Was ist ĂŒber das mögliche Grönland-Abkommen bekannt?

FAQ
Streit mit den USA
Was ist ĂŒber das mögliche Grönland-Abkommen bekannt?
Stand: 19.09.2026 âą 13:02 Uhr
Im Streit um US-AnsprĂŒche auf Grönland scheint sich eine Einigung zwischen den USA, DĂ€nemark und Grönland abzuzeichnen - in Form eines gemeinsamen Abkommens. Was darĂŒber bekannt ist - und worin die Brisanz im Streit um die Insel liegt.
Grönland soll Teil der USA werden - auf diesen Plan hatte US-PrÀsident Donald Trump seit Ende 2025 wiederholt und in immer schÀrferem Ton gedrÀngt. Trotz vehementen Widerstands aus Grönland, DÀnemark und der EU.
Doch nun könnte ein gemeinsames Abkommen zwischen den USA, der dĂ€nischen und der grönlĂ€ndischen Regierung einen Schlussstrich unter den Streit ziehen. Ein Ăberblick ĂŒber die bislang bekannten Punkte der Vereinbarung und ein RĂŒckblick auf den Konflikt, der sich auch fĂŒr die NATO und das VerhĂ€ltnis der EU zu den USA zur Belastungsprobe entwickelt hatte.
Was beinhaltet das mögliche Abkommen?
Ăber konkrete Inhalte der Vereinbarung ist bislang recht wenig bekannt. Vor allem DĂ€nemark und Grönland Ă€uĂerten sich bisher zurĂŒckhaltend zur Ausgestaltung eines möglichen Abkommens.
US-PrĂ€sident Donald Trump verkĂŒndete hingegen auf seinem Nachrichtendienst Truth Social bereits, den USA werde mit dem Abkommen "die dauerhafte Kontrolle ĂŒber die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland gewĂ€hrt". Die USA dĂŒrften fortan tun, was immer nötig sei, um die Insel zu verteidigen. Zudem dĂŒrften "Feinde" der USA kĂŒnftig keine militĂ€rischen StĂŒtzpunkte mehr auf Grönland errichten, wenn die US-Regierung dies nicht ausdrĂŒcklich genehmigt habe. Auch "sensible Investitionen" in Grönland sollen laut Trump die Genehmigung durch sein Land erfordern. Was genau zu solchen Investitionen zĂ€hlt, lieĂ der US-PrĂ€sident offen.
All diese Aussagen Trumps sind bisher weder von der dĂ€nischen, noch von der grönlĂ€ndischen Regierung bestĂ€tigt. In einer gemeinsamen Mitteilung zeigte sich DĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen zunĂ€chst allgemein ĂŒberzeugt, dass das Abkommen "unsere gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik stĂ€rkt und deshalb auch gut fĂŒr die NATO und Europa ist". Auch der dĂ€nische AuĂenminister Lars LĂžkke Ă€uĂerte die Hoffnung, dass mit dem Abkommen eine langanhaltende Unsicherheit endlich beendet werden könnte.
Frederiksen betonte, mit der geplanten Vereinbarung werde die SouverĂ€nitĂ€t und territoriale IntegritĂ€t des dĂ€nischen Königreichs und das Recht des grönlĂ€ndischen Volks auf Selbstbestimmung anerkannt. Diesen Punkt, auf den sowohl DĂ€nemark als auch Grönland wĂ€hrend des Streits mit den USA immer wieder gedrĂ€ngt hatten, rĂŒckte auch der grönlĂ€ndische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen in den Fokus. "Das Abkommen erkennt Grönlands Interessen und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit an. Es nĂŒtzt uns allen", schrieb er beim Kurznachrichtendienst X.
Ist das Abkommen schon in trockenen TĂŒchern?
Auch hier unterscheiden sich die Sichtweisen. Laut Trump ist die Vereinbarung bereits besiegelt. DĂ€nemark hingegen stellte in Aussicht, dass das Abkommen erst im Rahmen der UN-Generalversammlung in der kommenden Woche unterzeichnet werden solle. Und danach mĂŒsse es zudem noch vom dĂ€nischen Parlament abgesegnet werden. Erst dann könne es in Kraft treten.
Worum drehte sich der Streit um Grönland?
Neu ist der Streit um die Insel nicht. Schon wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit als US-PrĂ€sident Ă€uĂerte Trump die Idee, Grönland kaufen zu wollen. Ende des vergangenen Jahres erneuerte Trump seine GebietsansprĂŒche auf Grönland und erhöhte dabei den Druck. Notfalls wĂŒrden die USA ihren Anspruch auch militĂ€risch durchsetzen.
Zur BegrĂŒndung der US-AnsprĂŒche fĂŒhrte Trump immer wieder die Sicherheitsinteressen der USA an. Er behauptete, Feinde der USA - vorrangig Russland und China - wollten Grönland unter ihre Kontrolle bringen und DĂ€nemark hĂ€tte diesen Bestrebungen nichts entgegenzusetzen.
Was machte den Streit so brisant?
Die einstige dĂ€nische Kolonie Grönland gehört bis heute zum dĂ€nischen Königreich. Allerdings ist die Insel schon seit Jahrzehnten weitgehend autonom. Innenpolitische Entscheidungen trifft die grönlĂ€ndische Regierung selbst, bei der AuĂen- und Verteidigungspolitik bleibt aber ein gewisser dĂ€nischer Einfluss.
Trumps Drohungen beinhalteten nicht nur, Grönland zum US-Staatsgebiet zu machen - ohne Zustimmung der dortigen Bevölkerung. Sie richteten sich somit auch gegen DĂ€nemark, das wie die USA Teil der NATO ist. Der Grönland-Streit entwickelte sich damit auch zu einer Belastungsprobe fĂŒr das transatlantische VerteidigungsbĂŒndnis.
Wie reagierten Grönland, DĂ€nemark und andere Staaten auf die US-AnsprĂŒche?
Die grönlĂ€ndische Bevölkerung lehnt es mit deutlicher Mehrheit ab, dass ihre Insel Teil der USA wird. Das verdeutlichte eine Umfrage der Meinungsforschungsagentur Verian, die im Januar dieses Jahres veröffentlicht wurde. Das Ergebnis: Rund 85 Prozent der Befragten sprachen sich gegen eine US-Zugehörigkeit aus. Knapp die HĂ€lfte der Teilnehmenden der Umfrage befĂŒrworteten stattdessen eine vollstĂ€ndige UnabhĂ€ngigkeit Grönlands, allerdings Ă€uĂerten 45 Prozent der GrönlĂ€nderinnen und GrönlĂ€nder auch Bedenken, mit der völligen UnabhĂ€ngigkeit von DĂ€nemark könnten wirtschaftliche Einschnitte einhergehen.
DĂ€nemark lehnte die US-Forderungen kategorisch ab, betonte die Autonomie der Insel und dass Grönland unter keinen UmstĂ€nden zum Verkauf stehe. Eine Sichtweise, der sich auch die EU anschloss. Mehrere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, kritisierten Trumps AnsprĂŒche auf Grönland. Trump drohte daraufhin all jenen EU-Staaten, die sich gegen seine PlĂ€ne stellten, mit Strafzöllen.
Was bedeutet das Abkommen jetzt fĂŒr Grönland?
Das ist bisher noch völlig unklar - auch weil zu Inhalten der Vereinbarung noch nichts offiziell vorliegt.
WĂ€hrend des Streits hatte Trump wiederholt in Aussicht gestellt, die militĂ€rische PrĂ€senz der USA auf der Insel stĂ€rken zu wollen. Aktuell unterhĂ€lt das US-MilitĂ€r auf Grönland eine MilitĂ€rbasis: die fĂŒr Raketenabwehr und RadarĂŒberwachung wichtige Pituffik Space Base im Nordwesten der Insel, die den US-StreitkrĂ€ften ihre Ăberlegenheit im Weltraum sichern soll. Trump sprach mehrfach ĂŒber die Idee, ein Raketenabwehrsystem namens "Golden Dome" auf der Insel zu errichten, die beim Angriff eines Feindes wie Russland direkt in der Flugbahn möglicher Raketen mit Ziel USA liegen könnte. Ob mit dem möglichen Abkommen aber tatsĂ€chlich konkrete Schritte auf Grönland einhergehen, ist noch ungewiss.