Was will Infantino? Um wie viel Geld geht es?

Infantino lockt mit Milliarden
Investorenplan der FIFA - Fragen und Antworten
Stand: 30.07.2026 âą 17:57 Uhr
Die InvestorenplĂ€ne von Gianni Infantino und der FIFA halten den FuĂball in Atem. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was löste den Aufruhr aus?
Am Dienstag (28.07.2026) teilte die FIFA mit, dass sie eine Gesellschaft grĂŒnden wolle, die alle kommerziellen AktivitĂ€ten und Turnierorganisationen des Weltverbandes bĂŒndeln soll. An dieser Gesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) sollen dann Anteile an Investoren verkauft werden, um noch viele Milliarden Euro mehr als jetzt schon umzusetzen.
In der FFE sollen "geschĂ€ftsorientierte" FĂŒhrungskrĂ€fte das Wachstum weiter vorantreiben - jenseits der Verbandsstrukturen. Die FFE-Chefs sollen mit "mit strukturierter Autonomie agieren" und "BetriebsablĂ€ufe optimieren" - so steht es in einer internen FIFA-PrĂ€sentation, die der Sportschau vorliegt.
Um wie viel Geld geht es?
Was den Anteilsverkauf betrifft, ist das offen. Den 211 MitgliedsverbĂ€nden der FIFA rechnete Infantino allerdings schon ziemlich genau vor, was sie mehr bekommen könnten. Demnach könnte jeder Verband ab 2027 statt bislang zwei Millionen US-Dollar in einem Jahr fĂŒnf Millionen bekommen. Die Summen gelten fĂŒr einen Vierjahres-Zyklus. Von 2031 bis 2034 wĂ€ren es 5,5 Millionen jĂ€hrlich, im letzten vorgesehenen Zyklus bis 2038 stiege die Summe auf insgesamt 24 Millionen US-Dollar.
Bei VerbĂ€nden wie dem Deutschen FuĂball-Bund und der englischen FA sind das BetrĂ€ge, die ĂŒber die Vermarktung eines LĂ€nderspiels einzunehmen sind. FĂŒr kleine VerbĂ€nde etwa aus der Karibik und Ozeanien sind es gewaltige Summen.
Wovon hÀngt die Umsetzung des Plans ab?
Gianni Infantino schreibt in einem Brief an die MitgliedsverbÀnde, der der Sportschau vorliegt, dass nun alles "vollkommen demokratisch" in ihren HÀnden liege. Bis zum 19. September haben die VerbÀnde Zeit, den PlÀnen zuzustimmen. Nur wer dies tut, erhÀlt die Option auf eine zusÀtzliche Soforthilfe in Höhe von 20 Millionen US-Dollar. Es braucht eine einfache Mehrheit.
Eine weitere, deutlich höhere HĂŒrde ist das Council. Dieser FIFA-Rat, in dem auch DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf sitzt, muss die InvestorenplĂ€ne noch genehmigen.
Wie sind die Reaktionen?
Bemerkenswert war, dass die UEFA sich schon kritisch Ă€uĂerte, als der Plan von der FIFA noch gar nicht offiziell bestĂ€tigt worden war. Der europĂ€ische Verband polterte: "Keiner von uns besitzt den FuĂball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen." Die UEFA bemĂ€ngelte zudem den intransparenten Prozess. Der Weltverband dĂŒrfe "unseren Sport nicht lĂ€nger nutzen, um sich selbst und ihre Freunde zu bereichern", hieĂ es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung. Am Donnerstag legte die UEFA nach einer Sitzung aller 55 MitgliedsverbĂ€nde dann nach: Bleibt die FIFA bei ihren InvestorenplĂ€nen, wird kein UEFA-Nationalteam mehr an einer FIFA-Veranstaltung teilnehmen.
Auch aus dem asiatischen Kontinentalverband (AFC) und dem aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) gibt es Kritik an der Vorgehensweise.
Wie entgegnet Infantino der Kritik?
FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino verteidigt sein Vorhaben, Anteile an der FuĂball-WM an private Investoren zu verĂ€uĂern. "Es ist ein Vorschlag, ein Angebot, Teil eines demokratischen Beratungsprozesses", sagte Infantino in einem Video, das der Weltverband am Mittwochabend veröffentlichte. "Es ist eine Gelegenheit, aber keine Verpflichtung."
