Wann wird Niedrigwasser zum Problem für die Schifffahrt?
Der Rhein könnte bald zweigeteilt und nicht mehr durchgängig befahrbar sein. Die wirtschaftlichen Folgen sind ernst. Was kann dagegen getan werden? ZDFheute live analysiert.
10.08.2026 | 37:48 min
Viele fragen sich angesichts der täglichen Meldungen: Warum ist ausgerechnet der Pegel in Kaub so wichtig - und ab wann wird Niedrigwasser zum Problem für die Schifffahrt? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Begriffe.
Wann spricht man von Niedrigwasser?
Wenn ein Fluss einen Wasserstand erreicht, der deutlich unter dem durchschnittlichen Wert liegt, spricht man von Niedrigwasser - bei einem längeren Zeitraum auch von einer Niedrigwasserphase. Wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) erklärt, sind schwankende Wasserstände im Jahresverlauf generell nicht ungewöhnlich - sie hängen von Regen, Temperaturen, Gletschern und Schneeschmelze ab.
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Dem Umweltbundesamt zufolge sinkt der Wasserstand in Flüssen dann deutlich, wenn die Grundwasservorräte etwa durch eine Trockenperiode erschöpft sind und kaum noch Abfluss aus Seen eintritt. Das Amt betont jedoch auch, dass der Mensch dabei eine wichtige Rolle spielt: beispielsweise durch die Wasserentnahme, Wasserspeicher oder Talsperren.
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Die Situation um das Niedrigwasser im Rhein spitzt sich Experten zufolge in diesem Jahr ungewöhnlich früh zu. Eigentlich seien Spätsommer und Herbst dafür typische Zeiten. An vielen Rheinpegeln haben die Wasserstände in den vergangenen Tagen historische Tiefstwerte erreicht.
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Was sagt ein Pegelstand über die Wassertiefe?
Ein Pegel ist eine feste Messstelle am Fluss. Der Pegelwert gibt Aufschluss darüber, wie hoch das Wasser an einer bestimmten Stelle steht. Gemessen wird dabei von einem festgelegten Bezugspunkt, dem sogenannten Pegelnullpunkt. Der Pegelstand gibt deshalb nicht direkt an, wie tief der Fluss ist. Wenn also der Pegelstand im rheinland-pfälzischen Kaub bei 16 Zentimetern liegt, bedeutet das, dass der Wert 16 Zentimeter über dem festgelegten Nullpunkt liegt.
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Für die Schifffahrt ist vor allem die Fahrrinnentiefe entscheidend. Die Fahrrinne ist der Bereich des Flusses, in dem im Normalfall bestimmte Breiten und Tiefen für den Schiffverkehr vorhanden sind. In Kaub ist die Fahrrinne bei einem Pegelstand von 16 Zentimetern rechnerisch 129 Zentimeter tief.
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Warum ist der Rhein eine so wichtige Wasserstraße?
Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße. Er verbindet Industriegebiete in der Schweiz, Deutschland und anderen Ländern mit den großen Häfen an der Nordsee, darunter Rotterdam. Zwar wird in Deutschland weniger als jede zehnte Tonne Fracht über Flüsse transportiert. Für bestimmte Güter sind die Wasserwege aber besonders wichtig. Dazu gehören etwa Erz, Öl, Chemieprodukte und Kohle.
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10.08.2026 | 1:58 min
Hält das Niedrigwasser länger an, wird der Transport zunehmend schwieriger und teurer. Unternehmen müssen dann unter Umständen ihre Produktion drosseln. Je länger die Einschränkungen dauern, desto schwieriger wird es außerdem, ausgefallene Produktion später nachzuholen. Das geht aus einer aktuellen Studie der DZ Bank hervor.
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Zudem gibt es verschiedene weitere Auswirkungen: Die niedrigen Wasserstände legen alte Munition frei und bremsen die Personenschifffahrt und Rheinfähren. Naturschützer sehen in den niedrigen Wasserständen ein Alarmsignal für ganze Flussökosysteme, etwa weil der Sauerstoffgehalt mit höheren Wassertemperaturen sinkt.
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Warum liest man so viel vom Pegel in Kaub?
Kaub liegt im Mittelrheinabschnitt zwischen St. Goar und Budenheim bei Mainz. Dieser Flussabschnitt stellt dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) zufolge ein Nadelöhr für die Rheinschifffahrt dar. Dort sei die Fahrrinne schlechter ausgebaut als stromaufwärts und stromabwärts. Schiffe können diesen Abschnitt jedoch nicht einfach überspringen oder umfahren - sie müssen sich nach den dortigen Gegebenheiten richten.
Zugleich wird das Niedrigwasser im Rhein auch an den Pegelständen in Kaub besonders deutlich. Vor der aktuellen Niedrigwasserphase lag der niedrigste gemessene Wert bei 25 Zentimeter am 22. Oktober 2018. Dieser Tiefstwert ist Geschichte: Nun sank der Wert bereits auf 16 Zentimeter. Der Prognose des WSV zufolge könnte der Wasserstand in den nächsten Tagen sogar erstmals einstellig werden.
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Mit Blick auf die Prognose warnte der BDB, dass die gewerbliche Schifffahrt bei derart niedrigen Wasserständen in der Region keinen Gütertransport mehr durchführen könne. Gleiches gelte für die Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt.
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Anders ist es bei Hochwasser: Wird die sogenannte Hochwassermarke II erreicht oder überschritten, wird die Schifffahrt auf dem jeweiligen Streckenabschnitt eingestellt.
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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtet das ZDF laufend, zum Beispiel am 11.08.2026 in der heuteXpress ab 09.00 Uhr.