Russlands Wirtschaft am Boden? Putins Geldquelle sprudelt, auch aus EU-Kassen

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Russlands Wirtschaft am Boden? Putins Geldquelle sprudelt, auch aus EU-Kassen
Stand: 25.08.2026, 04:45 Uhr
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Russlands Wirtschaft schwächelt spürbar. Trotzdem fließen Milliarden aus der EU nach Moskau. Sanktionen wirken, doch Schlupflöcher bleiben zahlreich.
Brüssel – Seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar 2022 tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Seither sind zahlreiche Sanktionspakete seitens der EU verabschiedet worden, zuletzt am 23. Juli 2026 das 21. Paket in Folge. Insgesamt 100 russische Banken unterliegen inzwischen einem Transaktionsverbot, fast 3000 Personen stehen wegen Handlungen gegen die Ukraine auf den Sanktionslisten der EU. Nach eigener Einschätzung der EU-Kommission zeigt das Wirkung.
Europa importiert trotz des Kriegs in der Ukraine weiter russische Energieprodukte wie LNG. © Stefan Sauer/dpa/Symbolbild
Die liquiden Vermögenswerte des russischen Staatsfonds seien seit Kriegsbeginn um mehr als zwei Drittel geschrumpft, das reale Bruttoinlandsprodukt sei im ersten Quartal 2026 um 0,2 Prozent zurückgegangen. Für 2026 rechnet Brüssel nur noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent, für 2027 mit 1,1 Prozent. Wer sich allein an diesen Zahlen orientiert, könnte glauben, dem Kreml gehe finanziell allmählich die Luft aus.
Ganz so einfach ist die Lage allerdings nicht. Denn parallel zu den Sanktionen verdient Moskau weiterhin kräftig an Energielieferungen nach Europa. Im ersten Quartal 2026 erreichten die EU-Importe von russischem Flüssiggas laut Daten des Instituts für Energiewirtschaft und Finanzanalyse (IEEFA) sogar einen historischen Höchststand, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach den USA bleibt Russland damit der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU.
Europas Abhängigkeit zu Russland: LNG-Importe erreichen historischen Rekordwert
Zwischen Kriegsbeginn 2022 und 2025 gaben europäische Länder insgesamt 281 Milliarden Euro für russisches LNG aus, davon flossen laut einem Wirtschaftswoche-Bericht 37,8 Milliarden Euro direkt in den russischen Staatshaushalt. Allein 2025 machte russisches LNG demnach 14 Prozent der gesamten EU-LNG-Importe aus und kostete 6,7 Milliarden Euro, hinzu kamen 5,9 Milliarden Euro für russisches Pipeline-Gas. Die EU-Kommission stellt das nach außen anders dar und verweist darauf, dass russisches Gas nur 13 Prozent der gesamten Energieimporte ausmache, verglichen mit 39 Prozent vor dem Überfall auf die Ukraine. Beide Angaben stimmen, sie beschreiben nur unterschiedliche Ausschnitte desselben Bildes.
Der Widerspruch erklärt sich durch eine Verschiebung der Transportwege. Die Gaslieferungen über die Pipelinenetze in Ost- und Südeuropa sind tatsächlich stark zurückgegangen, und genau darauf beruft sich die Kommission. Gleichzeitig verdeckt dieser Rückgang aber den deutlichen Anstieg beim LNG-Handel. Nach Angaben der Wirtschaftswoche haben sich die absoluten Importmengen von russischem LNG nach Europa zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem zweiten Quartal 2025 nahezu verdreifacht. Rund 75 Prozent dieser Lieferungen stammen vom arktischen Terminal Jamal, das der sibirische Gaskonzern Novatek betreibt. Spezielle Eisbrecher-Tanker bringen die Ladungen direkt zu westeuropäischen Häfen wie dem belgischen Zeebrügge.
Pipeline-Rückgang verschleiert steigenden LNG-Handel – griechischer Reeder profitiert von EU-Ausnahmeregel
Einer der wichtigsten Akteure auf dieser Route ist der griechische Milliardär Georgios Prokopiou. Schiffe seiner Dynagas-Gruppe transportierten laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Kpler in diesem Jahr bereits mehr als ein Drittel der russischen Arktis-Gasexporte. Zwischen Januar und Juli 2026 verschifften sie demnach 53 Ladungen zu EU-Häfen im Wert von schätzungsweise 2,35 Milliarden Euro. Möglich wurde dieses Geschäft auch deshalb, weil die griechische Regierung das 21. Sanktionspaket zunächst blockierte und eine Ausnahme für den heimischen Reeder verlangte. Am Ende gab die EU nach, wie Goffart in seinem Bericht schreibt.
