Wohnungskrise in Barcelona: Hunde erlaubt, Kinder nicht

Migrantische Mütter wie Luisa Plazas bekommen in Barcelona kaum noch bezahlbare Wohnungen. Tourismus ist für Vermieter lukrativer.
V or einem Hauseingang in L’Hospitalet de Llobregat am Stradtrand von Barcelona stapeln sich ein paar wenige Kartons. Menschen tragen Kleidung, einen kleinen Backofen und andere Habseligkeiten aus einer Erdgeschosswohnung und laden die Sachen in einen Transporter. Eine schwangere Frau telefoniert. Mit einer Hand hält sie Dokumentenmappen und ein Notizbuch fest. Immer wieder klemmt sie das Handy zwischen Ohr und Schulter und wischt sich Tränen aus den Augen. In vier Wochen soll ihr Baby zur Welt kommen.
An diesem Morgen müssen sie, ihre Tochter und zwei weitere Bewohner*innen die Wohnung räumen. Sie können die Miete nicht mehr zahlen. Lorena, die ihren Nachnamen nicht veröffentlicht sehen will, sagt, sie habe nach einem Streit mit ihrem Chef ihre Arbeit verloren.
Ein paar Leute haben sich vor dem Haus versammelt, einige tragen grüne T-Shirts mit einem aufgedruckten Stoppschild und dem Slogan: „Stop Desahucios“ – „Zwangsräumungen stoppen“. Es sind Aktivist*innen der PAH, der Plattform für von Hypotheken Betroffene. Die selbstorganisierte Bürger*innenbewegung entstand 2009 während der spanischen Finanz- und Immobilienkrise. Damals kämpfte sie vor allem gegen Zwangsräumungen nach geplatzten Hypotheken. Seither will sie Tausende Zwangsräumungen verhindert haben.
Wohnen verkomme zunehmend zum Anlageobjekt, sagt die PAH und richtet ihre Kritik damit vor allem gegen Banken, Investmentfonds und große Immobilieneigentümer*innen. 2024 folgten Aktivist*innen aus 23 Ländern ihrer Einladung nach Barcelona, um über steigende Mieten, Verdrängung und den Einfluss von Investmentfonds auf den Wohnungsmarkt zu diskutieren. Aus der Initiative gegen Zwangsräumungen wurde eine der bekanntesten Wohnungsbewegungen Europas.
Nur noch Platz für Investoren
Seit 2014 sind die Mieten in Barcelona um 68 Prozent gestiegen. Selbst Menschen mit gutem Einkommen haben Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Im dicht besiedelten Stadtgebiet fehlt es an Raum.
Plötzlich hält ein Taxi vor dem Gebäude in L’Hospitalet de Llobregat. Eine Frau und ein Mann steigen aus. Die Frau ist die juristische Vertreterin der Wohnungseigentümer*innen, der Mann ein Richter, der an diesem Morgen die Räumung begleitet. Sie reden mit den Menschen, die die Wohnung räumen sollen, und mit Sprecher*innen der PAH. Schließlich reicht der Richter einer Bewohnerin einen Kugelschreiber und ein Dokument. Sie lächelt kurz und unterschreibt.
Nachbarschaftshilfe konkret: Die Hilfsinitiative PAH bei der Räumung einer Familie mit Kindern
Foto:
Lara Voelter
Damit ist klar: Sechs weitere Wochen dürfen die Anwohner*innen bleiben. Für die Mitglieder der PAH ist das ein Erfolg. Sie applaudieren, einige recken die Fäuste in die Höhe und rufen: „Sí se puede!“ – „Ja, es geht!“. Gelöst ist das Problem der Bewohner*innen allerdings nicht, sie haben lediglich Zeit gewonnen. Bald wird wieder dieselbe Frage im Raum stehen: Wohin jetzt?
Ende 2025 kamen in der Provinz Barcelona innerhalb der ersten zehn Tage nach Veröffentlichung auf ein Mietangebot durchschnittlich 462 Interessent*innen – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen des Observatorio del Alquiler, eines Forschungsinstituts, das den spanischen Mietmarkt analysiert.
