Sabotage an Umspannwerken - Polizei fahndet nach VerdÀchtigem aus NRW

Sabotage an Umspannwerken
Dobrindt spricht von "Klimaextremismus"
Stand: 04.09.2026 âą 21:30 Uhr
Nach der Sabotage an Umspannwerken in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg fahndet die Polizei nach einem VerdÀchtigen. Der Mann hatte Bekennerschreiben verfasst. Ob er aber auch der TÀter ist, ist noch offen.
Bei den Sabotageakten an mehreren Umspannwerken in Nordrhein-Westfalen geht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von "Klimaextremismus" als Motiv aus. Zudem deuteten die bisherigen Ermittlungen auf einen EinzeltÀter hin, sagte der CSU-Politiker bei einer Pressekonferenz.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) erklĂ€rte, den Behörden lĂ€gen zwei Bekennerschreiben eines 48-jĂ€hrigen Mannes aus Gevelsberg bei Hagen vor. Als Motiv fĂŒr die AnschlĂ€ge nenne der Verfasser den "Kampf gegen fossile Brennstoffe", sagte Reul - und zitierte aus einem der Schreiben: "Ich greife nicht das Land, sondern die fossile Rohstoffindustrie an."
Die Schreiben bezeichnete Reul als authentisch. Sie enthielten detailliertes TĂ€terwissen. Der CDU-Politiker betonte aber, dass noch nicht sicher sei, ob der Verfasser auch der TĂ€ter ist: "Wenn jemand seinen Namen druntersetzt, ist er nicht zwingend der Verantwortliche." GeprĂŒft werde auch, ob er allein gehandelt habe und ob es Verbindungen zu dem Sabotageakt im brandenburgischen JĂ€nschwalde gebe.
SEK stĂŒrmt Fahrzeug des VerdĂ€chtigen
"Fakt ist: Nicht die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, sondern die kritische Infrastruktur anzugreifen, ist ein Verbrechen", sagte Reul. "Wer solche Taten plant, Ă€rgert nicht die da oben, sondern die kleinen Leute. Das Licht in den Wohnzimmern, die Lungenmaschine auf der Intensivstation, die Ampel an der Kreuzung: Das brauchen wir alle." FĂŒr die Tat gebe es keine Rechtfertigung. So etwas gefĂ€hrde Menschen.
Nachdem Ermittler den VerdĂ€chtigen nicht an dessen Wohnanschrift angetroffen haben, fanden sie das Fahrzeug des Mannes am Hambacher Forst. Das sagte der Leiter der Staatsschutz-Abteilung im nordrhein-westfĂ€lischen Innenministerium, Markus GemĂŒnd. Ein Spezialeinsatzkommando habe es gestĂŒrmt. Der Mann sei aber nicht im Wagen gewesen. Er sei vermutlich zu FuĂ unterwegs und werde nicht weit kommen, sagte Reul.
In der Wohnung des Mannes sei Sprengstoff gefunden worden, erklÀrte Reul. Es habe sich um die Stoffe Kaliumnitrat und Kaliumperchlorat gehandelt, hieà es spÀter ergÀnzend.
Dobrindt will Drohnenabwehr von Unternehmen stÀrken
Neben einem möglichen linksextremistischen Hintergrund werde weiter auch eine mögliche "fremdstaatlich gesteuerte Sabotage" nicht ausgeschlossen, sagte Reul.
Aus Sicht von Dobrindt muss in Deutschland mit weiteren Anschlagsszenarien gerechnet werden. Er sprach sich auch dafĂŒr aus, dass Unternehmen befĂ€higt werden mĂŒssten, selbst Drohnen abzuwehren. Daneben mĂŒssten die Sicherheitsbehörden sowohl personell als auch technisch gestĂ€rkt werden.
"Wir haben es mit unterschiedlichen Bedrohungs- und GefÀhrdungslagen gleichzeitig zu tun", erklÀrte Dobrindt, "Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, verdeckte Aktionen, Extremismus und Staatsterrorismus - wir sind mit diesen Gefahrenlagen gleichzeitig aktuell bedroht."
Sabotage an Umspannwerken in NRW und Brandenburg
Diese Woche gab es mehrere Sabotageversuche gegen die Stromversorgung in Deutschland. Am Dienstagmorgen waren Hochspannungsleitungen in der NĂ€he des Umspannwerks Turnow-Preilack angegriffen worden. Diese fĂŒhren Strom, das im nahegelegenen Kraftwerk JĂ€nschwalde produziert wird. In zwei FĂ€llen gab es einen Kurzschluss.
Am Abend desselben Tages kam es zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. In der NĂ€he beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Durch den Vorfall fielen laut NRW-Energieministerin Mona Neubaur fĂŒnf Braunkohle-Blöcke des Energieversorgers RWE Power aus. Ermittelt wird wegen verfassungsfeindlicher Sabotage.
An einem Umspannwerk bei Dormagen zwischen DĂŒsseldorf und Köln gab es laut Polizei einen weiteren Sabotageversuch. Dort seien zwei Abschussvorrichtung gefunden worden - wohl mit dem Ziel, einen Kurzschluss herbeizufĂŒhren. Auch in Weisweiler bei Aachen sei eine solche Vorrichtung gefunden worden, sagte Reul. Der Verfasser der Bekennerschreiben reklamiert demnach diese beiden Taten ebenfalls fĂŒr sich.
Neue PolizeieinsÀtze in Hamm und nördlich von Bautzen
Am Freitagabend kam es bei einer Stromanlage in Hamm zu einem gröĂeren Polizeieinsatz. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichtete, kamen zahlreiche Polizeiwagen zu dem Ort an einer LandstraĂe bei einem WaldstĂŒck. Es war auch ein Hubschrauber im Einsatz. Die Polizei wollte sich bisher nicht zu dem Einsatz Ă€uĂern.
In Sachsen entdeckte die Polizei laut Innenminister Armin Schuster (CDU) "unbekannte Sprengvorrichtungen". Die Polizei habe an zwei Fundorten vier Objekte gesichert, sagte Schuster. Zuvor habe es Hinweise aus einem Bekennerschreiben gegeben. Unmittelbar nach dessen Eingang seien schon am Donnerstag intensive SuchmaĂnahmen eingeleitet worden. Man stimme sich eng mit allen weiteren betroffenen LĂ€ndern ab. Die Polizeidirektion Görlitz hatte einen Einsatz nördlich von Bautzen bestĂ€tigt.