Sophie Hinners: Mit Frauen-Power zur WM-Medaille?

Ihr Ziel fĂŒr die Reitsport-Weltmeisterschaften in Aachen formuliert Sophie Hinners selbstbewusst und klar: "Ich möchte eine Medaille gewinnen."
Die Springreiterin ist Teil der deutschen Equipe und gehört damit im Teamwettbewerb automatisch zum Kandidatenkreis auf die vorderen PlÀtze, aber auch in der Einzelkonkurrenz muss sie sich nicht verstecken - immerhin zÀhlt sie seit einiger Zeit zur Weltspitze in ihrem Sport.
Rasante Entwicklung Richtung Top-Niveau
Als die Deutsche Welle (DW) vor fĂŒnf Jahren zuletzt mit Hinners sprach, war die Reiterin gerade deutsche Meisterin geworden. Als vielversprechende Nachwuchshoffnung war sie damals erst auf dem Weg in die Weltspitze und erstmals beim CHIO in Aachen dabei.
Seitdem hat sich viel verĂ€ndert: Hinners hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren den deutlichsten Leistungssprung im deutschen Springsport gemacht und sich endgĂŒltig auf dem höchsten, dem sogenannten FĂŒnf-Sterne-Niveau etabliert.
Sie gewann 2024 als erste Frau den Weltcup-Grand-Prix von Verona und holte 2025 mit der deutschen Mannschaft die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft. Auch in der Weltrangliste ging es deutlich nach oben. Seit Monaten rangiert sie konstant unter den Top-25 und belegte vor der WM den 23. Rang.
Push durch Iron Dames Projekt
Neben ihrem groĂen Talent und dem Ehrgeiz, jede PrĂŒfung möglichst gut zu absolvieren, hat auch Hinners' Aufnahme in das "Iron Dames Projekt" bei ihrer Entwicklung in den vergangenen Jahren eine groĂe Rolle gespielt.
Mit dem Projekt fördert die Schweizer Unternehmerin Deborah Mayer seit 2018 talentierte Frauen. ZunĂ€chst nur im Motorsport, seit 2023 auch im Springreiten - beides Sportarten, in denen Frauen und MĂ€nner nicht getrennt sondern gegeneinander antreten. Ausgesuchte Reiterinnen wie Sophie Hinners bekommen erstklassige Pferde, finanzielle UnterstĂŒtzung und ein professionelles Teamumfeld zur VerfĂŒgung gestellt.
"Dass ich jetzt so schnell hier mitreiten darf, oder auch was ich die letzten zwei bis drei Jahre erleben durfte, hĂ€tte ich mir eigentlich gar nicht ertrĂ€umen können", sagt Hinners im GesprĂ€ch mit der DW. "Von daher bin ich unheimlich dankbar, dass sie mich so unterstĂŒtzt, mir immer den RĂŒcken freihĂ€lt, mir oder unserem Team total vertraut und mir diese Möglichkeiten gibt."
Intention: Frauen im Sport unterstĂŒtzen
Mit My Prins, Combella und Singclair hat Hinners drei Top-Pferde aus dem Besitz Mayers in ihrem Stall und reitet mit ihnen auf internationalen Turnieren des höchsten Niveaus. Bei der WM in Aachen sitzt sie im Sattel von Singclair, einem elfjÀhrigen Wallach. Hinners selbst beschreibt ihn als "witziges Pferd", das eher klein sei und daher oft unterschÀtzt werde, aber eine ungeheure Kampf- und Sprungkraft besitze.
Beide körperlich nicht die GröĂten im Feld, aber dennoch Teil der Weltspitze: Sophie Hinners und Pferd SingclairBild: Uwe Anspach/dpa/picture alliance
Eine konkrete Vertragslaufzeit oder genaue Absprachen zwischen Reiterin und Pferdebesitzerin, welche sportlichen Erfolge Hinners erreichen muss, gibt es dabei nicht. "Ihre Intention ist einfach, uns Frauen im Sport sehr zu unterstĂŒtzen, uns eine Chance zu geben", erklĂ€rt Hinners.
"Und natĂŒrlich ist es auch ihre Leidenschaft. Es heiĂt ja nicht, dass immer fĂŒr alle irgendetwas rausspringen muss. Die Pferde sind ihre Leidenschaft und ihr Gedanke, uns Frauen zu unterstĂŒtzen. Und das schĂ€tze ich einfach sehr an ihr."
