Warum Mücken zustechen – und was wirklich hilft

Welche Mücken gibt es in Deutschland?
Forschende unterscheiden 28 verschiedene Familien von Mücken in Deutschland. Vier davon stechen oder beißen:
"Stechmücken" in Deutschland
Stechmücken: Sie sind die größte Familie der blutsaugenden Mücken. Hierzulande gibt es rund 50 verschiedene Arten. Die bekannteste und häufigste ist die Gemeine Hausmücke. Sie hat einen bräunlichen Körper und dunkle Beine. Auch einige exotische Stechmücken haben sich in Deutschland angesiedelt. Zum Beispiel die Asiatische Tigermücke, die vor allem in Süddeutschland vorkommt, aber auch in Regionen in NRW, Berlin und Thüringen. Tigermücken stammen ursprünglich aus Südostasien und man erkennt sie am gestreiften Tigerlook.
Asiatische Tigermücke
Gemeine Stechmücke
Bartmücken: Aus der Familie der Bartmücken oder Gnitzen leben in Deutschland rund 200 verschiedene Arten. Die Mücken haben einen gewölbten Rücken und lange, braun-weiße Flügel. Sie stechen vor allem Nutztiere wie Rinder und kommen daher in Gegenden mit hohem Viehbestand vor.
Gnitze/Bartmücke
Kriebelmücken: In Deutschland gibt es 50 verschiedene Arten dieser Familie. Kriebelmücken sind schwarz, klein und rundlich. Sie sind auch an ihren kurzen Flügeln zu erkennen. Kriebelmücken leben meist an Flüssen. Sie stechen nicht, sondern beißen die Haut auf und lecken das austretende Blut ab.
Kriebelmücke
Schmetterlingsmücken: Hierzulande unterscheiden Forschende 110 verschiedene Arten von Schmetterlingsmücken. Ein bekannter Vertreter ist die Sandmücke. Sie ist ähnlich wie die Tigermücke eine eingeschleppte Art, die ursprünglich aus Südostasien stammt. Sie ist klein und hellbraun gefärbt. Sandmücken sind häufig in Scheunen und naturbelassenen Gebäuden zu finden.
Schmetterlingsmücke
Warum stechen Mücken?
Eigentlich ernähren sich Mücken von Pflanzen. Mit ihrem Rüssel saugen sie den zuckerreichen Saft aus den Blättern und den Nektar aus den Blüten. Die Mückenmännchen geben sich damit zufrieden. Weibliche Mücken brauchen aber Proteine, damit ihre Eier reifen können. Die holen sie sich aus Blut.
Nicht alle Moskito-Arten piksen bevorzugt Menschen. Einige saugen lieber an anderen Tieren wie Vögeln, Reptilien oder Amphibien.
So entsteht der Mückenstich
Beim Stich bohren Stechmücken ihren spitzen Rüssel in die Blutgefäße der Haut. Kriebelmücken und Gnitzen hingegen reißen die Haut auf, bis sie an das Blut gelangen.
Parallel zum Saugen geben Mücken Speichel ab. Die darin enthaltenen Stoffe erweitern die Blutgefäße und verhindern, dass das Blut schnell gerinnt. So kann das Insekt weitersaugen, ohne dass sich die Wunde verschließt. Außerdem betäubt der Mückenspeichel die Einstichstelle. Wir bekommen daher nicht mit, dass uns die Mücke Blut abnimmt.
Erst wenn der Blutsauger davongeflogen ist, lässt die Betäubung nach. Dann bemerkt unser Immunsystem die Wunde sowie Speichelreste und löst eine Gegenreaktion aus: Je nach Mückenart fängt die Stelle an zu jucken, rötet sich oder schwillt an.
Unterschiedliche Reaktionen auf Mückenstiche und -bisse
Menschen reagieren unterschiedlich: Bei einigen entsteht eine stark juckende Beule, andere bemerken die Stelle kaum.
Viele empfinden die Bisse der Kriebelmücke als besonders qualvoll. Sie sind tiefer als die Stiche der Stechmücken und verursachen große Quaddeln, manchmal mit Schwindel oder Kopfschmerzen.
Was zieht Mücken an?
Viele Menschen haben den Eindruck, dass Mücken manche Personen häufiger stechen als andere. Das liegt daran, dass bestimmte Faktoren Mücken besonders anziehen – Atemluft, Körpergeruch, Art der Kleidung und Körpertemperatur sind entscheidend.
CO2 und Körpergeruch
Vor allem das CO2, das wir durch die Atmung ausstoßen, wirkt anziehend auf die Insekten. Manche Menschen atmen mehr von dem Gas aus als andere, ändern lässt sich daran leider nichts.
Anders ist es mit dem Körpergeruch: Bestandteile vom Schweiß wie Milchsäure, Harnsäure und Ammoniak ziehen Mücken ebenfalls an. Wer sich nach dem Schwitzen sofort wäscht und die Kleidung wechselt, wird weniger gestochen.
Kleidung und Körpertemperatur
Auch die Farbe der Klamotten hat einen Effekt. Mücken erkennen dunkle Farbe besser und fliegen Personen mit entsprechender Kleidung häufiger an. Außerdem können sie sich hier besser tarnen. Daher besser: Helle, lange Oberteile und Hosen tragen.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Körpertemperatur. Je höher sie ist, desto eher stechen die Mücken zu. Deshalb sind beispielsweise Sportler und Schwangere häufiger von Stichen betroffen. Auch Alkohol kann die Körpertemperatur erhöhen und die Blutsauger anlocken.
Dass die durchstochene Person ein besonders “süßes Blut” hat und die Mücken dadurch anlockt, ist hingegen ein Mythos.
Was hilft gegen einen Mückenstich?
Mückenstiche sind hierzulande in der Regel harmlos und verschwinden auch ohne Kühlung und Salben wieder. Erst wenn die Stelle stark anschwillt oder Symptome wie Fieber oder Kopfschmerzen hinzukommen, sollten Betroffene zum Arzt gehen.
Wer gestochen wird, muss vor allem eine Regel beachten: Nicht kratzen! Sonst öffnet sich die Wunde und Schmutz und Krankheitserreger können eindringen. Der Stich kann sich daraufhin entzünden.
Mückenstich säubern und kühlen
Stattdessen die Stelle mit Wasser und Seife säubern und anschließend kühlen. Nach zehn Minuten ist der Stich normalerweise abgeschwollen.
Als Hausmittel kann eine Mischung aus Backsoda und Wasser den Juckreiz lindern. Auch Salben mit Antihistaminen aus der Apotheke helfen gegen das Kribbeln. Elektrische Hitzestifte, die die Einstichstelle kurz erwärmen, können den Juckreiz auch lindern – wie viel davon auf Placebo-Effekte zurückgeht, ist noch nicht geklärt.
Wie gefährlich sind Mückenstiche in Deutschland?
Mücken können durch ihre Stiche Krankheitserreger für zum Beispiel Malaria, Gelbfieber oder Denguefieber auf den Menschen übertragen. Viele dieser Erreger überleben und vermehren sich jedoch nur in bestimmten Mücken – nicht jede Mücke kann alle Erreger übertragen.
Anopheles-Stechmücken verbreiten beispielsweise einen Parasiten, der bei Menschen Malaria verursacht, Tigermücken können Viren übertragen, die Dengue-, Chikungunya-, Zika oder Gelbfieber auslösen und die in Deutschland weit verbreitete Gemeine Hausmücke kann West-Nil-Viren übertragen.
Infektionen durch Mückenstiche in Deutschland
Expertinnen und Experten geben für Deutschland jedoch Entwarnung: Zwar gibt es hierzulande auch Tigermücken, diese haben aber hier noch keine der tropischen Erkrankungen übertragen.
Der Grund: Mücken können eine Krankheit nur weitergeben, wenn sie sich zuvor selbst angesteckt haben – Tigermücken etwa durch das Stechen einer Person mit Denguefieber. Weil es in Deutschland kaum Fälle gibt, können Mücken die Krankheit aber nicht verbreiten.
Krankheiten durch Mücken nur in Einzelfällen
Bisher wurden diese tropischen Krankheiten nur bei Reiserückkehrern festgestellt. Ihnen wird deshalb geraten, sich besonders gut vor Mückenstichen zu schützen, damit die hier lebenden Mücken nicht die tropischen Krankheitserreger aufnehmen.
In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland einzelne Fälle, in denen Stechmücken das West-Nil-Virus übertragen haben und in Südeuropa außerdem lokale Fälle von Malaria, Dengue- und West-Nil-Fieber. Deshalb untersuchen Forschende Stechmücken in Deutschland wieder stärker.
Wie lassen sich Mücken bekämpfen?
International stehen Mücken weit oben auf der Forschungsagenda. Fachleute wollen nicht nur verstehen, welche Krankheiten die Insekten verbreiten, sondern versuchen auch, die Übertragung zu stoppen.
Gentechnisch veränderte Mücken
Ein umstrittenes Projekt ist das der gentechnisch veränderten Mücken. Das Prinzip: Die Forschenden tauschen bestimmte Gene bei Mückenmännchen aus und lassen die Tiere anschließend frei. Wenn sie sich paaren, geben sie die Veränderung auf die Nachkommen weiter. Weibliche Larven mit den ausgetauschten Genen überleben nicht.
So gibt es in der nächsten Generation weniger weibliche Mücken, die Menschen stechen und Krankheiten übertragen können, und die Gesamtpopulation schrumpft, weil Weibchen bei der Paarung fehlen.
Erste Tests mit Genmücken
In Brasilien hat ein britisches Biotechnologie-Unternehmen mit dem Projekt begonnen. Auch in Florida wurden 2021 12.000 gentechnisch veränderte Mücken freigelassen – weitere sollen folgen.
Nach Angaben des Unternehmens war der erste Versuch positiv, aber weitere Tests seien notwendig. Umweltschützer kritisieren das Projekt: Sie befürchten, dass der Mensch mit den Genmücken das Ökosystem verändert und Tier- und Pflanzenarten langfristig darunter leiden.
Warum brauchen wir Mücken?
Auch wenn man es den Plagegeistern nicht sofort ansieht: Mücken sind sehr nützlich für das Ökosystem und damit auch für den Menschen. Zum einen bestäuben die Tiere viele Pflanzenarten wie zum Beispiel den Kakaobaum. Ohne Mücken gäbe es daher weniger Schokolade.
Wichtige Nahrungsquelle
Zum anderen sind Mücken eine wichtige Nahrungsquelle für viele Insektenarten, Frösche, Salamander und Eidechsen. Auch einige Vogelarten wie die Mehlschwalbe fressen Mücken. Sie sind aber wie Frösche oder Salamander nicht auf Moskitos angewiesen, sondern können auf andere Futterquellen wie Motten und Käfer ausweichen.
Die Larven der Mücken haben ebenfalls eine wichtige Funktion. Sie entwickeln sich in Gewässern wie Flüssen oder Bächen und filtern und reinigen dort das Wasser. Durch ihren Stoffwechsel machen sie außerdem Nährstoffe wie Stickstoff für Pflanzen verfügbar. Nicht zuletzt ernähren sich Fische von den Larven.