Tigermücke in Deutschland: Wie gefährlich ist ihr Stich?

Wo gibt es die Tigermücke in Deutschland?
In Deutschland und in 15 anderen europäischen Ländern hat sich die Tigermücke schon in verschiedenen Regionen fest angesiedelt. In Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland sind Tigermücken so weit verbreitet, dass sie wahrscheinlich nicht mehr vollständig entfernt werden können.
In Deutschland sind vor allem der Süden, Südwesten und teilweise der Westen von der Tigermücke betroffen. Aber auch in Berlin und Thüringen wurden schon Tigermücken gefunden. Das Friedrich-Löffler-Institut hat zusammengetragen, wo sich die Tigermücke angesiedelt hat:
Noch gibt es auf der Karte viele graue Bereiche, und etablierte Populationen scheint es vor allem in Städten zu geben. Das kann zwei Gründe haben: Zum einen, dass hier besonders viele Reisende Mücken mitgebracht haben.
Zum anderen, dass die Karte auf Sichtungen und Stichproben basiert – und die Mücke in diesen Regionen einfach schon aufgefallen ist.
Wieso gibt es Tigermücken in Deutschland?
Die Tigermücke stammt ursprünglich aus Südostasien. Die Tiere haben sich jedoch seit den Neunziger Jahren in großen Teilen Europas entlang des Mittelmeers angesiedelt. Mittlerweile werden Asiatische Tigermücken immer weiter nördlich gesichtet – immer häufiger auch in Deutschland.
Es gibt mehrere Gründe, weshalb die eigentlich tropische Mücke mittlerweile auch in Deutschland vorkommt. Über den internationalen Handelsverkehr gelangen Waren aus aller Welt nach Deutschland.
Manchmal verstecken sich hier ein paar Tiere oder die Mücken haben in den Waren ihre Eier abgelegt. Besonders häufig passiert das in gebrauchten Autoreifen, in denen sich Wasserreste gesammelt haben. Auch Reisende bringen im Gepäck oder Auto manchmal einzelne Mücken mit.
Ein warmes Klima ist Voraussetzung für die Tigermücke
Damit sich Tigermücken dauerhaft in einer Region niederlassen und als neue Tierspezies etablieren können, ist vor allem ein passendes Klima entscheidend. Die Larven schlüpfen nur bei passenden Witterungsbedingungen, wenn es etwa ausreichend warm ist. Jedoch haben sich die Tigermücken, die sich bei uns in Europa etabliert haben, genetisch angepasst.
Sie sind kälteresistenter als ihre tropischen Verwandten. Nach dem Winter 2014 wurde erstmals beobachtet, dass die Tiere hierzulande überwintert haben – und bei einer Ausnahme ist es seitdem nicht geblieben. Forschende konnten sogar zeigen, dass die Eier Temperaturen bis minus 10 Grad aushalten.
Der Klimawandel begünstigt die Entwicklung der Tigermücke
In sehr kalten Wintern können die Eier Schaden nehmen. Das verringert die Anzahl an Tieren, die im Frühjahr und Sommer beginnen, uns zu piksen und sich zu vermehren. Aber durch den Klimawandel sind die durchschnittlichen Temperaturen in Deutschland gestiegen. Das bedeutet:
Immer mehr Larven überleben.
Die Insekten entwickeln sich schneller zu Mücken.
Die Larven schlüpfen früher.
Eine massenhafte Vermehrung ist wahrscheinlicher.
Auch Hochwasser und Niederschläge beeinflussen, ob sich so etwas wie eine Mückenplage entwickelt. Denn wenn neue Wasserreservoirs entstehen, können tropische Mückenarten dort leben und brüten.
Wie erkenne ich eine Tigermücke?
Die Tigermücke hat ihren Namen von ihrem Aussehen. Sie ist schwarz-weiß gemustert, während die heimischen Mücken eher bräunlich sind.
Die gemeine Hausmücke hat eine bräunliche Färbung.
Die Tigermücke hat eine schwarz-weiße Musterung, auch an den Beinen.
Es gibt aber auch weitere schwarz-weiße Mücken, bei denen es sich zwar um exotische Mücken handelt, nicht aber die Tigermücke. Dazu zählt beispielsweise die Buschmücke. Sie ist allerdings deutlich größer. Eine Tigermücke ist so klein, dass sie locker auf eine 1-Cent-Münze passt.
Die asiatische Buschmücke hat eine ähnliche schwarz-weiße Musterung wie die Tigermücke, ist allerdings deutlich größer.
Neben dem Aussehen helfen folgende Hinweise beim Auseinanderhalten der Mücken:
Tageszeit: Die bisher heimischen Mücken sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv. Das heißt, sie verlassen zum Sonnenuntergang hin ihre Verstecke und suchen uns bis in die frühen Morgenstunden heim. Die Tigermücke hingegen ist tagaktiv und sticht besonders am Morgen und (späteren) Nachmittag.
Stich: Manche Menschen empfinden den Stich einer Tigermücke als schmerzhafter als der einer heimischen Mücke. Das ist allerdings nicht belegt. Möglicherweise reagiert das Immunsystem der Betroffenen stärker. Es könnte auch sein, dass es sich nur so anfühlt, als würden die Stiche mehr wehtun, weil die Tigermücke meist nicht nur einmal zusticht, sondern auch mehrmals an derselben Stelle.
Ort: Die Asiatische Tigermücke ist nicht in allen Regionen Deutschlands etabliert, sondern beschränkt sich aktuell vor allem auf den Südwesten und Südosten Deutschlands und einige einzelne Regionen in NRW, Berlin und Thüringen.
Was passiert nach einem Tigermückenstich?
Wie sieht ein Stich der Tigermücke aus?
Bei einem Mückenstich injiziert die Mücke einen bestimmten Gerinnungshemmer. So kann sie das Blut saugen. Unser Körper und unser Immunsystem reagieren darauf mit einer Abwehrreaktion: Histamin wird ausgeschüttet und es kommt zu einer Entzündung. Der Stich wird rot, schwillt an und juckt. Er unterscheidet sich äußerlich meist nicht von anderen Mückenstichen.
Was tun nach einem Stich der Tigermücke?
Es gibt keine Möglichkeit, direkt am Stich zu erkennen, ob dabei gefährliche Viren in unser Blut übergegangen sind. Erst später zeigen sich gegebenenfalls Symptome einer Infektionskrankheit. Wer nach einem Mückenstich bestimmte Symptome wie Fieber und Gelenkschmerzen bekommt, sollte zum Arzt/zur Ärztin gehen.
Warum gilt die Tigermücke als gefährlich?
Über alle Mückenarten verbreiten sich bestimmte Viren. Viele davon kennen wir nur von Fernreisen, aber sie können auch hier übertragen werden. Auch die Buschmücke überträgt für uns seltene und gefährliche Infektionskrankheiten und kommt mittlerweile in Deutschland vor.
Die Tigermücke überträgt allerdings noch weitaus mehr Krankheitserreger: Laborstudien lassen vermuten, dass sie mehr als 20 verschiedene Viren verbreiten kann – darunter Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren. Tropische Infektionskrankheiten können schwer verlaufen.
Viele Schritte bis zur Virusübertragung
Eine Person bekommt aber nicht direkt eine Tropenkrankheit, wenn sie von einer Tigermücke gestochen wird. Damit eine Tigermücke eine Tropenkrankheit tatsächlich übertragen kann, müssen viele Bedingungen zusammenkommen:
Zunächst einmal zirkulieren die Viren bei uns nicht. Damit eine Tigermücke eine Erkrankung wie Chikungunya, Dengue oder Zika bei uns übertragen kann, muss sie zunächst einen Reiserückkehrer stechen, der mit einer dieser Krankheiten zurück nach Deutschland kommt.
Selbst dann lässt sich eine Tigermücke nicht mit einer Spritze vergleichen, die herumfliegt und andere Personen infiziert. Stattdessen muss das Virus zunächst die Darmwand der Mücke passieren, was nicht alle Viren schaffen.
Anschließend müssen sich die Viren in den Zellen der Mücke ausreichend vermehren. Auch das funktioniert nur, wenn Zeitpunkt, Temperatur und Luftfeuchtigkeit passen.
Danach müssen die Viren in die Speicheldrüsen der Mücken einwandern. Erst dann kann sie die nächste Person infizieren, die sie sticht.
Wie groß ist das Risiko in Deutschland?
Alle Fälle aus Deutschland sind bislang noch auf Auslandsreisen zurückzuführen. Trotzdem ist es in den Regionen, in denen die Tigermücke bereits etabliert ist, wahrscheinlich, dass es in naher Zukunft zu direkten Übertragungen kommen wird – das heißt, dass Infizierte nach einer Reise gestochen werden und sich die Krankheit danach auch hierzulande weiterverbreitet.
In Frankreich, Italien und Kroatien ist das bereits geschehen. Expertinnen und Experten gehen jedoch davon aus, dass es bei uns in Deutschland bei Einzelfällen bleibt. Wenn sich die Tigermücke bei uns weiter ausbreitet, sind in Zukunft auch kleinere bis mittlere Ausbrüche mit mehreren hundert Infizierten möglich.
Größere Ausbrüche sind aber unwahrscheinlich. Das Risiko für jeden Einzelnen, sich in Deutschland mit einer Tropenkrankheit anzustecken, ist daher gering.
Wie schütze ich mich vor der Tigermücke?
Es gibt viele verschiedene Maßnahmen, mit denen man sich vor Mückenstichen schützen kann. In der Regel sind bestimmte Anti-Mückensprays besonders wirkungsvoll. Wirkstoffe wie
DEET,
Picaridin oder
das Öl von Zitronen-Eukalyptus
zeigen einen Effekt gegenüber allen Mückenarten und somit auch der Asiatischen Tigermücke.
Die Wirkung von Mückenschutzmitteln wird wissenschaftlich getestet. Dafür lassen Freiwillige sich mit unterschiedlichen Mitteln einsprühen und stecken dann ihre Arme in einen Kasten voller Mücken.
Welches Mückenspray hilft gegen die Tigermücke?
