Polen - Holocaust-Gedenktag: Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma warnt vor wachsendem Antiziganismus

In der GedenkstÀtte des ehemaligen NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ist an die Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten erinnert worden. Der Vorsitzende des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma, Rose, sprach bei der Gedenkveranstaltung von einem Erstarken eines gewaltbereiten Antiziganismus in Deutschland.
02.08.2026
Gedenken am 2.8.2026 im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau an die 500.000 ermordeten Sinti und Roma in der NS-Zeit. (imago images / Eibner / Tabea Guenzler )
Diese Entwicklung finde nicht in einem luftleeren Raum statt, betonte Rose anlĂ€sslich des europĂ€ischen Holocaust-Gedenktages fĂŒr Sinti und Roma. In ganz Europa erlebe man Wahlerfolge rechtsextremer und nationalistischer Parteien, die Hass und Hetze wieder salonfĂ€hig machten. Der Zentralratsvorsitzende appellierte an die EU, durch Bildung und AufklĂ€rung zur PrĂ€vention beizutragen. Etwa mĂŒsse in den SchulbĂŒchern der HeimatlĂ€nder der Sinti und Roma auch auf deren BeitrĂ€ge zu Kunst, Musik und Kultur hingewiesen werden.
Brand sieht Mehrheitsgesellschaft in Verantwortung
FĂŒr die Bundesregierung nahm der Antiziganismusbeauftragte Brand an der Gedenkveranstaltung teil.
Er hatte zuvor im Deutschlandfunk auf die Verantwortung der Mehrheitsgesellschaft fĂŒr den Schutz der Sinti und Roma hingewiesen
. Der Umgang mit Minderheiten zeige, wie es um eine Demokratie bestellt sei, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Deutschland trage eine historische Verantwortung. Dass die Bundesregierung vor knapp einem Monat beschlossen habe, eine Aufarbeitungskommission zum Unrecht an Sinti und Roma nach 1945 einzusetzen, sei "unglaublich spĂ€t", aber ein wichtiger Schritt. Es habe nach dem Nationalsozialismus in Deutschland KontinuitĂ€ten gegeben: Diejenigen, die Sinti und Roma verfolgt hĂ€tten, hĂ€tten anschlieĂend ĂŒber RentenantrĂ€ge oder die Frage von EntschĂ€digungen entschieden. Auch im Wohnbereich seien Sinti und Roma diskriminiert und an RĂ€nder gedrĂ€ngt worden.
Kommission soll Unrecht aufarbeiten
Diskriminierung finde auch heute statt und nehme sogar zu, betonte Brand. Auf der einen Seite stĂŒnden FĂ€lle, bei denen Minderheiten gezielt zur Zielscheibe gemacht wĂŒrden. Auf der anderen Seite gebe es aber auch diejenigen, die nachlĂ€ssig Stereotype weiterverbreiteten. Die Kommission habe nun die Aufgabe, die Stimmen Betroffener zu hören, Akten zu erschlieĂen, staatliches Handeln zu untersuchen und schlieĂlich Handlungsempfehlungen zu geben.
In Auschwitz-Birkenau wurden in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 rund 4.300 Sinti und Roma von der SS getötet. Insgesamt ermordeten die Nazis zwischen 1933 und 1945 bis zu 500.000 Menschen der Bevölkerungsgruppe.
Diese Nachricht wurde am 02.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.