Tote bei Bombenanschlag auf Moskauer Edelrestaurant

Bei einem Bombenanschlag auf ein Edelrestaurant im Zentrum Moskaus sind mindestens drei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Der Moskauer BĂŒrgermeister Sergej Sobjanin bezeichnete die Tat in dem beliebten Ausgehviertel als "brutalen Terrorakt". Zu den möglichen TĂ€tern und HintergrĂŒnden machten die russischen Behörden zunĂ€chst keine Angaben.
Mehrere NachrichtenkanĂ€le im Onlinedienst Telegram berichteten spĂ€ter, die Zahl der Todesopfer sei auf fĂŒnf gestiegen. Eine offizielle BestĂ€tigung dafĂŒr gab es zunĂ€chst jedoch nicht. Das Nationale Antiterror-Komitee sprach weiterhin von drei Toten und teilte mit, die notwendigen Ermittlungen zu der Explosion liefen.
Das Edel-Restaurant befindet sich auf dem Kudrinskaja-Platz in MoskauBild: Sergei Vedyashkin/Moscow News Agency/AP Photo/dpa/picture alliance
Die Schuldigen wĂŒrden gefunden und bestraft, schrieb Sobjanin auf Telegram. Zugleich sprach er den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.
Sprengsatz detoniert bei Sicherheitskontrolle
Die Explosion ereignete sich am Samstagabend gegen 20.00 Uhr Ortszeit am Kudrinskaja-Platz nahe dem Moskauer Zoo. Betroffen war das Restaurant "Balzi Rossi", das wegen einer geschlossenen Veranstaltung fĂŒr die Ăffentlichkeit nur eingeschrĂ€nkt zugĂ€nglich war.
Nach Angaben des Antiterror-Komitees versuchte eine Frau, das Restaurant mit einem selbstgebauten Sprengsatz zu betreten. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hielt sie am Eingang auf. Kurz darauf detonierte die Bombe. Die Frau, der Sicherheitsmitarbeiter und ein Gast des Restaurants wurden getötet.
Ein Polizist sichert den Explosionsort in der Moskauer InnenstadtBild: Pavel Bednyakov/AP Photo
Im Internet verbreitete Videos zeigten zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge und Krankenwagen vor dem abgesperrten Tatort. Die staatliche Nachrichtenagentur RIA veröffentlichte zudem Aufnahmen schwer bewaffneter SicherheitskrĂ€fte. Unmittelbar nach der Explosion hatten staatliche Medien zunĂ€chst noch ĂŒber eine möglicherweise detonierte Gasflasche spekuliert.
Bombe offenbar mit Metallkugeln gefĂŒllt
Die russische Tageszeitung "Kommersant" berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, die Bombe sei mit Metallkugeln gefĂŒllt und darauf ausgelegt gewesen, möglichst viele Menschen zu töten oder schwer zu verletzen. Ziel der Attacke seien demnach die GĂ€ste einer privaten Veranstaltung in dem Restaurant beziehungsweise auf dessen Sommerterrasse gewesen.
Der Sprengsatz soll ferngesteuert gezĂŒndet worden sein, als die Frau vom Wachpersonal kontrolliert wurde. Nach Darstellung der Zeitung ist es möglich, dass sie selbst nichts von der Bombe wusste. Sie könnte das Paket demnach fĂŒr ein gewöhnliches Geschenk gehalten haben, das sie lediglich zustellen sollte.
Der mutmaĂliche Anschlag galt wohl einem hohen Mitglied des MilitĂ€rsBild: Natalia Kolesnikova/Anadolu/picture alliance
Die Behörden bestÀtigten diese Darstellung zunÀchst nicht. Auch die Namen der Getöteten und Verletzten wurden nicht bekannt gegeben.
Feier eines Generals möglicherweise Ziel des Anschlags
Russische MilitÀrblogger berichteten bei Telegram, in dem Restaurant habe ein ranghoher General seinen 55. Geburtstag gefeiert. Dabei fiel der Name Alexander Tschajko, der seit Mai Chef der russischen Luft- und RaumfahrtstreitkrÀfte sein soll. Er habe in dem Restaurant möglicherweise auch seine Beförderung gefeiert.
Unter den GĂ€sten sollen sich ranghohe Geheimdienstmitarbeiter, Beamte, Abgeordnete und GenerĂ€le befunden haben. Eine offizielle BestĂ€tigung dafĂŒr gab es zunĂ€chst nicht. Medien berichteten jedoch, dass wegen der Bedeutung der GĂ€ste zahlreiche Mitarbeiter des Föderalen Schutzdienstes (FSO) im Einsatz gewesen seien. Die Behörde ist unter anderem fĂŒr den Schutz des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zustĂ€ndig.
Viele HintergrĂŒnde des Anschlags blieben zunĂ€chst unklarBild: Natalia Kolesnikova/Anadolu/picture alliance
Tschajko war zuvor stellvertretender Generalstabschef. Im MĂ€rz wurde er nach Angaben des EuropĂ€ischen Rats wegen seiner Rolle beim Massaker im ukrainischen Butscha kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 mit Sanktionen belegt. Ob Tschajko tatsĂ€chlich in dem Restaurant war und ob die mutmaĂliche Feier das Ziel des Anschlags war, blieb zunĂ€chst ungeklĂ€rt.
Mehrere AnschlĂ€ge auf MilitĂ€rs und KriegsbefĂŒrworter
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 sind in Russland wiederholt ranghohe MilitĂ€rs und prominente UnterstĂŒtzer des Kriegs Ziel von AnschlĂ€gen geworden.
Im Februar dieses Jahres wurde der stellvertretende Chef des russischen MilitĂ€rgeheimdienstes, Wladimir Alexejew, bei einem Anschlag schwer verletzt. Im April 2025 kam Generalleutnant Jaroslaw Moskalik bei der Explosion einer Autobombe nahe Moskau ums Leben. Russland machte die Ukraine fĂŒr die Tat verantwortlich.
Im Dezember 2024 wurde Igor Kirillow, der Chef der russischen ABC-Abwehrtruppen, bei einem Bombenanschlag in Moskau getötet. Der ukrainische Geheimdienst bekannte sich zu der Tat und bezeichnete solche AnschlÀge als Teil des Abwehrkampfes gegen den russischen Angriffskrieg.
Bereits im August 2022 war die russische Nationalistin Darja Dugina bei der Explosion einer Autobombe ums Leben gekommen. Im April 2023 wurde der MilitÀrblogger Maxim Fomin, bekannt unter dem Namen Wladlen Tatarski, durch einen Sprengsatz in einem Café in St. Petersburg getötet.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wirft ukrainischen Geheimdiensten regelmĂ€Ăig vor, Menschen in Russland fĂŒr Terror- und Sabotageakte anzuwerben. Dutzende VerdĂ€chtige befinden sich deshalb nach russischen Angaben in Haft. Anfang des Jahres hatte der FSB angekĂŒndigt, den Schutz hochrangiger MilitĂ€rs zu verstĂ€rken.
pgr/gri (dpa, afp, rtr)