Pakistan im Mekka-Pakt: Bedrohung für Indien?

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs schlossen sich Anfang August Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan in einem "Gemeinsamen Verteidigungspakt von Mekka" zusammen. Angesichts der Unsicherheit darüber, wie verlässlich der US-Schutzschirm ist, strebt Saudi-Arabien gegenwärtig zusätzliche Sicherheitspartnerschaften an.
Die Türkei positioniert sich als eine der größeren regionalen Mächte. Pakistan, selbst Atommacht, möchte seine langjährigen militärischen Beziehungen zu Riad zu einen umfassenderen strategischen Einfluss entwickeln.
Das Abkommen sieht im Kriegsfall eine gemeinsame Verteidigung vor. Ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied gilt als Angriff auf alle drei Länder. Zudem gibt es nun einen formalen Rahmen zu bereits bestehenden Kooperationen. So bildet Pakistan bereits seit Jahrzehnten saudische Streitkräfte aus und unterstützt diese.
Langjährige Kooperation: Pakistans Premier Schebaz Sharif (links) und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman bei einem Treffen in Riad am 17.9.2025Bild: Saudi Press Agency/REUTERS
Indien zeigt sich gelassen
Der ehemalige indische Botschafter in Pakistan, Ajay Bisaria, erwartet, dass das Abkommen die grundlegende Dynamik der Konfrontation zwischen Indien und Pakistan kaum beeinflussen wird. "Der Mekka-Pakt ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht", meint Bisaria im DW-Interview.
"Er geht kaum über den saudisch-pakistanischen Verteidigungspakt vom letzten Jahr hinaus. Es handelt sich vor allem um ein Signal an den Iran, die USA und Israel, in einer Zeit, in der Riad durch die Schwäche des amerikanischen Sicherheitsschirms verunsichert worden war."
Im Falle einer Krise zwischen beiden südasiatischen Atommächten rechnet der Ex-Botschafter nicht damit, dass der Pakt die sicherheitsrelevante Situation grundlegend verändern werde.
Die Türkei werde Pakistan weiterhin mit Drohnen und militärischer Ausrüstung beliefern. Saudi-Arabien dürfte sich eher als Vermittler engagieren, statt sich vorschnell militärisch auf Pakistans Seite zu stellen.
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Auch Tara Kartha, ehemaliges Mitglied des indischen Nationalen Sicherheitsrats, sieht das Abkommen mit Zurückhaltung. "Indien muss den Mekka-Pakt nicht überbewerten. Saudi-Arabien und die Türkei betrachten uns kaum als strategischen Konkurrenten oder Feind", sagt Kartha gegenüber der DW.
"Pakistan und die Türkei pflegen bereits enge Beziehungen im Verteidigungsbereich, unter anderem bei der Entwicklung des türkischen Kampfflugzeugs Kaan. Im operativen Bereich ändert sich daher kaum etwas, abgesehen von möglicherweise höheren Rüstungsausgaben Pakistans. Das stellt allerdings ein ernstzunehmendes Problem dar", ergänzt Kartha.
Analyst Harsh Pant, Vizepräsident der Observer Research Foundation (ORF) in Neu-Delhi, meint: "Die unterschiedlichen strategischen Interessen der drei Mitglieder könnten den Zusammenhalt des Bündnisses einschränken. Dennoch sollte Indien seine Beziehungen zu Riad nutzen, um die Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Nachrichtendienste und Wirtschaft zu vertiefen."
Zeit für eine außenpolitische Offensive
Indien werde die Auswirkungen des Abkommens "unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit sowie des regionalen Friedens und der Stabilität" prüfen, teilte das indische Außenministerium mit. "Indien setzt sich weiterhin voll und ganz für die Wahrung seiner nationalen Interessen ein und wird hierfür alle notwendigen Maßnahmen ergreifen", erklärte Außenamtssprecher Randhir Jaiswal.
Ölfässer vor einer Tankstelle in Chennai im südindischen Tamil NaduBild: Arun Sankar/AFP
Saudi-Arabien ist für das bevölkerungsreichste Land der Welt ein wichtiger Lieferant von Öl und Gas. Der Pakt unter drei muslimischen Ländern ermöglicht es dem Erzrivalen Pakistan dagegen, dessen sicherheitspolitische Rolle am Golf auszubauen. Für Indien sei dies kein gutes Zeichen, sagt Strategieexperte C. Raja Mohan im DW-Interview.
"Für Indien sollte dies eine Warnung sein, dass Neu-Delhi im Golf nicht in erster Linie ein diplomatischer und wirtschaftlicher Akteur bleiben kann", so Mohan, der auch Professor an der indischen Jindal Global University ist.
Indien benötige deswegen eine größere militärische Reichweite und engere praktische Sicherheits- und Verteidigungsbeziehungen zu den einzelnen Ländern im Nahen Osten. "Die Kluft zwischen Indiens wirtschaftlichen Interessen und seiner begrenzten militärisch-sicherheitspolitischen Präsenz lässt sich immer schwerer übersehen."
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan