Jojo-Effekt: Bringt zeitweises Abnehmen überhaupt etwas?

Darum geht´s:
Der Jojo-Effekt gilt seit Jahren als eines der stärksten Argumente gegen Diäten. Nicht nur, weil es frustrierend ist, nach einer anstrengenden Diät bald schon wieder so viel zu wiegen, wie vorher.
Sondern auch, weil das wiederholte Abnehmen und Zunehmen dem Körper schaden könnte – so heißt es jedenfalls. Jüngere Studien kommen aber zu einem anderen Ergebnis. Wie schädlich ist der Jojo-Effekt also?
Gewichts-Jojo: Mehr Schaden oder Nutzen?
Immer wieder abzunehmen und dann wieder zuzunehmen, ist schlecht für die Gesundheit, das ergaben verschiedene Studien in den vergangenen Jahren: Durch Gewichts-Schwankungen stieg bei Frauen und Männern langfristig das Risiko für zum Beispiel Bluthochdruck und Typ 2 Diabetes.
Allerdings waren diese Studien Beobachtungsstudien, das heißt: Die Forschenden haben zwar zwischen Gewichtsschwankungen und Gesundheitsrisiken einen statistisch deutlichen Zusammenhang beobachtet, aber sie können nicht sicher sagen, ob das "Gewichts-Jojo" tatsächlich die Ursache für die erhöhten Risiken ist.
Darum müssen wir darüber reden:
In anderen Studien zeigen sich keine negativen Effekte durch Gewichtsschwankungen: Zum Beispiel ergibt sich in einer Studie mit Männern mittleren Alters zwar wieder ein Zusammenhang zwischen Gewichtsschwankungen und dem Risiko, früher zu sterben.
Aber die Forschenden fanden durch eine genauere Analyse der Daten heraus: Vor allem ungesunde Lebensgewohnheiten und bestehende Krankheiten waren die Ursache für das erhöhte Sterberisiko. Rechneten sie diese Faktoren heraus, spielten Gewichtsschwankungen keine direkte Rolle mehr.
Positive Effekte überwiegen
Dazu passt eine aktuelle Analyse: Forschende aus Deutschland und Schweden fanden keinen Beleg für nachteilige Auswirkungen durch häufiges Ab- und Zunehmen. Und sie fanden auch keine Beweise für die Theorie, dass der Jo-Jo-Effekt insgesamt zu mehr Körperfett und weniger Muskeln führt.
Die Forschenden vermuten, dass viele solcher Zusammenhänge aus früheren Studien sich durch andere Faktoren ergaben. Zum Beispiel durch das Alter, durch die Dauer von starkem Übergewicht, oder weil einige Studienteilnehmende durch andere Erkrankungen Gewicht verloren hatten.
Insgesamt spricht diese aktuelle Analyse dafür, dass die positiven Effekte für den Stoffwechsel, die Lebensqualität und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen größer sind, als die möglichen negativen Effekte durch Gewichtsschwankungen.
Aber:
Für diese Analyse wurden verschiedene Studien zusammen ausgewertet. Darunter waren auch Beobachtungsstudien, die nur einen Zusammenhang darstellen, aber nichts über Ursache und Wirkung aussagen.
Auch Ergebnisse von Tiermodellen wurden mit einbezogen in die Analyse, die sich nur sehr eingeschränkt auf den Menschen übertragen lassen. Deswegen sind weitere Studien notwendig, um die langfristigen Auswirkungen von Gewichtsschwankungen besser beurteilen zu können.
Abnehmspritzen und Gewichtsschwankungen
Seit wenigen Jahren sind Abnehmspritzen weit verbreitet. Viele Menschen verlieren damit schnell viel Übergewicht. Bisher ist allerdings wenig bekannt über die langfristigen Folgen von Gewichtsverlust durch Abnehmspritzen: Kommt es dadurch ebenfalls zu Gewichtsschwankungen? Welche Effekte ergeben sich dadurch?
Zu diesen Fragen gibt es bisher kaum Studien, weil es erst seit kurzem Abnehmspritzen gibt.
Und jetzt?
Kurz gesagt: Übergewicht zu verringern ist immer eine gute Idee, obwohl es gut möglich ist, dass nach einigen Monaten die verlorenen Pfunde wiederkommen.
Denn nach neueren Studien überwiegen die positiven Effekte des Abnehmens, wie zum Beispiel auf den Blutdruck, die Blutfette und das Risiko für Typ2 Diabetes, die möglichen Nachteile von Gewichtsschwankungen, auf die frühere Studien anscheinend hingedeutet haben.
Studien liefern außerdem Hinweise, dass sich die mentale Gesundheit von Menschen mit deutlichem Übergewicht eher verbessert, wenn sie abnehmen. Wenn sie später wieder zunehmen, scheint das zunächst keinen negativen Effekt auf die Psyche zu haben.
Für sehr langfristige Verläufe fehlen aber noch ausreichend gute Studien. Deshalb lässt sich dieser Zusammenhang bisher nicht sicher beurteilen.
Langfristige Änderungen wirken auch langfristig
Vielen geht es so, dass sie nach einer Diät wieder zunehmen, aber davon sollten sich Betroffene nicht entmutigen lassen.
Fachleute empfehlen, die Ernährung so umzustellen, dass sie langfristig beibehalten werden kann und nicht auf Genuss verzichtet werden muss: Mehr Vollkorn, Ballaststoffe, Obst und Gemüse, weniger frei Zucker und tierische Fette.
Extreme Diäten, bei denen nur einige wenige Lebensmittel gegessen werden oder zeitweise gar nichts, zeigen zwar oft anfangs größere Erfolge, aber langfristig sind sie kaum durchzuhalten. Das Gefühl, immer nur zu verzichten oder sogar zu hungern, ist über Wochen und Monate hinweg meist nicht zu ertragen.