Unterschiedliche Auffassungen von Horsemanship
Allerdings lÀuft die Beziehung zwischen Iron-Dames-Initiatorin und Reiterin nicht immer so harmonisch ab, wie bei Sophie Hinners. Mit Janne-Friederike Meyer-Zimmermann stieg im Juni eine andere deutsche Springreiterin aus dem Projekt aus.
Nach Meyer-Zimmermanns Darstellung war der entscheidende Streitpunkt offenbar, dass die Reiterin mit einem ihr zur VerfĂŒgung gestellten Pferd auf einem Turnier hĂ€tte reiten sollen, obwohl der Tierarzt nur leichte Belastung und Schonung empfohlen hatte.
"Pferde sind keine Rennwagen", schrieb Meyer-Zimmermann in einem Instagram-Post, in dem sie die Trennung bekanntgab. Zwar sei sie nach wie vor ein Fan des Projekts und der Förderung von Frauen in einem von MÀnnern dominierten Sport, aber: "Meine Philosophie und Vorstellung von Horsemanship ist eine andere."
Gerne hÀtte die DW auch Deborah Mayer persönlich Fragen zu ihrem Projekt und Teammitglied Sophie Hinners gestellt, eine entsprechende Interviewanfrage blieb jedoch unbeantwortet.
Investorin Deborah Mayer (r.) verdiente ihr Geld im Finanzsektor und war frĂŒher selbst als Rennfahrerin aktivBild: Julien Delfosse/DPPI media/picture alliance
"Iron Dames steht fĂŒr die Ăberzeugung, dass Exzellenz unabhĂ€ngig vom Geschlecht ist. Wir wollen TĂŒren öffnen, neue Wege aufzeigen und Menschen dazu inspirieren, ihren TrĂ€umen zu folgen und sie Wirklichkeit werden zu lassen", wird Mayer auf der Homepage des Iron Dames Projekts zitiert.
Lob vom Bundestrainer
Auf gutem Weg, ihre TrĂ€ume weiterhin zu verwirklichen ist Hinners. Von ihren guten Leistungen profitiert auch die deutsche Equipe bei der WM in Aachen - schlieĂlich flieĂen die Einzelergebnisse der ersten drei von insgesamt fĂŒnf PrĂŒfungen direkt in das Mannschaftsergebnis ein. Hinners ist neben Richard Vogel, Marcus Ehning und Daniel DeuĂer die einzige Frau im Team.
"Sie war im vergangenen Jahr im Weltcup-Finale Sechste, war im Europameisterschaftsteam dabei, hat eine Medaille gewonnen und ist die letzten Jahre immer auf Topniveau geritten. Sie hat viele Nationenpreise bestritten, meistens sogar mit zwei Null-Runden. Das waren natĂŒrlich perfekte Entwicklungsschritte fĂŒr sie", sagt Otto Becker ĂŒber Hinners im Interview mit der DW.
Bundestrainer Otto Becker (2.v.r.) schÀtzt Sophie Hinners (2.v.l.) als verlÀssliche LeistungstrÀgerin und setzt auch bei der WM auf sieBild: Stefan Lafrentz/IMAGO
Der Bundestrainer der Springreiter lobt gleichzeitig das Engagement des Iron Dames Projekts, zu dem neben Hinners mit Katrin Eckermann und Jörne Sprehe aktuell zwei weitere deutsche Springreiterinnen gehören. "Ich hatte gerade in den letzten Jahren auch durch das Projekt viele Damen in meinen Mannschaften, weil sie einfach gut waren, gut beritten waren [gute Pferde zur VerfĂŒgung hatten, Anm.d.Red.] und Leistungen gebracht haben."
Vorbild sein fĂŒr andere MĂ€dchen und Frauen
FĂŒr Hinners gehen die Initiative und die Ziele der Iron Dames allerdings weit ĂŒber die Heim-Weltmeisterschaft hinaus.
Sie erhofft sich eine generelle Entwicklung im Springsport, denn obwohl in der Jugend und in den unteren Klassen sehr viele MÀdchen und junge Frauen aktiv reiten, sind Frauen im Spitzen-Springreiten nach wie vor eher unterreprÀsentiert.
"Wir sehen deutlich mehr MÀnner, von daher ist das ein sehr guter Push, um andere zu motivieren, voranzutreiben und zu inspirieren", sagt Sophie Hinners. "Und ich denke, es ist einfach auch ein gutes Ausrufezeichen, um zu zeigen: Wir können das genauso gut wie die MÀnner."