgypten mit Kleopatra besucht, und Shakespeares berĂŒhmte Figur Julia Capulet habe in einer alten Kirche auf dem GelĂ€nde gelebt.
FĂŒr die Besichtigung kassierte er pro Person 40 Euro Eintrittsgeld.
Pappmaché und Gipsfiguren
Inzwischen ist klar, dass seine Geschichten mit der historischen RealitÀt nichts zu tun hatten.
Julius Caesar lebte etwa 400 Jahre vor der vermuteten Errichtung des Amphitheaters, und Shakespeares Julia stammt nicht aus Vicenza, sondern aus Verona.
AuĂerdem fanden Experten in der angeblich âantikenâ Anlage Fiberglas, SĂ€ulen aus PappmachĂ© und verputzte Blöcke sowie Gipsfiguren aus den frĂŒhen 2000er-Jahren.
Sogar die Stadtverwaltung lieà sich tÀuschen
Nach Angaben der Zeitung Daily Metro war der Schwindel so ĂŒberzeugend, dass auch die Stadtverwaltung von Vicenza das Bauwerk fĂŒr echt hielt und es in ihre offizielle BroschĂŒre fĂŒr Touristen sowie in die stĂ€dtische App aufnehmen lieĂ.
2016 wuchsen jedoch Zweifel, und die Behörden holten ArchÀologen zu Hilfe.
Die Auswertung von Satellitenbildern ergab, dass von Rosenfranz zunĂ€chst einen HĂŒgel abtragen lieĂ und anschlieĂend dort das Bauwerk errichtete. Ăltere Aufnahmen zeigen, dass dort zuvor keinerlei derartige Struktur existierte.
Ein Gericht verurteilte den Mann jetzt unter anderem wegen illegalen Bauens und KunstfĂ€lschung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Zudem muss er eine GeldbuĂe von 3.000 Euro zahlen.
Die Gemeinde Arcugnano fordert darĂŒber hinaus einen Schadensersatz in Höhe von 560.000 Euro.