Trump setzt Kanada-Zölle fĂŒr drei Tage aus

Kurz vor dem geplanten Inkrafttreten neuer Strafzölle gegen Kanada hat US-PrĂ€sident Donald Trump die MaĂnahmen fĂŒr drei Tage ausgesetzt. Die Abgaben von 50 Prozent sollten eigentlich ab diesem Mittwoch gelten. Nach Verhandlungen bis unmittelbar vor Ablauf der Frist verkĂŒndete Trump jedoch eine vorlĂ€ufige Einigung.
Die Erhebung der ImportgebĂŒhren solle um drei Tage ausgesetzt werden, damit beide Seiten einen Deal fĂŒr das Ăl-Pipeline-Projekt Keystone XL abschlieĂen könnten, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Damit rĂŒckt auch die mögliche Wiederbelebung des seit Jahren stillgelegten und umstrittenen Pipeline-Projekts in den Mittelpunkt der GesprĂ€che.
Zölle in letzter Minute gestoppt
Die Zölle sollten um Mitternacht Washingtoner Zeit, also an diesem Mittwoch um 06:00 Uhr MESZ, in Kraft treten. Betroffen wÀren kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar gewesen, darunter Wein, HockeyschlÀger, Möbel, Milchprodukte und Zement.
Trump begrĂŒndete die Aussetzung "auf der Tatsache, dass Kanada und die USA - vorbehaltlich der Fertigstellung der Dokumente - eine Einigung erzielt haben!". Kanadas Premierminister Mark Carney blieb vorsichtiger: "Es wurden wesentliche Fortschritte erzielt, es ist aber auch noch wichtige Arbeit zu leisten".
Keystone XL wieder Thema
Mit Keystone XL ist ein Projekt in die GesprĂ€che zurĂŒckgekehrt, das seit Jahren als beerdigt galt. Die rund 1900 Kilometer lange Erweiterung sollte Ăl aus kanadischem Teersand zum Golf von Mexiko transportieren.
Ein Bild aus dem Jahr 2020 zeigt noch nicht verbaute Rohre der Pipeline Keystone XL in Kanada, nachdem das Projekt offiziell aufgegeben wurdeBild: Chris Machian/AP/picture alliance
UmweltschĂŒtzer warnten vor hohen Treibhausgasemissionen und möglichen Lecks. US-PrĂ€sident Barack Obama untersagte das Projekt aus UmweltgrĂŒnden. Trump erteilte 2017 wieder eine Genehmigung, die sein demokratischer Nachfolger Joe Biden 2021 zurĂŒcknahm. Im Juni desselben Jahres gaben Betreiber und die Regierung der kanadischen Provinz Alberta Keystone XL auf. Trump will das Projekt seit LĂ€ngerem wiederbeleben.
Verhandlungen bis zuletzt
Trump und Carney telefonierten am Dienstag miteinander. Es war bereits ihr zweites GesprĂ€ch innerhalb einer Woche. Zudem reiste eine kanadische Delegation fĂŒr letzte Verhandlungen nach Washington. Carney hatte am Montag erklĂ€rt, Kanada sei auf jedes Szenario vorbereitet und werde aus einer "Position der StĂ€rke" verhandeln.
Zugleich betonte er, Kanada wolle "eine stÀrkere, unabhÀngigere und wettbewerbsfÀhigere Wirtschaft im eigenen Land aufzubauen".
Nach Angaben des BĂŒros des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer umfasst die geplante Vereinbarung einen weitreichenden Marktzugang fĂŒr US-Waren in Kanada. Das WeiĂe Haus erklĂ€rte, Ottawa habe zugesagt, auf US-Bedenken bei Milchprodukten, Alkohol und Kraftfahrzeugen einzugehen. Kanada bestĂ€tigte diese Details zunĂ€chst nicht. Bestehende US-Autozölle waren Insidern zufolge ein zentraler Streitpunkt.
Streit um das Freihandelsabkommen
Brisant ist die Zollrunde auch deshalb, weil erstmals Waren betroffen gewesen wĂ€ren, die bislang durch das nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko geschĂŒtzt sind.
US-PrĂ€sident Donald Trump (l.), Mexikos PrĂ€sidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premier Mark Carney bei der Auslosung zur gemeinsamen FuĂball-Weltmeisterschaft im Dezember 2025Bild: Octavio GuzmĂĄn/Agencia EFE/IMAGO
Carney hatte die neuen US-Zölle bei ihrer AnkĂŒndigung im Juli als "direkten VerstoĂ" gegen das nordamerikanische Freihandelsabkommen angeprangert und versichert, Kanada werde "gleichwertige MaĂnahmen ergreifen". Zugleich setzte Ottawa weiter auf eine Einigung.
Das Abkommen war in Trumps erster Amtszeit neu ausgehandelt worden. Die USA verweigern bislang eine VerlÀngerung um 16 Jahre. Ohne aktiven Austritt eines Mitglieds gilt es aber weiter und verlÀngert sich jÀhrlich.
Washington kritisiert Kanada
Die US-Regierung begrĂŒndete die Zölle mit kanadischen Handelsbarrieren. Laut WeiĂem Haus reagieren die USA "auf Kanadas diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte". Genannt wurden Autos, Alkohol und Milchprodukte.
Die Beziehungen zwischen beiden LĂ€ndern haben sich seit Trumps erneutem Amtsantritt verschlechtert. Kanada reagierte auf frĂŒhere US-Zölle unter anderem damit, US-Alkohol aus Regalen zu entfernen und zum Kauf heimischer Produkte aufzurufen. ZusĂ€tzlich belastet Trumps wiederholte Idee, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen, das VerhĂ€ltnis.
pgr/pg (dpa, afp, rtr)