Nothelferin in Nepal: "Hilfe von außen sehr, sehr notwendig"
Nach der Sturzflut in Nepal werden laut Behörden mindestens acht Deutsche vermisst, Behörden vor Ort sprechen von über 800 vermissten Ausländern. Bislang wurden 165 Tote geborgen.
27.08.2026 | 4:06 min
Nach der verheerenden Flut in Nepal ist die Lage in den betroffenen Gebieten weiterhin dramatisch. Viele Menschen sind ums Leben gekommen, über Tausend werden noch vermisst. Ganze Ortschaften sind von den Wassermassen schwer getroffen.
Das ZDF hat mit der Projektmanagerin Stella Deetjen von der Hilfsorganisation "Back to Life" gesprochen. Sie engagiert sich seit 17 Jahren in Nepal und ist derzeit vor Ort.
Aktuelles zur Situation in Nepal im Liveblog
ZDFheute: Frau Deetjen, was erfahren Sie vor Ort über das Ausmaß der Zerstörung und auch der menschlichen Opfer?
Stella Deetjen: Es ist wirklich eine menschliche Tragödie, denn diese Flut zieht sich über mehrere Distrikte und über die ganzen Flusskorridore und hat sämtliche Infrastruktur dort dauerhaft zerstört. Es wird eine lange Zeit dauern, bis das wieder aufgebaut werden kann.
Quelle: imago
... ist Projektmanagerin der Hilfsorganisation "Back to Live" in Nepal. Sie engagiert sich seit 17 Jahren in dem Land.
ZDFheute: Welche Art von Unterstützung wird Nepal denn jetzt aus dem Ausland, speziell auch aus Europa, brauchen, um die Überlebenden zu versorgen?
Deetjen: Natürlich die Soforthilfe. Also es wird medizinische Hilfe geben müssen. Im Moment werden Ärzte in das Gebiet eingeflogen, sodass sie direkt vor Ort tätig werden können. Denn wir reden ja von ganz abgelegenen Gebieten, die ohne Straßen sind - und eben jetzt (sind) auch keine Brücken mehr vorhanden.
Wie Augenzeugen die Flut erlebten: "Nichts ist mehr übrig"
Lage des Kastastrophengebiets im Himalaya.
Das heißt, die Menschen können sich selber nach medizinischer Hilfe gar nicht mehr ausstrecken. Und deshalb ist Hilfe von außen sehr, sehr notwendig. Sie sollte aber koordiniert, praktisch sein und auch wirklich ankommen.
ZDFheute: Nun leben ja die Nepalesen auch vom Bergsteiger- und Trekking-Tourismus im Himalaya-Gebirge. Welche wirtschaftlichen Folgen, glauben Sie, wird diese Katastrophe langfristig haben?
Deetjen: Na, ich hoffe sehr, dass die Touristen zurückkehren werden, denn ein verantwortungsvoller Tourismus könnte auch bei dem Wiederaufbau zur Seite stehen. Und wir haben die Erfahrung nach dem Erdbeben [im Jahr 2015, Anm. d. Red.] schon gemacht. Es gibt dann immer einen Einbruch, weil die Menschen Angst haben, nach Nepal zu reisen.
Wie es zu der verheerenden Sturzflut in Nepal kam
Sturzflut in Nepal kam ohne jede Vorwarnung
Am Tag nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der Todesopfer auf über 389 Retter suchen im Schlamm und Geröll weiter nach Vermissten.
27.08.2026 | 2:29 min
Aber da Nepal ein sehr resilientes Land ist und die Menschen widerstandsfähig, denke ich mir, sie werden wieder aufstehen. Und wenn wir transparent Informationen kommunizieren, können wir vielleicht das Vertrauen erwecken, dass die Menschen, die Touristen, zurückkommen. Denn: ja, sie hängen (in Nepal) vom Tourismus sehr ab.
ZDFheute: Welche Rolle kann denn Ihr eigener Verein beim langfristigen Wiederaufbau, speziell der Region, die jetzt zerstört ist, spielen? Was glauben Sie, wo können Sie da vor allem helfen?
Deetjen: Wir haben schon viel Erfahrung gesammelt, da diese Schicksalsschläge in Nepal leider alle paar Jahre passieren. Wir möchten uns involvieren, indem wir vor allem Trinkwasserleitungen bauen möchten, Kinder zur Schule schicken. Sie müssen sich vorstellen, schon eine kleine Spende für eine Schuluniform oder Schulbücher kann einem Kind, das alles verloren hat, vielleicht den Schulbesuch ermöglichen.
Viele Gebiete in Nepal seien weiter nicht erreichbar, Straßen noch voller Geröll und Schlamm, das Handynetz ausgefallen, berichtet ZDF-Reporterin Miriam Steimer in Kathmandu.
27.08.2026 | 1:19 min
Im weiteren Schritt geht es natürlich um Schulbau, also den Wiederaufbau der Gebäude, die zerstört wurden. Solarprojekte sehe ich als ganz dringende Maßnahme, weil sämtlicher Strom gekappt ist. Es gibt keine Stromleitungen mehr und ein Solarsystem kann einer Familie zumindest für die nächsten Jahre den Alltag erleichtern und überbrücken.
Das Interview führte ZDF-Moderator Andreas Klinner für die Sendung heute in Europa.
Spendenaufruf ZDF Notfallhilfe Nepal
Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichteten heute in Europa am 27.08.2026 ab 16:00 Uhr sowie das heute journal am 27.08.2026 ab 21:45 Uhr.