Sicherheitsbedenken: Kein Schwimmen für Schwarze Community

Wegen Sicherheitsbedenken haben das Theater "Volksbühne Berlin" und der Verein "Each One Teach One" (EOTO) eine geplante Schwimm-Veranstaltung für Schwarze Kinder und Jugendliche abgesagt. EOTO ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für das Empowerment Schwarzer Menschen ein. Seit dem 7. August 2026 und noch bis Anfang Oktober steht vor der Volksbühne ein 25 Meter langes Freibad, das sogenannte Volksbad. Der Eintritt ist kostenlos. An einigen Tagen allerdings ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert. Für den Nachmittag des 14. August sollte es für sechs Stunden exklusiv Menschen der Schwarzen Community zur Verfügung stehen.
Jetzt kam die Absage. "Wir können die sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher*innen ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag," heißt es in einer Stellungnahme der Volksbühne. EOTO erklärte dazu schriftlich, man könne nicht mehr darauf vertrauen, "dass es eine positive Erfahrung für die jungen Menschen wird und dass die physische und psychische Sicherheit der Kinder und Jugendlichen (...) gewährleistet werden kann - auch nicht durch Sicherheitskräfte und Polizei."
Matthias Lilienthal, Intendant der "Volksbühne Berlin"Bild: Soeren Stache/dpa/picture alliance
Reaktionen aus der Politik
Die Exklusivnutzung für Schwarze Menschen hatte in den vergangenen Tagen ein Echo erzeugt, das schnell über Berlinhinausging. Zunächst sprach eine CDU-Kommunalpolitikerin in den sozialen Medien von einem "diskriminierenden Gefühl": "Ich darf nicht ins Schwimmbad, weil ich weiß bin." Das sorgte für Wirbel, weitere Politikerinnen und Politiker äußerten sich. Während etwa SPD und Linke sich gegen die Diskriminierung Schwarzer Menschen aussprachen, zitierte die Tageszeitung "Bild" Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU): "Ich hatte das "Volksbad" eigentlich als "Bad für alle" verstanden." Der Berliner FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer sagte, ein Volksbad, das Menschen nach ihrer Hautfarbe einteile, führe seinen Namen ad absurdum. "Öffentliche Einrichtungen sollen Menschen zusammenbringen, nicht trennen", so Meyer.
Die Co-Vorsitzende der vom Verfassungsschutz als in Teilen rechtsextrem eingestuften Alternative für Deutschland (AfD), Alice Weidel, sprach im Kurznachrichtendienst "X" von "Apartheid". Damit bezog sie sich auf das frühere politische System der organisierten Rassentrennung in Südafrika, in dem die Schwarze Mehrheit unterdrückt und diskriminiert wurde.
Weidel forderte: "Steuermittel für solche Veranstaltungen gehören sofort gestrichen!" Damit bezieht sie sich auf die Finanzierung des Theaters und auch des Schwimmbads mit öffentlichen Mitteln. Der Intendant der "Volksbühne", Matthias Lilienthal, verwies vor der Absage der Veranstaltung gegenüber dem "Spiegel" auf das Antidiskriminierungsgesetz des Landes Berlin, "das vorsieht, Gruppen, die diskriminierende Erfahrungen machen, einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich diskriminierungsfrei bewegen können". Die Exklusivnutzung des Schwimmbads von Schwarzen Menschen fällt in dem Gesetz unter den Begriff der "Ungleichbehandlung". In Paragraf 5, Absatz 2 des Gesetzes heißt es: "Eine Ungleichbehandlung (...) ist gerechtfertigt, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile strukturell benachteiligter Personen (...) verhindert oder ausgeglichen werden sollen (positive Maßnahmen)."
Linke und Grüne in Berlin bezeichneten die Absage als "unerträglich". "Dass die Absage wegen Sicherheitsbedenken erfolgen musste und das gemeinsame Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche im Volksbad nun ausfällt, zeigt, wie sehr Hass und Hetze um sich greifen", sagte Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp der Deutschen Presse-Agentur. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf sprach von einem "Skandal". "Das ist für unsere gesamte Stadt beschämend und das Gegenteil dessen, wofür Berlin als Stadt der Freiheit steht."
EOTO berichtet von Rassismus und Gewaltandrohungen
Das Theater hat auch anderen Gruppen und Vereinen Exklusivnutzungen gewährt, etwa für die "Gangway Crew", die Straßensozialarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen macht, oder den Verein Flussbad Berlin, der die Aufhebung des pauschalen Badeverbots in der Spree fordert.
Im Zentrum der Kontroverse: das "Volksbad" in BerlinBild: Hans Scherhaufer/epd
Nun aber sei das Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden, so die Volksbühne. Der Verein EOTO berichtet in seiner Erklärung von Anfeindungen: "Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media", heißt es dort.
Die Volksbühne bleibt trotz der Kritik bei ihrem Standpunkt: "Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten"», teilte Intendant Matthias Lilienthal mit. Auch die Zusammenarbeit mit dem Verein EOTO solle fortgesetzt werden. Allerdings habe der Schutz von Gästen, Partnern und Mitarbeitern oberste Priorität.
Dieser Artikel wurde aktualisiert und um Reaktionen der Parteien Die Linke und Bündnis 90 / Die Grünen nach der Absage der Veranstaltung ergänzt.