Oft wird die Miete stärker von der Lage als von der reinen Wohnungsgröße oder Zimmerzahl bestimmt. Für eine kleine Wohnung, häufig mit nur einem Zimmer, werden mindestens zwischen 1.000 und 1.300 Euro Kaltmiete fällig. Mehr als 10.000 legale Touristenwohnungen, angeboten über Plattformen wie Airbnb, verschärfen das Problem. Immerhin: Die Stadt will deren Lizenzen aufgrund der Wohnungskrise bis 2028 auslaufen lassen.
Raus aus dem Touri-Paradies
Steht María Álvarez Monsonis auf ihrem Balkon, sieht sie Palmen und das Meer. „Wir wohnen im Viertel Barceloneta, dort, wo viele am liebsten leben würden, und trotzdem möchte ich einfach weg“, sagt die 55-Jährige. Seit 14 Jahren teilt sie sich mit ihrer jetzt 15-jährigen Tochter ein Zimmer und ein Bett in der Wohnung ihrer Mutter. Sie ist hell, etwa 90 Quadratmeter groß und längst abbezahlt. Doch dort bestimmt die Mutter die Regeln und auch ihr Bruder ist nie aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen.
Mit Anfang 20 lernte María Álvarez Antonio kennen. Sie zogen zusammen, heirateten, bekamen ihre Tochter. Nach der Finanzkrise zu Beginn der 2010er-Jahre geriet ihre gemeinsame Firma in Schwierigkeiten. Um Kosten zu sparen, beschlossen sie, in die Wohnung von Álvarez’ Mutter zu ziehen. Etwa vier Jahre wohnte das Ehepaar mit Tochter in einem Zimmer. „Am Ende haben wir die Firma verloren und dann auch unsere Ehe“, fasst sie die Zeit zusammen.
María Álvarez arbeitet in der Verwaltung der Stadt Barcelona und verdient etwa 1.200 Euro netto. Nach Feierabend gibt sie Nachhilfe, um sich etwas dazuzuverdienen. Zwei Jahre lang suchte sie in Barcelona und Umgebung nach einer Wohnung für sich und ihre Tochter. Tag für Tag klickte sie sich durch Wohnungsportale, telefonierte mit Makler*innen und versuchte, Besichtigungstermine zu bekommen. Vergeblich. Vor einem Monat gab sie auf.
María Álvarez wohnt, wo andere gern wohnen wollen. Und möchte einfach weg
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privat
Immer wieder hätten Vermieter*innen das Interesse verloren, wenn Álvarez von ihrer Tochter sprach. Einige Makler*innen hätten ihr sogar direkt gesagt: Keine minderjährigen Kinder. Dahinter steht oft die Sorge, Mieter*innen mit minderjährigen Kindern könnten im Konfliktfall als besonders schutzbedürftig gelten und Wohnungen deshalb schwerer wieder geräumt werden.
Lukrative Kulisse gegen Recht auf Wohnen
Daniel Pardo Rivacoba ist Sprecher der Assemblea de Barris pel Decreixement Turístic, eines Bündnisses tourismuskritischer Nachbarschaftsinitiativen. Bilder von Demonstrierenden, die mit Wasserpistolen auf Tourist*innen in Straßencafés spritzten, gingen um die Welt, machten Barcelona zu einem der sichtbarsten Schauplätze der europäischen Debatte über Tourismus und Wohnraum. Doch was bleibt davon?
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in Spanien jemals ein würdiges Zuhause hatten. Seit zehn Jahren hüpfe ich wie ein Frosch von Zimmer zu Zimmer
Luisa Plazas Schegtel lebt mit Tochter und Mutter in einem Zimmer nahe Barcelona
Für Pardo greift die Frage zu kurz. Die Proteste seien nur der sichtbarste Teil jahrelanger Arbeit. Barcelona sei kein Einzelfall. Von Lissabon über Amsterdam bis Berlin werde darüber gestritten, wem die Stadt gehört, wenn Wohnungen knapper und Innenstädte zunehmend zur touristischen Kulisse werden.„Wir machen nicht die Touristen dafür verantwortlich“, stellt Pardo klar. Das eigentliche Problem sei ein Wirtschaftsmodell, das Barcelona immer stärker vom Tourismus abhängig gemacht habe.
2025 kamen 26 Millionen Besucher*innen nach Barcelona. Bereits 2023 erwirtschaftete der Tourismus nach einer Studie des Forschungsinstituts Metròpoli 13 Milliarden Euro – etwa ein Achtel der Wirtschaftsleistung der Stadt. 151.000 Menschen arbeiteten damals direkt im Tourismussektor.
Am deutlichsten hat sich das während der Coronapandemie gezeigt. Als der internationale Tourismus zeitweise fast vollständig verschwand, sei Barcelona für kurze Zeit eine andere Stadt gewesen. „Auf der Plaça Reial haben wieder Kinder gespielt“, erzählt Pardo.
Touristenwohnungen bis 2028 abzuschaffen, hält Pardo für einen Schritt in die richtige Richtung. Doch solange über die Pläne der Regionalregierung zum Ausbau des Flughafens diskutiert werde und der Hafen weiterhin in die Kreuzfahrtinfrastruktur investiere, sei das zu wenig. Seine Initiative kämpft gegen diese Ausbaupläne. „Viele beschweren sich über die Probleme in ihrer Stadt und in ihrem Land. Aber sie tragen dazu bei, dass dieselben Probleme auch an anderen Orten entstehen.“
Gewürze neben Putzmitteln
Luisa Plazas Schegtel, 35, lebt wie Lorena in L’Hospitalet de Llobregat. Auch sie heißt eigentlich anders. Mit ihrer Mutter und ihrer 14 Jahre alten Tochter teilt sie sich ein Zimmer von etwa 20 Quadratmetern. Darin befinden sich ein Einzelbett und eine zweite Matratze, die sie abends unter dem Bett hervorzieht. Durch die Wand ist aus dem Nachbarzimmer ein Fernseher zu hören. Es klingt, als würde jemand ununterbrochen durch die Programme zappen.
Auf den Regalbrettern reihen sich Gewürze neben Putzmitteln. Der Schulrucksack ihrer Tochter hängt am Schrank, an der Wand ein Föhn. Unter einem Klappstuhl steht ein Bügeleisen. Es gibt kaum einen Fleck im Raum, der nur einem Zweck dient.
Plazas zieht ihre Schuhe aus und lässt sich auf das gemachte Bett fallen. Sie nickt in Richtung der Nachbarzimmer: „Der einzige Ort, wo man etwas Ruhe hat, ist im Bad“, sagt sie. „Und selbst dort klopft dann schon wieder jemand an die Tür.“
800 Euro zahlt die Familie für das Zimmer. Zwei weitere Zimmer der Wohnung sind ebenfalls vermietet. Esszimmer, Küche und Bad teilen sie sich mit anderen Bewohner*innen. Alle zwei Wochen kommt auch Luisa Plazas’ Freund für einige Tage zu Besuch. Dann schlafen vier Menschen in dem Raum: Plazas’ Tochter, ihre Mutter und das Paar.
Verträge mit Höchstdauer
Viele beschweren sich über die Probleme in ihrer Stadt und in ihrem Land. Aber sie tragen dazu bei, dass dieselben Probleme auch an anderen Orten entstehen
Daniel Pardo Rivacoba vom Bündnis tourismuskritischer Nachbarschaftsinitiativen
2017 kam Plazas nach Barcelona. Zuvor hatte sie in Madrid gelebt. Sie hoffte auf einen Neuanfang, vor allem für ihre Tochter, die eine kognitive Entwicklungsverzögerung hat. Heute sagt sie: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in Spanien jemals ein würdiges Zuhause hatten. Seit zehn Jahren hüpfe ich wie ein Frosch von Zimmer zu Zimmer.“
Wenn der Tourismus alles andere überlagert: Einwohner*innen Barcelonas spritzen Touris nass. Juni 2025
Foto:
Davide Bonaldo/sopa/imago
Allein im vergangenen Jahr hätten sie in fünf verschiedenen Zimmern in unterschiedlichen Wohnungen gewohnt, im Jahr davor in drei. Immer wieder mussten sie ausziehen. Manchmal, weil die Miete stieg. Manchmal, weil die Hauptmieter*innen die Zimmer anderweitig vergeben wollten. „Ich will nur, dass wir endlich unser eigenes Zuhause haben“, sagt Plazas.