Neben solchen offiziellen Routen sorgt eine kaum kontrollierbare Schattenflotte für zusätzliche Einnahmen. Auf 2500 bis 3000 Schiffe wird die heimliche Handelsarmada des Kremls geschätzt, darunter rund 1500 Öl- und Gastanker. Die Ostsee-Anrainerstaaten setzen zwar zunehmend ihre Marine gegen diese Flotte ein, doch 2026 wurden nur einige Dutzend Kapitäne mit falsch deklarierter Fracht aufgegriffen. Das internationale Seerecht und das Prinzip der friedlichen Durchfahrt erschweren ein systematisches Aufbringen verdächtiger Schiffe erheblich.
Nach Recherchen von Geheimdiensten und Militärs wurde im Sommer 2026 mehr als die Hälfte des seewärtig transportierten russischen Öls mit sanktionierten Schattentankern befördert. Dies erfolgte oft mit jahrzehntealten Schiffen unter Billigflaggen wie Gabun oder Panama, die außerhalb westlicher Schiffsversicherungen operieren und ihre Herkunft durch abgeschaltete Transpondersignale verschleiern. So umgeht der Kreml die von den G-7-Staaten festgelegte Preisobergrenze von 44,10 US-Dollar pro Barrel.
Die EU reagiert auf solche Umgehungsstrategien fortlaufend mit neuen Maßnahmen. Mit dem 21. Sanktionspaket wurden nach Angaben der EU-Kommission 41 weitere Schiffe der Schattenflotte mit einem Hafenverbot belegt, zusätzlich zu den bereits 632 sanktionierten Tankern. Erstmals wurden auch fünf Bunkerschiffe gelistet, die sanktionierte Tanker regelmäßig betankt hatten. Zudem wurde die im 18. Paket vereinbarte Anpassung der Ölpreisobergrenze bis Juli 2027 ausgesetzt, um zu verhindern, dass Russland von der Schließung der Straße von Hormus profitiert.
Russische Sanktionen finden Nadelöhr: Banken umgehen Swift-Ausschluss über China
Ein ähnlich zwiespältiges Bild zeigt sich im Finanzsektor. Der Ausschluss russischer Banken vom internationalen Zahlungssystem Swift erfolgte schrittweise über mehrere Sanktionspakete hinweg. Laut vertraulichen Berichten europäischer Geheimdienste und Wirtschaftsanalysten hatte diese Maßnahme spürbare Auswirkungen auf das russische Bankensystem. Die Zentralbank musste angeschlagene Institute mit subventionierten Krediten stützen, während faule Kredite und Privatinsolvenzen zunahmen.
Unvorbereitet traf der Ausschluss Moskau trotzdem nicht. Schon nach der Annexion der Krim 2014 hatte die russische Zentralbank mit SPFS ein eigenes Pendant zu Swift aufgebaut, das innerhalb Russlands mittlerweile stabil funktioniert, international aber kaum Anklang findet, weil kaum ausländische Banken bereit sind, sich anzubinden.
Die eigentliche Ausweichroute führt über China. Einen wachsenden Teil seines Außenhandels wickelt Russland inzwischen über das chinesische Zahlungssystem CIPS ab, wobei zunehmend in Yuan abgerechnet wird. Das treibt die wirtschaftliche Abhängigkeit Moskaus von Peking weiter voran. China ist seit Kriegsbeginn zum größten Handelspartner Russlands aufgestiegen, mehr als ein Drittel des gesamten russischen Außenhandels, vor allem Öl und Gas, geht mittlerweile dorthin. Im Gegenzug liefert die Volksrepublik Maschinen, Autos und Technik, die Russland dringend benötigt, und stärkt damit gleichzeitig die eigene wirtschaftliche Position gegenüber Moskau. (Quellen: EU-Kommission, Wirtschaftswoche, IEEFA, Kpler-Analyse)(ls)