Umfrage von Aktion Mensch: Menschen mit Behinderung fühlen sich oft diskriminiert

Sehr viele behinderte Menschen erleben Diskriminierung im Alltag, trauen sich aber nicht, sich zu beschweren. Viele glauben auch, dass es nichts bringt.
Die Konsequenzen von Diskriminierung beeinflussen die gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen
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Jessica Lichetzki/dpa
kna | Sechs von zehn Menschen mit Behinderung in Deutschland haben in den vergangenen fünf Jahren im Alltag Diskriminierung erlebt. Damit liegt der Anteil etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung, wie der Verein Aktion Mensch am Dienstag aus einer Online-Umfrage unter fast 600 behinderten Menschen zitierte.
„So verwundert nicht, dass 76 Prozent der Meinung sind: In Deutschland wird nicht genug gegen Diskriminierung getan“, folgerte die Sozialorganisation in ihrer Mitteilung. Für mehr als ein Viertel der befragten Menschen mit Behinderung ist Diskriminierung ein ständiges Problem. Der Umfrage zufolge begegnen Barrieren ihnen am häufigsten im öffentlichen Raum (68 Prozent), bei der Arbeit (59 Prozent) oder im Kontakt mit Behörden und Ämtern (57 Prozent).
„In durchweg allen Lebensbereichen machen Menschen mit Behinderung deutlich mehr diskriminierende Erfahrungen als die Allgemeinbevölkerung“, berichtete die Sprecherin der Aktion Mensch, Christina Marx. Diese reichten von abwertenden Gesten über herabwürdigende Kommentare bis hin zu fehlender Barrierefreiheit.
Ein Drittel der Betroffenen zweifelt an seinem Wert
Die Konsequenzen von Diskriminierung beeinflussen die gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen: So vermeiden 44 Prozent nach einer erlebten Diskriminierung ähnliche Situationen. Weitere 23 Prozent besuchen ausschließlich Orte, an denen sie keine Ungleichbehandlung erwarten. Und ein Drittel hat die Erfahrungen sogar internalisiert – sie zweifeln nach entsprechenden Vorfällen an ihrem eigenen Wert und kämpfen mit dem Gefühl, nicht zu genügen.
Oft sei auch das Vertrauen in Schutzmechanismen erschüttert, so Marx. „Viele Menschen mit Behinderung fühlen sich nicht sicher genug in der Gesellschaft verankert, um offiziell Beschwerde einzureichen – sie befürchten, dadurch noch mehr Probleme zu bekommen. Oder sie glauben schlicht nicht daran, dass es etwas nützt.“ Bestehende Melde- und Beratungsstellen müssten mehr für ihre Bekanntheit tun. Denn 37 Prozent der Betroffenen wüssten nicht, an wen sie sich wenden können.
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