Das günstigste Angebot, das sie zuletzt gefunden hat: eine Einzimmerwohnung für 1.050 Euro – ohne Nebenkosten.Viele Zimmer- und Wohnungsangebote werden inzwischen nur noch mit Verträgen von maximal elf Monaten vermietet. So umgehen Eigentümer*innen die Regeln für reguläre Mietverhältnisse, zum Beispiel die Mietpreisbegrenzung. Anschließend können sie die Wohnungen teurer neu vermieten.
Oft scheitere sie schon vor der Besichtigung. Mehrfach hätten Vermieter*innen abgesagt, nachdem sie erfahren hatten, dass die Familie aus Kolumbien stammt. Es heiße dann, die Eigentümer*innen wollten nur Spanier*innen. Wie María Álvarez erlebt auch Luisa Plazas, dass ein minderjähriges Kind bei der Wohnungssuche häufig zum Problem wird. Neulich habe sie eine Wohnungsanzeige gelesen mit dem Hinweis: „Hunde erlaubt, Kinder nicht.“
Diskriminierung im Wilden Westen
Anfang 2026 verhängte die katalanische Gleichbehandlungsbehörde erstmals eine Geldstrafe gegen eine Immobilienagentur wegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Ein Mann marokkanischer Herkunft hatte sich auf eine Wohnung beworben und die Auskunft erhalten, sie sei bereits vergeben. Kurz darauf meldete sich ein Arbeitskollege auf dieselbe Wohnung. Er erhielt einen Besichtigungstermin. Die Behörde wertete den Fall als ethnische Diskriminierung und verhängte eine Geldstrafe von 10.000 Euro.
Auch die gemeinnützige Organisation Provivienda beobachtet seit Jahren einen Anstieg von Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. In einer Untersuchung akzeptierten die meisten befragten Immobilienagenturen diskriminierende Vorgaben von Eigentümer*innen – etwa Bewerber*innen aufgrund ihrer Herkunft auszuschließen.
Der Berufsverband der Immobilienmakler*innen in Katalonien, Col·legi i Associació d’Agents Immobiliaris de Catalunya, beantwortete Fragen der taz zur Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt und zum Umgang der Branche mit diskriminierenden Vorgaben von Vermieter*innen bis Redaktionsschluss nicht.
Migrantin und Mutter: Luisa Plazas Schegtel ist vom ständigen Umziehen krank geworden. Nur für ihre Tochter bleibt sie in Spanien
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Lara Voelter
Doch auch finanzielle Hürden erschweren die Wohnungssuche. Viele Vermieter*innen verlangten vier Monatsmieten Kaution, sagt Luisa Plazas, also mehrere Tausend Euro. Laut Miguel Ruiz Díaz-Reixa, Rechtsanwalt beim Observatori DESC, einer katalanischen Menschenrechtsorganisation, seien höchstens zwei Monatsmieten erlaubt. „Der Mietmarkt ist derzeit der Wilde Westen. Es gibt zwar viele Gesetze, aber bislang werden nur wenige davon durchgesetzt“, sagt Ruiz. Es fehle an wirksamen Kontrollen und daran, dass bestehende Vorschriften konsequent überprüft und durchgesetzt würden.
Hinzu komme, dass viele Betroffene Diskriminierung gar nicht meldeten. „Den meisten geht es in diesem Moment nicht darum, eine Diskriminierung anzuzeigen oder zu klagen, sondern überhaupt eine Wohnung zu finden.“ Zudem fehle das Vertrauen in staatliche Stellen. Viele Betroffene würden sich die Frage stellen: „Wenn sie das Wohnungsproblem nicht lösen können, warum sollten sie dann meine Diskriminierung lösen?“
Schule als einzige Konstante
Gemma Tarafa, Fraktionchefin der oppositionellen sozialökologischen Partei Barcelona en Comú im Stadtrat, sieht ebenfalls politischen Handlungsbedarf. „Rassismus ist strukturell und betrifft etwas so Grundlegendes wie das Wohnen und das Recht auf Zugang zu Wohnraum“, sagt sie. Aus ihrer Sicht müsse die Politik stärker in den Wohnungsmarkt eingreifen, um Diskriminierung aufgrund der Herkunft zu bekämpfen, ebenso wie die Benachteiligung von Alleinerziehenden.
