Was wäre, wenn Männer und Frauen das Gleiche verdienen?

Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei 16 Prozent, konkret heißt das: Frauen verdienen pro Stunde im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer. Dabei ist allerdings nicht miteinberechnet, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten oder eher in Branchen tätig sind, in denen die Gehälter niedriger sind.
Der bereinigte Gender Pay Gap ist der Teil, der übrig bleibt, nachdem alle erklärbaren Gründe herausgerechnet wurden. Dem zufolge verdienen Frauen 2025 in Deutschland sechs Prozent weniger die Stunde als Männer.
Frauen und Männer sind im Job gleichberechtigt
In unserem Szenario gehen wir davon aus: Der bereinigte Gender Pay Gap liegt bei null. In den gleichen Jobs verdienen Frauen und Männer dasselbe. Zudem wird es Frauen einfacher gemacht, besser bezahlte Führungspositionen zu erreichen.
Geteilte Führungspositionen – für eine bessere Vereinbarkeit mit Care-Arbeit – sind der Standard. Eine Frauenquote regelt, dass in den obersten Etagen Gleichberechtigung herrscht.
Unternehmen müssen außerdem offenlegen, wer in welcher Position wie viel verdient. Ungerechte Bezahlung in denselben Jobs ist nicht mehr möglich. Und: Branchen, in denen deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten, wie etwa in der Pflege oder der Kinderbetreuung, bezahlen deutlich bessere Gehälter. Es ist kein finanzieller Nachteil mehr, einen Job in einer frauen-dominierten Branche zu übernehmen.
Wie mehr Gerechtigkeit aussehen könnte
Ein Werkzeug für mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt ist die Frauenquote. In Norwegen gibt es beispielsweise seit über 20 Jahren ein Gesetz, das festlegt: In den Vorständen von öffentlichen Betrieben und Aktiengesellschaften müssen mindestens jeweils 40 Prozent Männer und Frauen arbeiten. Eine Studie hat gezeigt, der Wirtschaft hat das nicht geschadet.
Das Gute an solchen Frauenquoten ist: Sie kommen nicht nur den Vorständen zugute. Studien zeigen, wenn mehr Frauen in Führungspositionen sind, profitieren alle Frauen des Unternehmens davon und verdienen besser.
Gleiche Anteile an Care-Arbeit
Ein weiterer Grund für die aktuelle Benachteiligung von Frauen ist die Familiengründung. Wenn Frauen mindestens ein Kind bekommen, erhalten sie langfristig gesehen 40 bis 70 Prozent weniger Einkommen als Frauen ohne Kinder. Auf der anderen Seite verdienen Männer nach der Geburt eines Kindes statistisch gesehen sogar mehr.
Das liegt unter anderem daran, dass Frauen in Deutschland deutlich mehr Elternzeit übernehmen. So sind sie von Anfang an stärker für die Betreuung des Kindes verantwortlich, was sich auch später nicht mehr ändert.
In Island wurden die Regeln für die Elternzeit vor einigen Jahren geändert, sodass Väter und Mütter etwa gleich lang zuhause bleiben. Das hat dazu geführt, dass die Care-Arbeit mittlerweile viel gleichberechtigter aufgeteilt ist.
Politische Veränderungen in Deutschland
Eigentlich sollte seit dem 7. Juni 2026 in allen EU-Ländern die sogenannte Entgelttransparenzrichtlinie gelten. Die beinhaltet zum Beispiel, dass große Unternehmen von sich aus offenlegen müssen, wie sich Löhne von Männern und Frauen unterscheiden, außerdem soll in Stellenanzeigen schon ein grobes Gehalt angegeben werden. Deutschland hat bis jetzt allerdings noch kein Gesetz dazu vorgelegt.
Zu viele Regeln könnte der Wirtschaft schaden
Anderen Ländern hat mehr Gleichberechtigung zwar wirtschaftlich nicht geschadet – in Deutschland sorgt die Umsetzung aber im Worst Case für Probleme. Die Wirtschaft leidet unter den strengeren Regeln und Unternehmen wandern in andere Länder ab, wo sie sich an weniger Vorgaben halten müssen.
Obwohl Frauen und Männer ähnlich viel arbeiten und gleich bezahlt werden, bleibt die Care-Arbeit weiter zum Großteil bei den Frauen. Sie leiden jetzt noch stärker unter dem Stress, Beruf und Hausarbeit unter einen Hut zu bekommen.
Männer verlieren alte Privilegien
Männer sind in dem neuen System unzufrieden – denn sie verlieren die Privilegien, die sie bisher hatten. Es wird schwieriger für sie, im Job aufzusteigen, denn Frauen erreichen jetzt öfter Führungspositionen. Damit bleiben weniger Führungsstellen für Männer übrig. Das führt zu gesellschaftlichen Konflikten.
Alle profitieren von mehr Gleichberechtigung
Durch Lohntransparenz und Frauenquoten wird unfaire Bezahlung im Best Case zu einem Thema der Vergangenheit. Frauen können im Job genauso aufsteigen wie Männer und mehr Frauen in Führungspositionen machen die Unternehmen für alle gerechter.
Weil sie dasselbe verdienen, sind Frauen nicht mehr bei der Rente benachteiligt und insgesamt finanziell unabhängiger. Sie können gewaltvolle Beziehungen leichter verlassen, weil ihr Lebensunterhalt nicht mehr von einem Mann abhängt.
Elternzeit fĂĽr Alle
Auch Männer profitieren von der Lohngleichheit. Sie können es sich leisten, genauso viel Elternzeit zu nehmen wie Frauen, die Familie hat dadurch keinen finanziellen Nachteil. Kindererziehung und Haushalt liegt genauso in der Hand der Männer wie der Frauen. Väter können mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.