KĂĽnftig auch mit Doktortitel

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Fachhochschulen in Brandenburg bieten künftig auch Promitionsmöglichkeiten an. Das stärkt den Nachwuchs – nicht nur in der Wissenschaft.
Potsdam • Lesedauer: 2 min.
Künftig können auch Fachhochschulen in Brandenburg den Doktortitel vergeben.
(Foto:
Silas Stein/dpa)
Es sind nur zwei Buchstaben im deutschen Personalausweis. Aber für junge Wissenschaftler ist der Doktortitel oft ein Ansporn, sich nach dem eigentlichen Studium noch der Forschung zu widmen. Im Land Brandenburg ging das allerdings bislang nur an Universitäten: Nur diese Hochschulen hatten das Promotionsrecht, nur sie durften nach entsprechenden Qualifikationsarbeiten den Doktortitel verleihen.
Seit Neuestem aber ist das anders: Bei einem Pressetermin in Potsdam verlieh Wissenschaftsministerin Manja Schüle vier Brandenburger Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die früher unter dem Begriff Fachhochschulen bekannt waren, das Recht, mithilfe eines gemeinsamen, künftig in Eberswalde angesiedelten Promotionskollegs eigenständig den Doktortitel verleihen zu dürfen.
Bessere Perspektiven fĂĽr Nachwuchswissenschaftler
„Fachhochschulen entwickeln Lösungen für konkrete Herausforderungen und bringen Innovationen zur Anwendung“, sagte Schüle zur Begründung. Um die besten Köpfe an diese Hochschulen zu holen, bräuchten die Nachwuchswissenschaftler aber Perspektiven. „Denen reicht die Masterarbeit, die Abschlussfeier oder der warme Händedruck der Präsidentin nicht mehr aus.“ Mit der Verleihung des Promotionsrechts und dem Promotionskolleg könnten die Brandenburger Einrichtungen nun im Wettbewerb um den besten Nachwuchs mithalten.
Junge Hochschulabsolventen müssten nun für eine Doktorarbeit und ein Promotionsverfahren nicht mehr das Bundesland wechseln, erläuterte die Wissenschaftsministerin: Denn in 14 der 16 Bundesländer hatten die Hochschulen für angewandte Wissenschaften bereits das Promotionsrecht. Mecklenburg-Vorpommern etwa hatte dazu erst in diesem Juni das Hochschulrecht geändert.
Manja SchĂĽle (SPD) ist Ministerin fĂĽr Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. (Foto: Patrick Pleul/dpa)
Promotionsmöglichkeiten an allen Fachhochschulen
In Brandenburg werden nun an jeder der vier Hochschulen für angewandte Wissenschaften Stellen für Promovenden neu geschaffen. „Wir haben lange auf diese Möglichkeiten hingearbeitet“, sagte die Vizepräsidentin für Forschung und Transfer der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) in Eberswalde, Prof. Eva-Maria Saliu. Bislang habe man nur in Kooperation mit einer externen Universität Promotionsmöglichkeiten anbieten können.
„Viele unserer Forschungsfragen entstehen im engen Austausch mit der Praxis“, sagte Saliu. „Das Promotionskolleg gibt jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, diese Fragen in einem eigenständigen Promotionsverfahren weiterzuverfolgen.“
Fachhochschulen bisher unter „gläsernem Deckel“
Die Präsidentin der Technischen Hochschule Wildau, Ulrike Tippe, sagte, das Promotionsrecht sei der Puzzlestein gewesen, der den Fachhochschulen noch gefehlt habe. Es trage zu einer größeren Durchlässigkeit im Wissenschaftssystem bei. Bislang habe man eher den Eindruck eines „gläsernen Deckels“ gehabt, der über den Hochschulen gelegen habe.
Mittelfristig könnte das Promotionsrecht an den Fachhochschulen auch Konsequenzen für die Wirtschaft des Landes haben: „In Brandenburg ist die Unternehmenslandschaft von kleinen und mittleren Unternehmen dominiert“, sagt der Präsident der TH Brandenburg, Andres Wilms. Diese Unternehmen hätten oft nicht die Kapazität für eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeit und arbeiteten deswegen schon heute mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften zusammen. Das unterscheide die Forschung an diesen Hochschulen von jener der Universitäten – und das neue Promotionsrecht könnte ein Weg werden, dieses System in Zukunft noch attraktiver für engagierte Nachwuchskräfte zu machen.