Preise von Wohnungen und Häusern sinken: In Bayern steigt das Angebot an Immobilien

Erst die explodierenden Preise, dann auch noch steigende Zinsen: Über Jahre rückte der Traum von der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus für viele Bürgerinnen und Bürger in immer weitere Ferne. Jetzt zumindest stabilisiert sich der Immobilienmarkt. Nach Abzug der Inflation – also real – sind Wohnungen und Häuser deutschlandweit im Vergleich zum letzten Jahr sogar ein Stück weit günstiger geworden.
Achtet man nur auf das Preisschild, kosten Wohnungen und Einfamilienhäuser zwar nominal einen Tick mehr. Berücksichtigt man jedoch die Inflation und misst die Preise an der Kaufkraft, sieht das Bild anders aus, berichtet das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das den Immobilienmarkt seit Jahrzehnten akribisch beobachtet. Real lagen die Preise für Eigentumswohnungen im zweiten Quartal 2,1 Prozent niedriger als vor einem Jahr, bei Einfamilienhäusern sind es 0,7 Prozent weniger und bei Mehrfamilienhäusern sogar 5,9 Prozent. „Der Unterschied zwischen nominaler und realer Betrachtung ist dabei mehr als eine Rechengröße“, erklärt das Institut. „Verkäuferinnen und Verkäufer erzielen zwar nominal höhere Preise, können sich für diesen Preis aber weniger leisten als vor einem Jahr.“ Umgekehrt müssen Käufer auf weniger verzichten, um sich eigene vier Wände kaufen zu können.
Steigendes Immobilienangebot in vielen bayerischen Städten
Am Immobilienmarkt deutet sich damit eine Zeitenwende an: „Der Immobilienmarkt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert“, schreibt Professor Stephan Kippes, Leiter des Marktforschungsinstituts IVD. Während bis 2022 fast jede Immobilie den Verkäufern praktisch aus den Händen gerissen wurde, achten die Interessenten heute viel genauer auf die Qualität, den energetischen Zustand und den Investitionsbedarf. Häufig müssten die Preisvorstellungen angepasst werden. Die Menschen zahlen also nicht mehr beliebige Preise. Ältere Wohnungen und Häuser mit hohem Sanierungsbedarf finden auch nicht mehr so schnell einen Käufer. In der Folge steigt das Angebot in vielen bayerischen Städten. „Mit rund 6400 angebotenen Kaufobjekten verfügt München im zweiten Quartal 2026 weiterhin über das mit Abstand größte Angebot unter den bayerischen Großstädten“, schreibt Kippes. „Es folgen Nürnberg mit rund 2500 Objekten und Augsburg mit etwa 1300 Kaufimmobilien.“
Gestiegen ist zuletzt auch die Zahl der Baugenehmigungen in Bayern. Zwischen Januar und Juni gab es grünes Licht für 29.155 neue Gebäude, 12,3 Prozent mehr als vor einem Jahr: „Damit setzt sich der im vergangenen Jahr begonnene positive Trend fort“, sagt Bauminister Christian Bernreiter (CSU). Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wohnraum nach wie vor knapp ist und viel zu wenig gebaut wird.
Noch immer fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen
Dem Bündnis „Soziales Wohnen“ zufolge fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen. Die Folgen sind höhere Mieten. „Der andauernde Mangel an Wohnungen ließ die Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern weiter steigen“, beobachtet der Verband deutsche Pfandbriefbanken. Die Mieten legten im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent zu. Die Lage auf dem deutschen Wohnungsimmobilienmarkt sei „unverändert angespannt“.
Bernreiter zufolge investiert der Freistaat dieses und nächstes Jahr 3,6 Milliarden Euro in die Wohnraumförderung. Der Staat könne den Bedarf aber nicht alleine decken. „Es ist dringend nötig, dass der private Wohnungsbau wieder an Fahrt gewinnt“, sagte er. Der Bund müsse dafür Steuerentlastungen auf den Weg bringen, praxistaugliche Baustandards sowie attraktivere Programme der Förderbank KfW und bessere Abschreibemöglichkeiten. Wie der Bau schnell wieder an Fahrt gewinnen kann, erklären zwei Unternehmer hier.