Neue Angriffe dürften DAX belasten

Marktbericht
Rheinmetall und Deutsche Bank
Gute Quartalszahlen grenzen DAX-Verluste ein
Stand: 29.07.2026 • 18:23 Uhr
Gut aufgenommene Quartalszahlen von DAX-Konzernen haben den deutschen Leitindex heute gestützt und neue geopolitische Sorgen etwas in den Hintergrund gedrängt. Größter Gewinner im DAX waren die Papiere von Rheinmetall.
Neuerliche Angriffe im Iran-Krieg haben die Preise für Öl und Gas wieder steigen lassen und auf die Stimmung an den Börsen gedrückt. "Die Feuerpause im Iran scheint vorbei zu sein und die Energiepreise reagieren bereits auf die neuen militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Iran, Saudi-Arabien und den USA", sagte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets.
Trotz dieser neuen geopolitischer Risiken hat sich der DAX behauptet - getragen von starken Quartalszahlen aus den eigenen Reihen. Am Ende schloss der deutsche Leitindex nur minimal tiefer bei 25.460 Punkten. "Anleger wollen grundsätzlich in Aktien investiert bleiben und streuen ihr Risiko breiter als vor ein paar Wochen", konstatierte Jochen Stanzl, Analyst bei der Consorsbank.
Ölpreise ziehen wieder an
Nach drei Tagen mit deutlichen Rückgängen zogen die Ölpreise wieder an. Für Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im September wurden am Nachmittag 90,01 Dollar gezahlt und damit sieben Prozent mehr als am Vortag. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben von Iran unterstützte Milizen im Irak angegriffen. Zuvor habe man einen iranischen Überraschungsangriff auf US-Truppen in der Region abgewehrt.
Die mit Iran verbündeten Huthi im Jemen erwägen Insidern zufolge zudem, Gebühren für den Großteil des Schiffsverkehrs durch die Meerenge Bab al-Mandab einzuführen. Die Schließung würde die Furcht vor Engpässen bei der Ölversorgung verstärken. Hinzu kamen am frühen Nachmittag wieder Drohungen von US-Präsident Donald Trump in Richtung Iran.
Zahlen von Microsoft und Meta im Fokus
An den amerikanischen Börsen bleiben die Anlegerinnen und Anleger heute vorsichtig, denn im Tagesverlauf werden wichtige Nachrichten erwartet. Sowohl der Leitindex Dow Jones als auch der Nasdaq 100 und der marktbreite S&P 500 lagen zum Handelsschluss in Frankfurt deutlich im Minus.
Angesichts der Sorgen um den Fortgang der KI-Rally stehen vor allem die Quartalszahlen der US-Technologieriesen Microsoft und Meta im Fokus, die nach US-Börsenschluss veröffentlicht werden. Die Zahlen gelten ebenso wie die von Apple und Amazon am Donnerstag als wichtiger Test, ob die KI-getriebene Rally noch Luft nach oben hat.
Fed dürfte Leitzins stabil halten
Zudem steht heute Abend die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve an. Bei der zweiten Zinsentscheidung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh rechnen die meisten Beobachter erneut nicht mit einer Änderung beim Leitzins, sodass dieser zum fünften Mal in Folge in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bleiben dürfte.
Die Diskussion über eine mögliche Zinserhöhung nahm zuletzt aber wieder zu, da der Iran-Krieg weiter für große Verunsicherung sorgt. Warsh hatte zudem seine Entschlossenheit bekräftigt, die Inflation zu bekämpfen.
Rheinmetall-Rally nach starken Zahlen
Größter Gewinner im DAX waren heute die Papiere von Rheinmetall, die um 6,1 Prozent stiegen. Die Düsseldorfer steigerten Umsatz und operativen Gewinn im zweiten Quartal mit dem Rüstungsboom im Rücken deutlich. Auf Basis vorläufiger Zahlen stieg der Erlös im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 69 Prozent auf fast 3,29 Milliarden Euro. Anfang Juli hatte der Konzern ein Plus von mehr als 60 Prozent in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis legte den aktuellen Angaben zufolge auf 562 Millionen Euro zu und übertraf damit die mittlere Analystenschätzung deutlich.
Deutsche Bank überrascht mit Rekordgewinn
Auch die Aktien der Deutschen Bank kletterten mit einem Kurssprung von bis zu sechs Prozent zeitweise an die DAX-Spitze. Das Geldhaus erzielte im zweiten Quartal dank seiner Investmentbank überraschend einen Gewinn auf Rekordniveau. Das Vorsteuerergebnis war mit 2,68 Milliarden Euro nur minimal geringer als im gleichen Zeitraum des Rekordjahres 2007. Unter dem Strich steht ein Gewinn von 1,64 Milliarden Euro - zehn Prozent mehr als im Vorjahr, aber etwas weniger als 2007. Zudem möchte die Bank weitere Millionen für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben.
BASF kommt bei Konzernabbau voran
Zu den Spitzenreitern im DAX gehörte auch BASF mit einem Kursplus von rund vier Prozent. Der Konzern kommt bei seinem Sparprogramm und Konzernumbau voran. "Wir haben unsere Kosten gesenkt, die Investitionsausgaben reduziert und die Auslastung unserer Anlagen erhöht", sagte BASF-Chef Markus Kamieth. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 habe das Unternehmen weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut. Vor zwei Wochen hatte der weltgrößte Chemiekonzern bereits vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt und das Gewinnziel erhöht.
RWE wird optimistischer
Auch die RWE-Papiere waren gefragt. Der Energieversorger hat nach einem überraschend stark verlaufenen Halbjahr seine Gewinnprognosen für dieses und nächstes Jahr erhöht. Für das laufende Jahr erwartet das Management das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nun bei 5,75 bis 6,35 Milliarden Euro, statt zuvor 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro.
BMW baut offenbar weltweit 8.000 Jobs ab
Als letzter deutscher Autokonzern legt nun auch BMW ein großes Stellenabbauprogramm auf. Weltweit sollen rund 8.000 Jobs wegfallen. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation sowie ein Abfindungsprogramm auf freiwilliger Basis in Deutschland erfolgen.