Leobersdorfer Bürgermeister kündigt Rücktritt an

Politik
Der Leobersdorfer Bürgermeister Andreas Ramharter hat am Samstag seinen Rücktritt angekündigt. Der Obmann einer Bürgerliste stand wegen fragwürdiger Umwidmungen mehrfach in der Kritik. Zuletzt kündigte auch die ÖVP deshalb die Zusammenarbeit auf.
Online seit heute, 7.03 Uhr
Hunderte Bewohnerinnen und Bewohner und sogar Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) waren am Samstag nach Leobersdorf (Bezirk Baden) gekommen. Am Programm stand die Eröffnung des neuen Kindergartens samt Tagesbetreuung. Bürgermeister Andreas Ramharter bezeichnete den Neubau als ersten Schritt hin zu einem modernen Bildungscampus, der auch "den Anforderungen der Familien von heute entspricht.“
Diese Bühne nützte der Ortschef dann aber auch, um einen Rücktritt bekanntzugeben. Nach 32 Jahren im Gemeinderat und 14 Jahren als Bürgermeister will er „sein Amt in den kommenden Wochen zurückzulegen“, schrieb Ramharters Bürgerliste Zukunft Leobersdorf in Sozialen Medien und betont, dass er seither „die Entwicklung unserer Gemeinde entscheidend mitgeprägt“ habe, vom Straßendorf „zum modernen Wohn-, Wirtschafts- und Bildungsstandort“.
Rücktritt vor 65. Geburtstag
Der Rücktritt kam jedoch nicht ganz überraschend und war seit dem Sommer immer wieder zu hören. Ramharter selbst erklärt den Rückzug mit seinem 65. Geburtstag im Dezember: „Es beginnt nicht mit 66 Jahren, sondern mit 65 ist für mich Schluss.“ Wann er genau sein Amt zurücklegt, will er auf Nachfrage nicht konkretisieren.
Ramharter stand wegen fragwürdiger Umwidmungen in den letzten Jahren mehrfach in der Kritik. In Leobersdorf wird derzeit auf dem Areal des ehemals zweitgrößten Frauen-Konzentrationslagers in Österreich ein Gewerbepark gebaut, die Gemeinde stimmt den Plänen zu. Vom Verkauf des Grundstücks soll laut „Falter“ und „Wiener Zeitung“ der Bürgermeister profitiert haben.
Auf dem ehemals zweitgrößten Frauen-Konzentrationslagers in Österreich wird derzeit ein Gewerbepark gebaut
Am anderen Ende von Leobersdorf sollte zuletzt eine neun Hektar große Fläche – am Rande des Ortsgebietes – umgewidmet werden, aber nicht als Betriebsgebiet, sondern als Bauland-Kerngebiet, um damit ein Landesgesetz zu umgehen, dass den Bodenverbrauch reduzieren soll. Die zweite Liste im Gemeinderat, Leobersdorf Jetzt, kritisierte die Pläne seit dem Frühjahr.
Die Umwidmung einer Wiese, bei der ein Parteifreund Ramharters finanziell profitieren sollte, wurde nach Medienberichten im Juli abgesagt, nachdem sich die Koalitionspartner FPÖ und ÖVP dagegen aussprachen. Anfang der Woche beendete die ÖVP deshalb auch die Zusammenarbeit mit Ramharters Bürgerliste und beklagte mangelnde Transparenz – mehr dazu in Fragwürdige Umwidmungen: ÖVP beendet Koalition (noe.ORF.at; 8.9.2026).
Für Ramharter habe diese Kritik jedoch keine Rolle beim Rückzug gespielt. Die Verfahren würden auch weiterlaufen, sämtliche Einwände und Stellungnahmen würden geprüft und evaluiert, „inwiefern sie sich in die ursprünglichen Intentionen einfließen“ lassen. Danach will man dem Gemeinderat eine Entscheidung vorlegen und „schauen, ob es zu einem Konsens kommt“.
Gegenkandidat überlegt
Ohne ÖVP, die mit einem Mandat im Gemeinderat vertreten ist, haben die Bürgerliste und die FPÖ jedenfalls keine Mehrheit. Wie es nun weitergeht, ist offen. Die Liste Zukunft will den geschäftsführenden Gemeinderat Hermann Weiszbart als nächsten Bürgermeister vorschlagen. „Dazu werden wir Euch in den kommenden Tagen hier genauer informieren“, heißt es in den Sozialen Medien.
Allerdings überlegt offenbar auch Vizebürgermeister Christian Pajer (FPÖ) als Bürgermeisterkandidat anzutreten, schreibt die „NÖN“. Die Aufgabe Bürgermeister zu sein wäre eine Herausforderung, "die ich sehr gerne annehmen würde“, wird Pajer zitiert. Die beiden Listen verfügen im Gemeinderat jeweils über elf Mandatare, FPÖ und SPÖ drei, die ÖVP stellt einen Gemeinderat.