Indiens Premier verspricht Gratis-Nachhilfe und KI-Kurse

Seine Regierung werde Vorbereitungskurse im KI-Bereich für junge Menschen anbieten, für diese Kurse müssten keine Gebühren bezahlt werden, versicherte Narenda Modi in einer Ansprache zum indischen Unabhängigkeitstag am 15. August. Er fügte hinzu: "Wir haben die digitale öffentliche Infrastruktur, und wir haben sehr fähige Lehrer."
Am Anfang stand ein Korruptionsskandal
Tausende junge Menschen waren in den vergangenen Wochen in Indien gegen unfaire Bedingungen im Bildungssystem auf die Straße gegangen. Auslöser des Protests war im Frühjahr der Korruptionsskandal im Zulassungsverfahren "NEET" für das Medizinstudium. 2,3 Millionen junge Inder hatten sich in diesem Jahr um die 130.000 Plätze beworben. Nachdem die Fragen und Antworten der Aufnahmetests durch mutmaßliche Korruption durchgesickert waren, wurden die Tests annulliert.
Bildungsminister Dharmendra Pradhan konnte sich nach den Protesten im ganzen Land nicht mehr im Amt halten (Archiv)Bild: Pradeep Gaur/SOPA Images/ZUMA/picture alliance
Öl ins Feuer schüttete Indiens Oberster Richter Surya Kant mit der Diffamierung der GenZ als "faule Kakerlaken", was den Studenten Abhijeet Dipke auf die Idee brachte, die satirische verstandene "Kakerlaken-Partei" (Cockroach Janta Party/CJP) zu gründen. Im Nu erreichte die CJP auf Instagram mit über 22 Millionen Followern mehr als doppelt so viele Menschen wie die regierende "Indische Volkspartei".
Härtere Strafen sollen Durchsickern von Prüfungsaufgaben stoppen
Außerdem zwangen die Demonstranten Bildungsminister Dharmendra Pradhan zum Rücktritt und die Regierung brachte härtere Strafen für Lehrpersonal auf den Weg, das Prüfungsaufgaben noch vor dem Examen gegen Bezahlung herausgibt. Die dem Parlament in Neu Delhi vorgelegte Gesetzesänderung sieht eine Verdopplung der Haftstrafe für solche Vergehen auf bis zu zehn Jahre vor. Zudem sollen Geldbußen eine Million Dollar übersteigen können und Gerichtsverfahren beschleunigt werden.
Diese Proteste haben etwas bewirkt: Demonstranten der "Kakerlaken-Partei", hier bei einer Kundgebung in Mumbai am 22.7.26Bild: Rafiq Maqbool/AP Photo/dpa/picture alliance
Fakt ist: In Indien herrscht enormer Konkurrenzdruck bei der Vergabe von Studienplätzen an öffentlichen Universitäten. Die Studienplätze sind gefragt, weil sie als gute Voraussetzung für einen späteren Job gelten. Kriminelle Gruppierungen verschaffen sich jedoch auf illegalem Weg Zugang zu Prüfungsaufgaben und verkaufen sie an Kandidaten aus wohlhabenden Familien. Es gibt zwar zahlreiche Vorbereitungskurse für die Uni-Aufnahmeprüfungen, diese Kurse konnte sich bislang aber nur ein Teil der jungen Menschen leisten.
Ohne die Jugend geht es nicht
Regierungschef Modi kündigte an, mit den kostenlosen Kursen nun gezielt arme Familien entlasten zu wollen. So sollen rund zehn Millionen Jugendliche Kurse für die Nutzung von KI bekommen. "Die Jugend spielt eine große Rolle bei der Entwicklung Indiens", sagte Modi - junge Menschen seien zugleich diejenigen, die am meisten von einem wirtschaftlichen Aufschwung profitierten.
Modi hat als Ziel ausgegeben, Indien in den kommenden 20 Jahren international vom Schwellenland zur Industrienation zu machen. Seine Regierung setzt dabei nicht nur auf KI, sondern auch auf den Bau von Atomkraftwerken und die Herstellung von Halbleitern.
haz/pg (afp, kna, rtr, ap)