Vorläufiges Ergebnis: AfD in Mecklenburg-Vorpommern vor SPD, Debakel für CDU

Mecklenburg-Vorpommern
Landtagswahl 2026
Stand: 21.09.2026 • 00:15 Uhr
Laut vorläufigem Ergebnis siegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern vor der SPD von Ministerpräsidentin Schwesig. Für die CDU endet der Wahlabend dramatisch, erstmals fliegt sie aus einem Landesparlament. Auch das BSW verpasst den Einzug.
Die AfD hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen - doch die zweitplatzierte SPD könnte in dem Bundesland weiterregieren. Laut vorläufigem Ergebnis kommt die AfD auf 38,2 Prozent der Stimmen. Die Partei um "Ministerpräsidentenkandidat" Leif-Erik Holm und Spitzenkandidat Enrico Schult konnte ihr Ergebnis von 2021 (16,7 Prozent) damit mehr als verdoppeln.
Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schneidet mit 35,5 Prozent überraschend stark ab. Zwar muss sie Verluste hinnehmen, im Jahr 2021 kam sie noch auf 39,6 Prozent. Dennoch ist die Erleichterung in der Partei groß - den in Umfragen deutlichen Rückstand zur AfD konnte sie in den vergangenen Monaten noch zu einem guten Teil aufholen.
CDU fliegt erstmals aus Landesparlament
Dramatisch fällt das Ergebnis für die CDU aus: Mit 4,9 Prozent verfehlt sie die Fünfprozenthürde und verpasst damit erstmals in einem Bundesland den Einzug in den Landtag. Spitzenkandidat Daniel Peters fuhr das schlechteste christdemokratische Ergebnis aller bundesdeutschen Landtagswahlen seit 1949 ein. Im Wahlkampf musste die Partei nicht nur gegen den negativen Bundestrend ankämpfen, sondern litt auch unter der Zuspitzung des Wahlkampfs auf das Duell Schwesig gegen die AfD. 2021 hatte die CDU noch 13,3 Prozent der Stimmen erhalten.
Drittstärkste Kraft hinter AfD und SPD wird nun die Linkspartei, die seit 2021 Koalitionspartner der SPD ist. Mit 6,5 Prozent schneidet sie ebenfalls schlechter ab als 2021, als sie auf 9,9 Prozent kam. Der Wahlzweikampf zwischen SPD und AfD machte es auch für die Linke um Spitzenkandidatin Simone Oldenburg schwer, Wähler von sich zu überzeugen.
Grüne im Landtag, BSW draußen
Erneut in den Landtag einziehen können die Grünen um Spitzenkandidatin Claudia Müller, die auf 5,7 Prozent kommen. Im Wahlkampf hatten sie auch auf taktische Zweitstimmen aus dem linken Lager gesetzt und für eine rot-rot-grüne Landesregierung geworben.
Ebenso wie die CDU knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert ist das BSW mit der Doppelspitze Peter Schabbel und Sabine Firnhaber: Die Partei kommt auf 4,8 Prozent. Auch die FDP fliegt aus dem Landtag, allerdings deutlich - sie erhält nur 1,0 Prozent der Stimmen nach 5,8 Prozent im Jahr 2021.
SPD bräuchte Bündnis mit Linken und Grünen
Für die Regierungsoptionen bedeutet das, dass die SPD die Koalition allein mit der Linken nicht fortsetzen könnte. Auch andere Konstellationen mit nur einem Partner gibt es für sie nicht - eine rechnerische Mehrheit wäre nur in einem Bündnis mit Linkspartei und Grünen möglich.
Schwesig kündigte an, "allen demokratischen Parteien" Gespräche anzubieten. Grünen-Spitzenkandidatin Müller erklärte am Wahlabend, sie gehe davon aus, dass sie sich mit den Linken verstehen würde. Die heftige Kritik der bisherigen Grünen-Fraktion an Schwesigs früherer Russland- und Nord-Stream-2-Politik sollte keine Rolle mehr spielen, denn die neue grüne Fraktion tritt mit komplett neuem Personal an.
Bei Grünen-Kernthemen wie der Klima- und der Energiepolitik sollte es mit der SPD und den Linken keine unüberbrückbaren Hürden geben. Und mit der Linkspartei arbeitete Schwesig seit 2021 relativ konfliktfrei zusammen.
AfD sieht Auftrag zur Regierungsbildung
Die AfD wiederum sieht den Auftrag zur Regierungsbildung bei sich und erwartet von den anderen Parteien Gesprächsbereitschaft. Man werde alle Parteien einladen zu Gesprächen, sagte Holm vor Anhängern in Schwerin. Weil die anderen Parteien eine Koalition ablehnen, hat die AfD dennoch kaum eine Chance, die Regierung zu bilden.
Im Wahlkampf war die Partei in dem Bundesland weitgehend gemäßigt aufgetreten. Sie versprach Verbesserungen und Entlastungen und dürfte dabei auch von der massiven Unzufriedenheit mit der Bundesregierung profitiert haben. Doch einen klaren Wahlsieg mit einem so deutlichen Vorsprung wie zuletzt vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt verfehlte die Partei.
Was heißt das für die Bundesregierung und Kanzler Merz?
Die Wahl ist weit mehr als eine Richtungsentscheidung für Mecklenburg-Vorpommern und seine knapp 1,6 Millionen Einwohner. Auch für die schwarz-rote Bundesregierung und insbesondere Kanzler Friedrich Merz hängt viel vom Ausgang der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern und der parallel stattfindenden Abstimmung in Berlin ab.
Merz trat um kurz nach 18 Uhr vor die Presse. Trotz der schlechten Ergebnisse der CDU bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wolle er im Amt bleiben und den eingeschlagenen Reformkurs fortsetzen. "Ich möchte unser Land voranbringen", sagte der CDU-Chef. "Die Reformen müssen kommen."
Auch die SPD ist kein Stabilitätsanker in der Bundesregierung, doch dürfte der Schwesig-Erfolg zunächst einmal für Erleichterung sorgen. Erwartet wird, dass Schwesigs Einfluss in Berlin weiter zunimmt, auch als SPD-Chefin und/oder Kanzlerkandidatin wird sie bereits gehandelt.