Wie der AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt in Frankreich bewertet wird

Stand: 07.09.2026 âą 15:29 Uhr
Auch in Frankreich ist der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt Thema. Viele Politiker sind entsetzt - gilt die AfD doch als noch extremer als der Rassemblement National. Dessen Frontfrau Le Pen schweigt zum deutschen Wahlergebnis.
In Frankreich jagt der AfD-Sieg vielen politischen Akteuren und Akteurinnen einen Schauder ĂŒber den RĂŒcken. Und das, obwohl hier der rechtsnationale Rassemblement National von Marine Le Pen seit Jahrzehnten immer gröĂer wird.
Doch die AfD wirkt in den Augen vieler noch radikaler als die heimische extreme Rechte. Ex-PrÀsident François Hollande von den Sozialisten warnt in France Info: "Die AfD zÀhlt zu den radikalsten extrem rechten Parteien Europas." Sie sei eine Partei, die zu ihren Verbindungen zu Neonazis stehe.
Und sein Parteikollege und PrĂ€sidentschaftskandidat Olivier Faure pflichtet ihm bei: Die Tatsache, dass die AfD staatlich finanzierte Schulbesuche in den frĂŒheren Konzentrationslagern des Nazi-Regimes abschaffen wolle, mĂŒsse Gruseln auslösen. Man mĂŒsse verhindern, dass sich Frankreich anstecke.
Mélenchon: "Verblendung der Parteien der Mitte"
Aus der Mitte des politischen Spektrums meldet sich heute Gabriel Attal von Macrons Partei Renaissance, der ebenfalls im kommenden Jahr PrĂ€sident werden will. Auch er ist alarmiert. "Wir mĂŒssen aus dem AfD-Sieg die richtigen SchlĂŒsse fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahlen hier bei uns ziehen", sagte Attal.
Man sehe doch, dass die Brandmauer-Strategie allein noch kein ausreichend attraktives politisches Projekt ist. "Wir mĂŒssen konkrete MaĂnahmen und eine Vision anbieten, die den Alltag der Menschen verbessern, und zeigen, wie man mit dem Wandel in der Welt umgehen kann."
FĂŒr den linksradikalen PrĂ€sidentschaftskandidaten Jean-Luc MĂ©lenchon von der Partei LFI ist der AfD-Sieg ein "Desaster". Er sei auf die "Verblendung der Parteien der Mitte" zurĂŒckzufĂŒhren. Und MĂ©lenchon schickt eine Warnung nach Deutschland: Vor dem Hintergrund des Ergebnisses in Sachsen-Anhalt sei das Projekt der deutschen Bundesregierung, die stĂ€rkste konventionelle Armee Europas aufzubauen, fĂŒr Frankreich "inakzeptabel".
Das Schweigen von Le Pen
Es fÀllt auf, dass ausgerechnet die PrÀsidentschaftskandidatin des rechtsnationalen Rassemblement National, Marine Le Pen, gar nicht auf den AfD-Sieg reagiert hat. Sie war zuletzt auf Distanz zur AfD gegangen, weil sie ihre eigene EntdÀmonisierungsstrategie nicht gefÀhrden will.
Nur Le Pens Konkurrentin am extrem rechten Rand, Sarah Knafo, von der Partei ReconquĂȘte jubelt. Lange hĂ€tten die europĂ€ischen Völker - so schreibt sie auf X - gewartet: Nun stehe ein ganzer Kontinent auf.