MDR-Wahlarena zur Landtagswahl: Bürger konfrontieren Spitzenkandidaten zu Bildung, Migration und Kommunen

Fakt-ist!-Wahlarena
Brandmauer, Fachkräftemangel, Bildung: Schlagabtausch in der MDR-Wahlarena
Stand: 13.08.2026 07:54 Uhr
Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellten sich bei der Fakt ist! Wahlarena den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Debattiert wurde etwa über die Brandmauer, den Fachkräftemangel und Bildung.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt haben in der MDR-Wahlarena am Mittwoch Fragen von Bürgerinnen und Bürgern im Publikum beantwortet.
Spitzenkandidaten stellen sich den Fragen der Bürger
Zu den Themen, die live diskutiert und erörtert wurden, gehörten etwa die "Brandmauer", die Finanzierung der Kommunen, Inklusion, vor allem behinderter Kinder in Schulen, Drohnenforschung und -abwehrkonzepte, die Gasversorgung in Sachsen-Anhalt sowie der Fachkräftemangel. In diesem Zusammenhang wurde auch über Migration gesprochen. Zum Ende der Sendung wurde die Frage gestellt: Was muss passieren, damit Menschen in Sachsen-Anhalt bleiben, anstatt abzuwandern?
In der Wahlarena traten an (v.l.n.r.): Claudia Wittig (BSW), Susan Sziborra-Seidlitz (Die Grünen), Lydia Hüskens (FDP), Armin Willingmann (SPD), Eva von Angern (Die Linke), Ulrich Siegmund (AfD) und Sven Schulze (CDU), außerdem amtierender Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.
"Brandmauer" – Zusammenarbeit mit der AfD bleibt Streitthema
Zum Thema "Brandmauer" waren sich CDU und SPD wie in der Vergangenheit einig. Sven Schulze (CDU) sagte, er habe nicht vor, mit der AfD zusammenzuarbeiten: "Ich bin überzeugt, die AfD hat nicht die Lösungen für die Zukunft Sachsen-Anhalt."
Die Aussagen der Politikerinnen und Politiker in der Wahlarena im Faktencheck-Ticker finden Sie hier:
Armin Willingmann (SPD) wurde von einem Zuschauer vorgeworfen, die Demokratie mit Füßen zu treten. Der Mann sagte: "Wer 40 Prozent [AfD-Zustimmungswert in aktuellen Umfragen, Anm. d. Red.] einfach missachtet, der hat bei mir keinen Begriff von Demokratie." Willingmann erklärte darauf, es sei eine Frage der Haltung und: "Wer hier in diesem Land regieren will, der muss eine Mehrheit erringen. Das kann durch eine Koalition geschehen."
Eva von Angern (Linke) ordnete ein, dass es Debatten im Landtag gibt: "Es ist nicht so, dass wir nicht miteinander reden." Insbesondere Frauen würde dort aber von der AfD-Fraktion "niedergebrüllt".
Kommunalfinanzen: Sparen oder investieren?
Die Frage aus dem Publikum – von einem CDU-Stadtrat aus Gardelegen –, wie die Kommunen in Zukunft finanziert werden sollen, beantworteten Spitzenkandidaten unterschiedlich.
Ulrich Siegmund (AfD) sagt, dass gespart werden müsse und Bundes- und Landesebene zusammen gedacht werden müssten: "Jeder Euro, der auf Bundesebene in die Welt verschenkt wird, fehlt dem Bund, was ja auch an die Länder ausreichen könnte und dann auch an die Kommunen", so Siegmund. Die Kandidatinnen vom BSW und den Grünen Claudia Wittig und Susan Sziborra-Seidlitz plädierten jeweils für Investitionen. Wittig sagte, Kommunen seien pleite, weil Unternehmen "den Bach runtergehen" und Menschen wegzögen. Ähnlich argumentierte Sziborra-Seidlitz: mit Anreizen für neue Investitionen. Lydia Hüskens (FDP) will vor allem in den Verwaltungen Geld einsparen.
Inklusion und Schulpolitik beschäftigen die Kandidaten
Eine Mitarbeiterin einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen fragte nach dem Stellenwert des Themas Inklusion bei der AfD. In der Folge wurde das Thema vor allem mit Blick auf Arbeitsmarkt und Schulen besprochen. Lydia Hüskens, seit 2021 Ministerin für Infrastruktur und Digitales, sprach von sehr vielen Menschen, die in Behindertenwerkstätten betreut würden, aber "wir schaffen es oft nicht, Menschen in den ersten Arbeitsmarkt mitzubringen, obwohl sie es könnten", so Hüskens. Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern sprach von Inklusion als Menschenrecht, das allen zustehe. Inklusion würde an sehr vielen Schulen in Sachsen-Anhalt bereits gut funktionieren.
Inklusion war nicht der einzige Gesichtspunkt, der beim Thema Bildung diskutiert wurde. Die Themen Schulsozialarbeit und Schulpflicht wurden ebenfalls angerissen.
Fachkräftemangel und Zuwanderung als Wahlkampfthema
Das Gesundheitswesen in Sachsen-Anhalt wurde ebenfalls diskutiert. Hier drehte sich die Publikumsfrage vor allem darum, wie dem Fachkräftemangel entgegnet werden solle. Dort waren sich viele Wahlarena-Teilnehmer einig: Migration. Lydia Hüskens blickte zudem auf den Aspekt, dass viele Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss abbrechen würden. Auch da müsse man schauen, dass die Zahl gesenkt wird.
Bleiben statt wegziehen: Konzepte gegen Abwanderung
In der Folge fragte ein Student im Publikum, wie man Menschen die in Sachsen-Anhalt leben, im Land behalten könne. Susan Sziborra-Seidlitz sprach von einer Bleibeperspektive, die Menschen bräuchten: Kultur, Kitas, Schulen. Sie sagte: "Sachsen-Anhalt ist ein wunderbares Land. Wir dürfen uns das nicht kaputt reden lassen."
Kita-Betreuungsschlüssel
Einig waren sich die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten auch beim Thema Kita-Betreuungsschlüssel und der Frage, ob dieser gesenkt werden soll. Das hieße dann, dass Erzieherinnen und Erzieher trotz sinkender Kinderzahlen ihre Jobs in den Kitas behalten können. Sven Schulze merkte zudem an, dass es in Sachsen-Anhalt garantiert sei, einen Kita-Platz zu bekommen.
Reaktionen der Zuschauer auf Wahlarena und Reportage
Die Wahlarena sowie die im Vorfeld ausgestrahlte "exactly"-Reportage "Sechs Stimmen, ein Land" haben auch im Netz für eine rege Diskussion gesorgt. In der Reportage treffen sechs Sachsen-Anhalter mit gegensätzlichen Ansichten aufeinander und tauschen ihre Positionen aus. Gesprächsstoff unter den Zuschauerinnen und Zuschauern hat unter anderem der im Film angesprochene Umgang mit dem Ukraine-Krieg ausgelöst. Drei Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter hatten in dem Film der Aussage zugestimmt, die Sanktionen gegen Russland sollten aufgehoben werden. Sachsen-Anhalt brauche Wirtschaft mit allen Völkern der Welt und keinen Krieg, so ein Argument.
Ein Zuschauer schreibt dazu, der Einzige, der bisher kein Interesse an einer friedlichen Lösung habe, sei Putin. Man habe es seit 2014 und der Besetzung der Krim immer wieder versucht. Ein anderer Nutzer bekräftigt, man müsse die Sanktionen gegen Russland eher verschärfen und konsequent umsetzen.
Hier können Sie sich den Film ansehen:
Video:
6 Stimmen, 1 Land: Das Experiment zur Wahl in Sachsen-Anhalt (mit Gebärdensprache) (45 Min)
Zuschauer-Kommentare gab es zudem auch zum Umgang von Schulen mit der AfD und zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Themenunabhängig schrieb ein Nutzer, es sei "wichtig und schön zu sehen, dass die Menschen sich auf so etwas einlassen und mit anderen reden. [...] In einer Zeit, wo es nur um 'Wir gegen Die' geht, ist eine Diskussion mit gegenseitigem Respekt schon vielleicht ein erster guter Weg, um die Risse in der Gesellschaft vielleicht etwas zu kitten. Denn am Ende der Sendung hat ja doch jeder der Teilnehmenden etwas mitgenommen." Ein anderer Nutzer schreibt: "Das Format konnte, so glaube ich, Vorurteile abbauen."
MDR (Sebastian Gall, Julia Heundorf)