Nur mit der Zustimmung der Mehrheit der 211 NationalverbĂ€nde und des FIFA-Councils werde das geplante Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) eine vom Weltverband kontrollierte Gesellschaft, die "alle FIFA-Wettbewerbe verwalten und vermarkten wĂŒrde". Er verspreche sich davon die "ErschlieĂung bisher nicht realisierter Werte". Die kommerzielle Seite des FuĂballs zu stĂ€rken, sei "der logische nĂ€chste Schritt".
Gibt es auch UnterstĂŒtzer?
Afrikas FuĂballverband steht den InvestorenplĂ€nen der FIFA offen gegenĂŒber. Die ConfĂ©dĂ©ration Africaine de Football (CAF) forderte ihre MitgliedsverbĂ€nde am Mittwoch auf, den Vorschlag zu prĂŒfen und sich am Konsultationsprozess zu beteiligen. CAF-PrĂ€sident Patrice Motsepe berief fĂŒr die kommende Woche eine Sitzung des Exekutivkomitees ein.
Mit 54 MitgliedsverbĂ€nden besitzt die CAF einen groĂen Stimmenblock innerhalb der FIFA. Nach der Kritik aus Nord- und Mittelamerika (CONCACAF), Europa (UEFA) sowie Asien (AFC) ist sie zudem die erste, die sich dem Vorhaben von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino offen gegenĂŒber zeigt.
Motsepe hatte im Anschluss an die Weltmeisterschaft öffentlich von Infantino geschwĂ€rmt und dessen "SchlĂŒsselrolle" in der Entwicklung des afrikanischen FuĂballs gepriesen.
Was plant die UEFA?
Die UEFA ruft angesichts der InvestorenplĂ€ne der FIFA am Donnerstagnachmittag alle europĂ€ischen MitgliedsverbĂ€nde zu einer Krisensitzung zusammen. Dann sollen die Spitzen der 55 LandesverbĂ€nde ĂŒber das weitere Vorgehen beraten.
Was sagt der DFB?
DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf Ă€uĂerte in einem Interview mit der Sportschau und dem ZDF deutliche Kritik. "Der FuĂball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft. Wir dĂŒrfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen." Zudem prangerte er an, dass selbst die Mitglieder des FIFA Councils erst ĂŒber die Presse von den tiefgreifenden PlĂ€nen erfahren hĂ€tten. Auch Neuendorf ist Teil dieses höchsten FIFA-Gremiums.
Ist die Mehrheit fĂŒr Infantino gefĂ€hrdet?
Unwahrscheinlich. Auch wenn gerade die UEFA seit der WM (etwa im Fall Balogun) in den offenen Streit mit Infantino geht, wird es sogar fĂŒr sie schwierig, die Reihen zu schlieĂen. So sagte der tschechische VerbandsprĂ€sident David Trunda etwa bei "Sky News", dass er die Vorteile des Plans fĂŒr den tschechischen FuĂball sehe und daher mit Infantino zusammenarbeiten wolle.
In Afrika und einflussreichen (weil reichen) VerbÀnden Asiens darf der PrÀsident der FIFA auch auf Zustimmung setzen.
Sind die PlÀne neu?
In dieser Form bei der FIFA schon, aber einen Ă€hnlichen VorstoĂ wagte Infantino bereits 2018, als er in Verhandlungen mit einer japanischen GroĂbank und dem saudi-arabischen Staatsfonds stand, um 25 Milliarden US-Dollar fĂŒr groĂe Klub-Weltmeisterschaften aufzutreiben. Die UEFA lief auch damals Sturm dagegen: HauptsĂ€chliches Motiv: das eigene Hochglanzprodukt, die Champions League, zu schĂŒtzen.
In Deutschland gab es mehrere AnlĂ€ufe, um einen Investor ins Boot zu holen. Dabei war ein Ă€hnliches Konstrukt angedacht: Es sollten Anteile an einer Gesellschaft verĂ€uĂert werden, die die lukrativen Medienrechte verĂ€uĂert. Hans-Joachim Watzke warb damals intensiv fĂŒr das Modell. Zu den PlĂ€nen der FIFA sagte der Boss der "Bundesliga" dem "kicker": "Viele im europĂ€ischen FuĂball sehen die PlĂ€ne der FIFA als absoluten Angriff auf den FuĂball an. Diese Haltung teile ich. Hier wird eine Grenze ĂŒberschritten."
Quelle: sid/red