Retailkunde oder Affluent? So stufen Banken dein Vermögen wirklich ein

Publiziert15. August 2026, 11:39
4 Gruppen gibtsAb diesem Kontostand halten Banken dich für wohlhabend
Banken haben ihre eigenen Kriterien für Massenkunden und Reiche. Diese Vorteile bietet dir ein Aufstieg in eine höhere Klasse.
Darum gehts
Banken teilen ihre Kunden in vier Gruppen ein: Retail (unter 100'000 Fr.), Affluent (bis 1 Mio.), High Net Worth (bis 30 Mio.) und Ultra High Net Worth (ab 30 Mio.).
Ab 100'000 Franken gelten Kundinnen und Kunden als wohlhabend und erhalten Zugang zu persönlicher Anlageberatung.
Bankenexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern kritisiert, dass manche Banken die Grenzen zu starr anwenden.
Ab einem Vermögen von 117'816 Franken und mehr gehören Menschen in der Schweiz zur oberen Hälfte. In den Augen der Banken ist man schon mit etwas weniger wohlhabend, wie der Bankenexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern erklärt.
Banken teilen ihre Kundinnen und Kunden in folgende Gruppen ein. Ab der zweiten bist du für die Bank wohlhabend, Private Banking beginnt aber erst ab der dritten Gruppe:
Retailkunden: Vermögen unter 100'000 Franken
Standardkunden mit Standardangebot. Für sie ist das Call-Center, der Chatbot oder die Filiale der erste Ansprechpartner.
Affluent-Kunden: 100'000 bis 1 Million Franken Vermögen
Affluent bedeutet wohlhabend. Kundinnen und Kunden in diesem Segment verfügen über ein höheres investierbares Vermögen und erhalten je nach Bank Zugang zu erweiterten Beratungs- und Anlageangeboten sowie teilweise zu einer persönlichen Beratung.
High Net Worth Individual (HNWI): 1 bis 30 Millionen Franken Vermögen
Die Hochvermögenden profitieren von massgeschneiderten Dienstleistungen und persönlicher Betreuung durch Private Banker.
Ultra High Net Worth Individual (UHNWI): Ab 30 Millionen Franken Vermögen aufwärts
Die Ultrareichen bekommen Family Office Services durch ganze Beratungsteams, die Zugang zu privaten Anlagemärkten (Private Equity) sowie Beratung für den Erhalt des Vermögens über Generationen und für Stiftungen bieten.
Gilt die Einteilung für alle Banken?
Diese Einteilung sei der internationale Standard. Sie könne sich aber je nach Bank und auch Land noch etwas unterscheiden, so Dietrich. So gebe es etwa bei gewissen Schweizer Regionalbanken beispielsweise bereits ab 500'000 Franken die Einteilung zum Private-Banking-Kunden oder zur Private-Banking-Kundin (HNWI). Reine Privatbanken, die sich traditionell auf vermögende Klientel spezialisiert haben, ziehen die Grenze bei den HNWI dagegen etwas höher.
Sind diese Abgrenzungen strikt?
Aus Sicht von Dietrich greift eine solche Einteilung zu kurz. Das Vermögen allein sei keine besonders ausreichende Grösse, um Kundinnen und Kunden zu segmentieren. «Banken sollten weitere Faktoren berücksichtigen, insbesondere das Verhalten und die Bedürfnisse der Kundschaft, aber auch das Einkommen. Starre Vermögensgrenzen könnten sonst dazu führen, dass etwa eine Person mit 950'000 Franken Vermögen anders behandelt wird als eine mit einer Million, obwohl sich ihre Bedürfnisse kaum unterscheiden», so Dietrich.
Welche Vermögen berücksichtigen die Banken bei ihrer Einteilung?
Für die Einteilung ist in erster Linie das investierbare Vermögen relevant – also Vermögenswerte, die der Kundin oder dem Kunden für Finanzanlagen zur Verfügung stehen. Dietrich nennt ein Beispiel: Wer ein Haus mit einem Wert von 1 Million Franken geerbt hat, selbst darin wohnt und daneben über 60’000 Franken investierbares Vermögen verfügt, wird deshalb nicht allein aufgrund des Immobilienbesitzes als vermögender Kunde eingestuft. Die selbst bewohnte Immobilie zählt in der Regel nicht zum investierbaren Vermögen.
Lohnt sich die persönliche Beratung?
Das kommt auf die persönlichen Bedürfnisse an. Einige wollen regelmässigen Kontakt mit dem Bankberater und seine Meinung hören zu einer Aktie, von der sie erfahren haben. Andere treffen ihren Kundenberater einmal im Jahr und legen dann ihre Anlagestrategie fest. «Es gibt aber auch solche, die Millionen besitzen und ihr Vermögen selber verwalten wollen und dafür keinen Bankberater brauchen», so Dietrich.
Mit welchen Kunden verdienen die Banken das meiste Geld?
Die mit dem meisten Geld lohnen sich auch für die Banken in der Regel am meisten, sofern sie dieses Geld auch anlegen, ist Dietrich überzeugt. «Sie sind mit Abstand am interessantesten, wenn es ums Anlegen geht.» Aber auch das Affluent-Segment (ab 100'000 Franken) könne für Banken attraktiv sein. Diese Kundinnen und Kunden verfügen teilweise über einige Hunderttausend Franken an investierbarem Vermögen und haben entsprechend interessante Anlagebedürfnisse», so Dietrich.
Wenn du Zugang zu den besten Bankdienstleistungen hättest, welche würdest du am ehesten nutzen?
Eine massgeschneiderte Anlageberatung, um mein Vermögen zu mehren.
Spezielle Kredite für Luxusgüter oder Immobilien.
Beratung für die Weitergabe meines Vermögens an die nächste Generation.
Zugang zu exklusiven Anlagemärkten (Private Equity).
Ich würde mein Geld lieber selbst verwalten und keine Bank brauchen.
Ich mache mir keine Gedanken über solche Dienstleistungen.
Warum wollen die Banken, dass ich mein Geld investiere?
Banken können mit Kundeneinlagen auf Konten ebenfalls Geld verdienen, unter anderem, indem sie diese zur Finanzierung ihres Kreditgeschäfts nutzen, so Dietrich. Wie attraktiv dieses Geschäft ist, hängt jedoch vom Zinsumfeld und von der Zinsmarge ab. Wenn Kundinnen und Kunden ihr Vermögen anlegen, entstehen für die Bank andere Ertragsquellen – etwa durch Vermögensverwaltungs-, Beratungs-, Depot- oder Produktgebühren. «Deshalb kann es für Banken wirtschaftlich attraktiv sein, wenn Kundinnen und Kunden einen Teil ihres Vermögens investieren.»
Lohnt sich das Anlegen in Aktien für mich?
Das lässt sich für die Zukunft nicht vorhersagen. Ob sich eine Anlage in Aktien lohnt, hängt zudem unter anderem vom Anlagehorizont sowie von der persönlichen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft ab. An der Börse kann es zwischenzeitlich immer zu Kursverlusten kommen, sagt Dietrich. Rückblickend hätte es sich aber gelohnt, etwa bei der Finanzkrise 2007 ruhig zu bleiben, statt die Aktien zu verkaufen. So legte etwa der MSCI World über einen Anlagezeitraum von 20 Jahren durchschnittlich pro Jahr um 8,5 Prozent zu. Er bildet die Wertentwicklung von über 1000 Unternehmen aus 23 Ländern ab.
Das ist der Experte
Prof. Dr. Andreas Dietrich ist Leiter des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug und Leiter des Competence Center Financial Services an der Hochschule Luzern.Privat
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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