Iran will erneut Benzinpreis erhöhen

"Sicher und unvermeidbar" werde nach Angaben einer Regierungssprecherin im Iran ein Preisanstieg für Treibstoffe kommen. Die Medien berichten, dass ein Liter Benzin umgerechnet bis zu 0,05 Euro kosten würde, bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 80 Euro.
Der Benzinpreis ist eher ein Tabuthema in der iranischen Politik. Die letzte Preisanpassung 2019 löste landesweit große Proteste aus, die blutig niedergeschlagen wurden. Doch heute braucht der Iran im anhaltenden Krieg mehr Treibstoffe denn je.
Der Iran fördert zwar große Mengen Rohöl. Allerdings hat das Land keine ausreichenden Kapazitäten, das Öl zu raffinieren. Umud Shokri, Mobilitätsexperte an der George Mason University im US-Bundesstaat Virginia, schätzt die tägliche Benzinproduktion auf 121 Millionen Liter. Der Verbrauch liege aber bei 129 Millionen.
Massendemonstration im Iran gegen hohen Benzinpreis 2019Bild: Babak/MEI/SIPA/picture alliance
Die Regierung geht davon aus, dass höhere Preise die Nachfrage um mehrere Millionen Liter pro Tag senken könnten. Doch selbst das würde die strukturellen Schwächen nicht beheben.
Bisher wurde der Mehrbedarf durch Import abgedeckt, doch internationale Sanktionen erschweren Zahlungen, Transport und Versicherung. Der Krieg hat die Risiken auf den Seewegen zusätzlich erhöht.
Drei Preisstufen
Zwar wurde die neue Preisanpassung längst angekündigt. Die Regierung verschob sie aber immer wieder - eben wegen des Iran-Kriegs. Nun sieht Teheran keinen Ausweg mehr. Und die Menschen sind besorgt.
Rauch über einer Raffinerie in TeheranBild: Majid Asgaripour/WANA/REUTERS
Der Iran hat ein dreistufiges System für private Autofahrer. In den stark subventionierten ersten zwei Preisstufen zahlt man pro Liter 0,007 beziehungsweise 0,014 Euro. Für die monatlichen Mengen gibt es eine Obergrenze. In der teuersten Stufe zahlen Autofahrer, die im Monat mehr als 110 Liter verbrauchen, bisher 0,025 Euro. Mit der neuen Preiserhöhung auf 0,05 Euro würden sich die Kosten in dieser Kategorie verdoppeln.
Das Benzin sei für viele Haushalte Grundbedarf und eine Preiserhöhung würde die Nachfrage nicht reduzieren, beschwert sich ein Anwohner in Teheran. "Wenn die Regierung Weltmarktpreise im Iran verlangen will, soll sie auch die Gehälter nach Weltmarktstandards zahlen", sagt er im DW-Interview. Das Thema sei politisch brisant. Präsident Massud Peseschkian habe bezahlbares Leben versprochen.
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Mehrbelastung für Wirtschaft
Ein anderer Einwohner, der in Karaj in der Nähe von Teheran lebt, sagt, höhere Benzinpreise würden sich schnell auf die gesamte Wirtschaft auswirken. "Das wird eine Kettenreaktion bei den Preisen für Waren und Dienstleistungen auslösen. Die Mehrkosten würden dann auf die Haushalte mittleren und niedrigen Einkommens umgelegt", sagt er gegenüber der DW.
Er selbst arbeite zwar für die Regierung, müsse aber nach Feierabend Taxi fahren, um etwas Taschengeld dazu zu verdienen. "Ein Auto, das 12 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, wird nicht plötzlich sparsamer, nur weil Benzin teurer wird. Die Fahrpreise werden dann auch steigen, wenn der Kraftstoff teurer wird."
Im Iran ist der öffentliche Verkehr in vielen Regionen unzureichend, sodass die Menschen auf die Privatautos angewiesen sind. Allerdings sind die Verbrenner im Iran alt und ineffizient. Die Preisgestaltung habe zwar Auswirkung auf das Fahrverhalten, sei jedoch nur ein Teil eines umfassenden Mobilitätskonzepts, sagt Mobilitätsexperte Shokri.
Iranische Insel Kharg im Persischen Golf Bild: Morteza Nikoubazl/NurPhoto/picture alliance
"Höhere Preise könnten unnötige Autofahrten eindämmen und den Kraftstoffschmuggel ins benachbarte Ausland, zum Beispiel nach Pakistan, weniger rentabel machen. Aber sie würden die Krise nicht von selbst lösen." Ärmere Familien seien dringend auf den subventionierten Kraftstoff angewiesen. Höhere Preise könnten die Inflation anheizen und soziale Unruhen provozieren.
Engpass bei Benzinproduktion?
Es gebe keine verlässlichen Belege dafür, dass der Iran einen großen Teil seiner Benzinproduktionskapazitäten dauerhaft verloren habe, sagt Shokri. Die Raffinerien scheinen wieder nahezu voll in Betrieb zu sein.
"Der Krieg hat die Benzinkrise im Iran nicht verursacht, aber er hat die Bewältigung einer ohnehin schon gravierenden Verknappung erschwert und verteuert", sagt er. Langfristig müsse der Iran ineffiziente Fahrzeuge ersetzen, den öffentlichen Nahverkehr verbessern, Motorräder und Taxis elektrifizieren, Raffinerien modernisieren und die strategischen Kraftstoffvorräte aufstocken.
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan