Klimaanlage kaufen? Die günstigste Lösung wird oft teuer

Immer mehr Hitzewellen treiben die Nachfrage nach Klimaanlagen. In Deutschland wurden in der ersten Jahreshälfte 2026 rund 387.000 mobile Klimageräte verkauft, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Dabei sind die billigsten Klimaanlagen oft Stromfresser, andere kühlen effizienter, wie der Vergleich zeigt.
Kühlen mit mobilen Klimaanlagen: billiger Kauf, hohe Stromkosten
Für Wohnungen sind mobile Klimaanlagen sind die günstigste und schnellste Lösung - aber oft auch die ineffizienteste. Sie bestehen nur aus einer Inneneinheit, die man selber aufstellen kann. Der Abluftschlauch wird aus aus einem Fenster oder einer Tür gehängt. In Deutschland gibt es sie ab 270 Euro.
Die Innengeräte haben die Größe eines kleinen Koffers, sie können auf Rollen in verschiedene Zimmer geschoben werden.
Diese sogenannten Monoblock-Geräte funktionieren im Prinzip genau wie andere Klimaanlagen. Mit Hilfe eines Kältemittels wird in einem geschlossenen Kreislauf auf der einen Seite Kälte erzeugt und auf der anderen Seite Wärme. Die Wärme aus dem Raum wird durch einen dicken Schlauch nach draußen abgeleitet, das kühlt den Raum.
Allerdings sind die Geräte im Vergleich zu festverbauten Anlagen laut, sehr ineffizient und verbrauchen laut der deutschen Verbraucherorganisation Stiftung Warentest mehr als doppelt so viel Strom für die Kühlung.
Die mangelnde Effizienz hat mehrere Gründe: Zum einen heizt der warme Schlauch den Raum wieder auf. Oft sind die Öffnungen nach draußen durch einen Spalt in Fenster oder Tür nur ungenügend abgedichtet und werden nicht wirklich dicht. Und durch den vom Gerät erzeugten Unterdruck im Raum strömt wieder warme Luft von draußen nach drinnen zurück.
Monoblock-Klimaanlage in einer Pariser Wohnung mit Abluftschlauch: Durch das offene Fenster strömt warme Luft wieder ein und verhindert die effektive Kühlung Bild: Delphine Goldsztejn/MAXPPP/IMAGO
In Wohnungen mit Gasthermen können mobile Klimaanlagen sogar lebensgefährlich sein. Durch den Unterdruck kann das geruchlose Abgas Kohlenmonoxid aus der Gastherme unbemerkt in den Wohnraum gelangen und Bewohner vergiften, wie ein aktueller Fall aus Wien zeigt.
Experten raten deshalb von solchen Monoblock-Klimaanlagen in Wohnungen mit Gasthermen ohne fachliche Prüfung von solchen Monoblock-Klimaanlagen ab.
Die Energiekosten sind hoch und liegen für eine Wohnung mit 70 Quadratmeter in Deutschland bei etwa 320 Euro pro Jahr.
Splitgeräte: Effizenteres Kühlen zu Hause
Wer weniger schwitzen möchte, fährt mit einer mobilen Split-Klimaanlage meist besser. Bei ihnen sind Innen- und Außengerät getrennt, beide sind mit einer etwa zwei Meter langen Kälteleitung verbunden. Auch sie können ohne Handwerker selbst installiert werden.
Mobile Splitgeräte gibt es ab ca. 900 Euro, sie werden seit etwa zwei Jahren in Europa verkauft.
Das Außengerät kann auf dem Balkon oder der Terrasse aufgestellt werden, oder es wird mit einer speziellen Außenhalterung am Fenster angeklemmt. Allerdings braucht die Kälteleitung ebenfalls eine offene Fenster-oder Türöffnung. So kann Wärme in den Raum zurückströmen.
Aber es entsteht kein Unterdruck im Zimmer, darum ist die Kombination mit einer Gastherme ungefährlich.
Im Vergleich zur mobilen Monoblock-Klimaanlage sind Split-Anlagen effizienter. Die Kosten für den Stromverbrauch liegen laut Stiftung Warentest bei einem getesteten Gerät bei etwa 230 Euro im Jahr.
Feste Klimaanlagen: die beste Option für Eigentümer und Mieter
Viel effizienter, leiser und komfortabler als mobile Geräte sind festverbaute Klimaanlagen. Diese Anlagen mit einem innen und Außengerät kosten zwischen 400 bis 2500 Euro, inklusive Installation sind es 800 bis über 5000 Euro.
Feste Klimaanlagen haben ein Außengerät, meist auf dem Dach, Balkon oder an der Fassade. Die Kälteleitung nach draußen wird fest verlegt, sie muss von einem Fachbetrieb befüllt und auf Dichtheit geprüft werden.
Bei Mietwohnungen muss der Vermieter dem Einbau zustimmen, bei Eigentumswohnungen ist die Installation fast immer erlaubt.
Auch wenn fest installierte Klimageräte oft die beste Option ist: In Deutschland scheuen viele Vermieter die Investition für Kauf und Installation.
Dabei betragen die Energiekosten für die Kühlung einer Wohnung mit 70 m² vergleichsweise nur rund 150 Euro pro Jahr. Das effizienteste Gerät einer Testreihe von Stiftung Warentest schaffte das sogar für nur 112 Euro.
Wird die Wohnfläche mit dem Klimagerät im Winter zusätzlich beheizt, kommen rund 500 Euro Stromkosten im Jahr dazu. Zum Vergleich: Das Heizen mit Erdgas kostet bei dieser Wohnungsgröße rund 1200 Euro pro Jahr, Tendenz steigend. Der Einbau von Klimageräten kann also die Energiekosten halbieren.
Festinstallierte Klimaanlagen in Henan (China): Sie kühlen im Sommer und heizen im Winter das GebäudeBild: HPIC/dpa/picture alliance
Aus Klimaschutzgründen werden in Deutschland derzeit Klimaanlagen mit bis zu 80 Prozent der Kosten gefördert.
Steigender Strombedarf für Kühlung
Mit immer mehr Hitzetagen global wächst auch der Stromverbrauch. In Europa und China stieg in den letzten fünf Jahren die Zahl der Tage, an denen es über 30 Grad heiß war, um ein Viertel an. In Japan und Korea sind es inzwischen fast doppelt so viele wie vor 2020.
In Japan haben laut der International Energy Agency (IEA), die Regierungen weltweit berät, schon 93 Prozent aller Haushalte Klimaanlagen, in den USA 90 Prozent. In China sind es 79 Prozent der Haushalte, in Südostasien 29 Prozent, in Europa 23 Prozent und Indien 16 Prozent.
2025 wurde weltweit rund 50 Prozent mehr Strom für Kühlung verbraucht als 2015. Der Verbrauch stieg um rund 1000 Terawattstunden (TWh) auf rund 2900 TWh. Weltweit liegt der Anteil des Strombedarfs für Kühlung zur Zeit bei neun Prozent des Gesamtbedarfs.
Zugleich stammt immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien, vor allem durch den Ausbau von Solar- und Windkraft. 2025 wurde so 4300 TWh mehr erneuerbarer Strom erzeugt als zehn Jahre vorher. Und Solarmodule liefern besonders viel Strom im Sommer, wenn auch der Kühlbedarf besonders hoch ist, also lohnt sich die Kombination.
Warum das richtige Kältemittel entscheidend sein kann
In Kühlschränken, Klimaanlagen und Wärmepumpen zirkulieren sogenannte Kältemittel. In dem geschlossenen Kreislauf verdampfen sie zu Gas und erzeugen damit Kälte.
Einige Kältemittel können Umweltschäden verursachen, wenn sie in die Atmosphäre gelangen. In älteren Klimaanlagen fließt oft ein synthetische Kältemittel mit der Bezeichnung R410A. Wenn das durch Leckage in einer Kühlleitung oder bei unsachgemäßer Demontage entweicht, entsteht ein Klimaschaden, der etwa zwei Tonnen CO2 entspricht.
In den USA und der EU ist darum der Verkauf neuer Klimaanlagen mit diesem Kältemittel seit 2025 verboten. Stattdessen wird meist das etwas umweltfreundlichere Kältemittel R32 genutzt. Bei einer Leckage ist der Klimaschaden dreimal kleiner.
Die EU geht noch weiter und ist damit globaler Pionier für umweltverträgliche Kältemittel. Ab 2029 dürfen dort Split-Klimaanlagen mit einem Innengerät nur noch besonders klimafreundliche Kältemittel nutzen. In der Regel ist es ein natürlich vorkommendes Gas: Propan, das auch als R290 bezeichnet wird. Entweicht dieses natürliche Gas aus einer Klimaanlage, dann entsteht kein Klimaschaden.
Solarzellen und Klimaanlagen ergänzen sich gut: Sie brauchen keine fossile Energien und helfen Kühlen, ohne das Klima zu belastenBild: Robert Poorten/imageBROKER/picture alliance
Immer mehr neue Klimaanlagen nutzen darum Propan.
"Wir gehen davon aus, dass sich Propan als Kältemittel für Splitanlagen langfristig durchsetzen wird, zuerst in Europa und dann auch in anderen Ländern", sagt Michael Lechte, Manager für Produktmarketing bei Mitsubishi-Electric gegenüber der DW. Der Konzern mit Hauptsitz in Tokio gehört zu den weltweit größten Herstellern von Klimaanlagen.
Hitzestau durch Klimaanlagen: Was tun?
Wo viele Klimaanlagen laufen, macht die entstehende Abluft es draußen oft unerträglich heiß, besonders wenn viele Gebäude nahe zusammenstehen. In Japan gibt es teils sogar Warnschilder an besonders heißen Gassen.
In der chinesischen Metropolregion Nanjing mit über zehn Millionen Einwohnern fanden Forscher in einer Studie heraus, dass die Außengeräte von Klimaanlagen in dichtbebauten Straßenschluchten die Temperaturen tagsüber um bis zu 1,9 Grad erhöhten, nachts sogar um bis zu 3,3 Grad. Eine gefährliche zusätzliche Wärmebelastung für Fußgänger.
Die vertikale Begrünung von Gebäudefassaden könnte solche Temperaturen um mehrere Grad senken.
Auch die IEA empfiehlt verschiedene Maßnahmen zur Milderung des Wärmeinseleffekts. Laut der Energieagentur könnte die Temperatur in Städten durch neue Grünflächen, Straßenbäume und die Entsiegelung von Gehwegen jeweils um bis zu fünf Grad gesenkt werden.
Auch Fernkälte kann in Innenstädten zum Kühlen genutzt werden. Städte wie Dubai, Singapur, Berlin und die Metropolregion Chongqing (China) kühlen so bereits einen Teil der Gebäude. Die Abwärme wird dort dann nicht an die Außenluft abgegeben, sondern in Flüsse oder unterirdische Gewässer.
Singapur: Grüne Fassaden gegen Hitzestau
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