Unwahrscheinliche Forschung

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Stand: 11.09.2026, 15:58 Uhr
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Zuschauende werfen während der 36. Verleihung der jährlichen Ig-Nobelpreise im Zürich Convention Center Papierflieger. © Claudio Thoma
Erst lacht man ĂĽber unedle Wissenschaft, dann denkt man darĂĽber nach.
Am 3. September 2026 wurden in Zürich, und nicht wie sonst an der Uni Harvard (das politische Klima in den USA galt als zu schlecht), die Ig-Nobelpreise verliehen. Der Name ist ein englisches Wortspiel, bedeutet „ignoble“ („unedel“). Es geht aber keinesfalls um Forschung zweiter Klasse, sondern um seriöse Wissenschaft, über deren Ergebnisse erst gelacht wird, bevor sie zum Nachdenken anregen. Das ist den Preisverleihern von „Unwahrscheinliche Forschung“ (improbable research) wichtig.
Die Preisverleihung beinhaltet skurrile Traditionen. Das Publikum wirft selbst gemachte Papierflieger, Wissenschaftler:innen und Opernsänger:innen geben gemeinsame Musikdarbietungen und führende Denker präsentieren in „24/7-Vorträgen“ ihr Thema jeweils zweimal – zuerst in 24 Sekunden und dann, leicht verständlich, in nur sieben Wörtern.
Dieses Jahr wurden folgende Preisträgerteams in 10 Kategorien ausgezeichnet. Dabei wurden fast alle Arbeiten bereits in hochkarätigen Fachzeitschriften publiziert.
Biomechanik: Matilda Brindle & Team für die Ausarbeitung der Definition und Untersuchung zu Küssen als „nicht-agonistische Interaktionen, die einen gezielten, intraspezifischen, oralen Kontakt mit einer gewissen Bewegung der Lippen bzw. Mundwerkzeuge und ohne Nahrungsübertragung beinhalten“ – bei Ameisen, Vögeln, Eisbären und Menschen.
Wirtschaft: Paul Piff & Team dafĂĽr, dass sie Beweise gesammelt haben, dass Menschen aus der Oberschicht eher dazu neigen, SĂĽĂźigkeiten von Kindern zu klauen und sich auch sonst unethisch zu verhalten.
Chemie: Sanchari Banerjee & Team für die Entdeckung, dass Milchproteine von lebendgebärenden Kakerlaken dreimal so viel Energie enthalten wie Milchproteine von Kühen.
Medizin: Tokuji Unno für seine Studie „Wie man sich die Nase putzt – Eine aerodynamische Untersuchung“.
Biologie: João Miguel Alves-Nunes & Team dafür, dass sie wiederholt – bei unterschiedlichen Temperaturen und zu verschiedenen Tageszeiten – behutsam auf verschiedene Körperteile diverser Giftschlangen getreten sind, um herauszufinden, was die Tiere dazu veranlasst, einen Menschen zu beißen, und was nicht.
Physik: Randy Hurd & Team für theoretische und experimentelle Ansätze zur Entwicklung eines spritzfreien Urinals.
Technologie: Justin Puma & Team für ihre Pionierarbeit bei der Nutzung von Mückenrüsseln als hochauflösende 3D-Druckdüsen.
Geruch: Ilona Croy & Team, weil sie Beweise dafĂĽr erbrachten, dass Babys fĂĽr ihre Eltern wunderbar riechen, Teenager hingegen nicht.
Frieden: Jaimie Arona Krems & Team, weil sie belegten, dass wir Freunde schätzen, die zu Menschen, die wir nicht mögen, gemein sind.
Boden: Franz Bender & Team dafür, dass sie 1000 identische Unterhosenpaare in mehr als 25 Ländern vergruben, um sie nach zwei Monaten wieder auszugraben und damit einen guten Indikator für gesunde Böden lieferten.
Während es 2025 keine deutschen Nobelpreisträger:innen gab, gehörten in den Kategorien „Boden“ und „Geruch“ des Ig-Nobelpreises deutsche Forscher:innen zu den Ausgezeichneten.
Gratulation an alle!
Frauke Fischer ist Biodiversitätsexpertin und Dozentin für internationalen Naturschutz an der Universität Würzburg. © privat