Sowohl DEET als auch Icaridin sind chemisch-synthetische Wirkstoffe. DEET kann zu Hautreaktionen führen und die Schleimhäute reizen. Man sollte unbedingt die Gebrauchsanweisung lesen und es bedacht einsetzen. Für Kinder oder Schwangere kommt es nicht infrage.
Der Wirkstoff Icaridin gilt als besser verträglich, seine Wirkung hält aber nicht so lange an wie bei DEET. Zitronen-Eukalyptus-Öl, auch Citronella-Öl, ist eine natürliche Alternative, die ebenfalls gegen Mückenstiche schützen kann, aber nicht so effektiv wie DEET und Icaridin.
In Zitronen-Eukalyptus-Extrakt ist sogenanntes PMD enthalten, das meist synthetisch hergestellt wird. Dieser Wirkstoff wird empfohlen, wenn Menschen allergisch auf andere Insektenabwehrmittel reagieren.
Kleidung als Abwehrmethode mitdenken
Studien zeigen, dass helle Kleidung weniger heimische oder invasive Mücken anzieht. Positiver Nebeneffekt: Auf heller Kleidung fallen die Tiere besser auf.
Außerdem hilft lange Kleidung, Stiche zu verhindern. Je dicker der Stoff, je lockerer die Kleidung getragen wird, desto seltener schafft es der lange Rüssel der Tiere dadurch.
Impfen oder nicht?
Es gibt Impfungen gegen Denguefieber und Chikungunyafieber. Über solche Impfungen sollte man sich beraten lassen, wenn man in ein Gebiet reisen möchte, in dem Tigermücken das ganze Jahr leben.
Da die Tigermücke hier in Deutschland aber noch nicht überall heimisch ist und die Mücken in Deutschland in der Regel keine solchen Krankheitserreger aufnehmen, wenn sie Blut saugen, ist keine Impfung nötig.
Wichtig ist, dass sich Reisende, die in einem Risikogebiet unterwegs waren, auch noch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zwei Wochen lang gegen Mückenstiche schützen. So wird verhindert, dass bei uns etablierte Tigermücken Viren aus dem Blut der Reiserückkehrer aufnehmen und auf andere Menschen übertragen.
Wie lässt sich die Tigermücke stoppen?
Offizielle Maßnahmen setzen vor allem auf drei Bereiche: Überwachung, Bekämpfung und Vorbeugung.
1. Überwachen:
Frühzeitiges Erkennen ist entscheidend. Deshalb betreiben Behörden und Forschungseinrichtungen ein stichpunktartiges Monitoring der Tigermücke – mit Ei-Fallen (Ovitraps) und Mückenfallen. Auch Bürgerinnen und Bürger sollten über Projekte wie den Mückenatlas Funde melden und so zur Kartierung beitragen.
Dabei geht es nicht nur um die Asiatische Tigermücke. In Deutschland sind bislang fünf exotische Stechmückenarten aufgetreten, darunter die Asiatische Buschmücke, die in Zukunft auch das West-Nil-Virus verbreiten könnte. Deshalb ist es wichtig, dass Forschungsprojekte möglichst viel über alle Stechmücken und ihr Vorkommen erfahren.
2. Bekämpfen:
Zur Eindämmung werden vor allem biologische Mittel eingesetzt – etwa das Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (BTI), das gezielt Mückenlarven in stehenden Gewässern abtötet. Für andere Tiere und Menschen ist es ungefährlich.
In stark betroffenen Gebieten kommen auch chemische Insektizide zum Einsatz, allerdings mit hohen Umweltauflagen. Als neue Methode testen einige Länder die Sterile-Insekten-Technik (SIT): Dabei werden sterile Männchen freigesetzt, um die Vermehrung zu stoppen. Erste Modellprojekte laufen auch in Südeuropa.
3. Vorbeugen:
Tigermücken legen ihre Eier in kleinste Wasseransammlungen wie Blumentöpfe, Gartendeko oder Gießkannen. Jeder Gegenstand draußen kann zu einer Mini-Brutstätte werden. Deshalb sollten Privatpersonen helfen, indem sie Regentonnen, Gießkannen oder Blumentopfuntersetzer regelmäßig entleeren oder abdecken.
Wassertränken für Vögel oder Eichhörnchen sollten einmal in der Woche erneuert werden. Im Ausland sind Aufklärungskampagnen bereits Alltag, teils auch schon strikte Verordnungen oder Bußgelder. Wichtig ist, dass alle diese Maßnahmen europaweit geplant und durchgeführt werden.
Allein können Länder das Problem eindämmen, aber mit weitaus weniger Erfolg. Auf Dauer wird es umso wichtiger, einen festen Handlungsrahmen zu schaffen: für kleine Gegenden bis hin zu einer weltweiten Strategie. Einen bundesweiten Aktionsplan für Deutschland gibt es bisher nicht.
Viele Kommunen und Länder orientieren sich jedoch an internationalen Empfehlungen – etwa von der Weltgesundheitsorganisation WHO oder dem Europäischen Zentrum für Krankheitsprävention (ECDC).