Syrien: Ex-Diktator Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt

Das Urteil des Vierten Strafgerichts in Syriens Hauptstadt Damaskus ist live im Staatsfernsehen verlesen worden. Die Richter verhängten gegen den im Dezember 2024 gestürzten Präsidenten Baschar al-Assad in Abwesenheit die Todesstrafe. Ihm wurden vorsätzlicher Mord, Folter, willkürliche Inhaftierung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.
Assad war nach seiner Entmachtung mit seiner Familie nach Russland geflohen. Die dortige Staatsführung unter Präsident Wladimir Putin hat ihn bislang nicht an Syrien ausgeliefert. Berichten zufolge soll sich Assads jüngerer und als brutaler "Schlächter" bekannter Bruder Mahir ebenfalls nach Moskau abgesetzt haben.
"Der Schlächter": Mahir al-Assad (undatiertes Foto) Bild: Balkis Press/ABACA/picture alliance
Auch Mahir al-Assad und weitere Vertreter der gestürzten Regierung wurden in Abendwesenheit zum Tode verurteilt. Sie wurden des vorsätzlichen und geplanten Mordes sowie der Folter mit Todesfolge beschuldigt.
Todesstrafe für Sicherheitschef Nadschib
Zum Tode verurteilte das Gericht ferner den früheren hochrangigen Sicherheitsverantwortlichen Atef Nadschib. Er ist Assads Cousin mütterlicherseits. Nadschib wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen, die er nach Überzeugung der Richter als Leiter der Sicherheitsbehörden in der syrischen Provinz Daraa begangen hatte.
Jubel in Damaskus nach dem Todesurteil gegen Atef NadschibBild: Ghaith Alsayed/AP Photo/dpa/picture alliance
Unter anderem wurden Nadschib systematischer Massenmord, die vorsätzliche Tötung von Kindern unter 15 Jahren und Folter mit Todesfolge zur Last gelegt.
Proteste begannen in Daraa
In der Provinz Daraa hatte im Jahr 2011 der zunächst friedliche Aufstand gegen die Assad-Regierung begonnen. Jugendliche sprühten regierungskritische Graffiti an die Wände ihrer Schule. Sie wurden festgenommen und gefoltert. Der Fall war Auslöser von Massenprotesten gegen das repressive Vorgehen von Assads Sicherheitskräften. Es folgte ein fast 14 Jahre anhaltender Bürgerkrieg.
Atef Nadschib war im Januar 2025, wenige Wochen nach dem Sturz der Assad-Führung, in der syrischen Hafenstadt Latakia festgenommen worden. Der ehemalige Brigadegeneral der Armee ist eine der wenigen Schlüsselfiguren des früheren Regimes, die noch in Syrien sind. Die Urteile gegen Assad und Mitglieder seines engsten Umfelds sind die ersten nach dem Ende seiner Herrschaft.
Jubel vor dem Gerichtsgebäude
Vor dem Justizpalast in Damaskus versammelten sich zur Urteilsverkündung zahlreiche Menschen. Nach den Todesurteilen brach Jubel aus.
Einige Syrer hielten Bilder von Personen hoch, deren Tod Nadschib vorgeworfen wird. Auch in Daraa gab es nach Angaben von Augenzeugen Freudenbekundungen.
Syrien: Fotoarchiv offenbart Grausamkeit des Assad-Regimes
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Während des Bürgerkriegs in Syrien wurden zwischen 2011 und 2024 mehr als eine halbe Million Menschen getötet. Mit den Prozessen will die Übergangsregierung unter dem früheren Milizenchef und jetzigen Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa Teile der Vergangenheit aufarbeiten. Al-Scharaas islamistische HTS-Miliz war im Dezember 2024 federführend an Assads Sturz beteiligt.
Die neuen Machthaber in Syrien forderten Russland dazu auf, die Assad-Brüder auszuliefern.
se/AR (dpa, afp, rtr, ap)
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