Trotz allem denkt Luisa Plazas nicht daran, Spanien zu verlassen. Wäre sie allein, ist sie sich sicher, wäre sie längst nach Kolumbien zurückgekehrt. Doch ihre Tochter werde in ihrer Schule mit besonderem Bedarf besser gefördert als etwa in Kolumbien, glaubt sie. Dort habe sie große Fortschritte gemacht, Freundinnen gefunden und fühle sich wohl. Einen Platz an einer vergleichbaren Einrichtung zu bekommen, könne Jahre dauern. „Die einzige Konstante, die meine Tochter bislang hatte, ist die Schule.“
Dafür putzt und arbeitet Luisa Plaza in Bars und Restaurants oder nimmt andere Gelegenheitsjobs an. Da sie darauf wartet, dass ihre Aufenthaltspapiere verlängert werden, geschieht das ohne Vertrag. Ihre Mutter macht an den Wochenenden einer älteren Frau den Haushalt, kocht für sie und geht mit ihr spazieren. Auch Plazas’ Freund unterstützt die Familie finanziell.
Zeitweise habe sie sogar in ihrem Auto geschlafen, erzählt Luisa Plazas. Ihre Tochter wohnte währenddessen mit ihrer Mutter in einem Zimmer. Als die Sozialdienste von ihrer Situation erfuhren, vermittelten sie Mutter und Tochter für mehrere Monate in eine Übergangswohnung. Die Kosten wurden zunächst aus öffentlichen Mitteln finanziert. Später habe sie die Unterstützung jedoch versteuern und viel nachzahlen müssen, sagt Plazas. Auch Wohn- und Mietbeihilfen können steuerliche Folgen haben.
Geld, Zeit und Würde verloren
Ihre Psychologin und eine Sozialarbeiterin hätten ihr geraten, ein Zimmer oder eine Wohnung einfach zu besetzen, erzählt Luisa Plazas. Hausbesetzungen spielen in Spanien eine zentrale Rolle bei der Debatte über die Wohnungskrise. Für die Provinz Barcelona registrierte das spanische Innenministerium 2024 insgesamt 5.077 Fälle. Doch für Plazas kommt das nicht in Frage.
Ihre Wohnungssuche führt Plazas mittlerweile weit über Barcelona und Katalonien hinaus. Neun Dörfer habe sie bereits angerufen. Orte, die seit Jahren Einwohner*innen verlieren und neue suchen. Manche bieten renovierungsbedürftige Häuser zu symbolischen Preisen an, andere günstige Mietwohnungen. Doch auch dort habe sie nur Absagen erhalten.Vor drei Jahren erlitt Luisa Plazas, damals Anfang 30, einen Schlaganfall. Seither leide sie unter Schlafproblemen und chronischen Schmerzen. Bis heute geht ihr ein Satz der Ärzte nicht aus dem Kopf: „Das ist der dauerhafte Stress.“ Sie sagt: „Es fühlt sich an, als würde mir jemand den Fuß auf den Hals stellen. Ich bekomme kaum noch Luft.“
Auf Fotos sehe sie oft fröhlich aus, sagt sie. Das Lachen wolle sie sich nicht nehmen lassen, auch wenn es in ihr oft ganz anders aussehe. „Wir haben so viel Geld, Zeit, Energie und Würde verloren.“
Drei Wochen später schreibt Plazas per WhatsApp.Sie sind umgezogen. Wieder einmal. Etwa 40 Kilometer von L’Hospitalet de Llobregat entfernt. Das Zimmer sei schöner und größer als das alte, der neue Mitbewohner angenehmer als die vorherigen. Damit ihre Tochter auf ihrer Schule bleiben kann, begleitet sie sie nun jeden Morgen mit dem Zug dorthin. Anderthalb Stunden hin, anderthalb Stunden zurück. Dazwischen geht sie kellnern oder putzen. Auch am Wochenende.
*Nachname von der Redaktion geändert